Kloster Ettal: Ort des Gedenkens für Misshandlungsopfer geplant

Kloster Ettal: Ort des Gedenkens für Misshandlungsopfer geplant
Im Kloster Ettal soll für Missbrauchsopfer ein "Ort des Gedenkens" geschaffen werden.

Damit solle an die Vergangenheit erinnert, aber auch auf die Zukunft hingewiesen werden, sagte Michael Müller vom Verein "Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer" dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag. Erste Entwürfe für den Gedenkort lägen bereits vor. Die Umsetzung solle in diesem Jahr erfolgen. Vor fünf Jahren waren Fälle von Misshandlung und Missbrauch am Internat im oberbayrischen Ettal (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) aufgedeckt worden. Es folgte ein langwieriger Aufarbeitungsprozess, in dessen Folge das Kloster Entschädigungen in Höhe von rund 700.000 Euro an die Opfer zahlte.


Die Betroffenen, die in den 1950er bis 1990er Jahren an dem Internat unterrichtet wurden, seien "größtenteils wieder zu ihrem Frieden gekommen", sagte Müller. Die Fälle von Misshandlung und Missbrauch seien umfassend aufgearbeitet worden. So hätten die verantwortlichen Geistlichen des Klosters "akzeptiert", was in der Vergangenheit geschehen sei. In der Folge des Aufarbeitungsprozesses seien Entschädigungen und Therapiehilfen für 70 Betroffene bezahlt worden. Zudem habe ein sozialwissenschaftliches Gutachten die Hintergründe der früheren Zustände und die Folgen für die Opfer untersucht.

Dass sich der mutmaßliche Täter Pater G. erst jetzt vor dem Münchner Landgericht verantworten müsse, sei eine "unzumutbar lange Zeit für alle Beteiligten", sagte Müller. "Hier hätte die Justiz schneller sein sollen." Der inzwischen 44-jährige Geistliche soll zwischen 2001 und 2005 mehr als 20 Kinder sexuell missbraucht haben. Ab 22. Januar muss er sich vor der Jugendstrafkammer des Münchner Landgerichts verantworten. Für die Verhandlung sind sieben Tage angesetzt.

Der Rückgang der Anmeldezahlen in der Klosterschule sei nicht nur auf den Missbrauchsskandal zurückzuführen. "Das klassische Internat, bei dem die Kinder nur in den Ferien zu Hause sind, deckt sich nicht mehr mit dem Verständnis der Eltern", erklärte der Verein. Die Zahl der Anmeldungen am Internat ist in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen. 2009/2010 wechselten noch 13 Fünftklässler auf das Internet, in den vergangenen Jahren sank die Zahl auf sieben, fünf und schließlich drei Schüler.

Der Missbrauchsskandal in Ettal stand im engen Zusammenhang mit einer Serie von Skandalen in deutschen und österreichischen Internaten. Die erste katholische Einrichtung, in der 2010 Missbrauchsfälle aufgedeckt wurden, war das Canisius Kolleg in Berlin. Nach Medienberichten über Missbrauch und Gewalt am Internat in Ettal meldeten sich rund 100 ehemalige Schüler. Aus einer Selbsthilfegruppe der ehemaligen Schüler entstand der Verein, der den Aufarbeitungsprozess bis heute begleitet.

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