Zwingli trifft Luther - Was Zürich von 2017 erwartet

Was die Reformationsstadt Zuerich vom Jubilaeum 2017 erwartet

Foto: epd/Gion Pfander

Das Großmünster ist eine evangelisch-reformierte Kirche in der Altstadt von Zürich.

Zwingli trifft Luther - Was Zürich von 2017 erwartet
Die Stadt Ulrich Zwinglis pocht auf die Eigenständigkeit ihrer Reformationsgeschichte. Doch auch die Schweizer Protestanten bereiten sich auf den 500. Jahrestag des Wittenberger Thesenanschlags Martin Luthers vor.

Das Zürcher Großmünster ragt in den blauen, kalten Dezemberhimmel. Die wuchtige Kirche mit den beiden Türmen dominiert die Altstadt der Schweizer Metropole. Das Großmünster bildet einen der wichtigsten Fixpunkte der weltweiten Reformation. "Vor bald 500 Jahren predigte der Reformator Ulrich Zwingli von der Kanzel des Großmünsters seine religiöse Freiheitsidee", sagt der heutige Pfarrer am Großmünster, Christoph Sigrist.

Der Theologe mit den flinken Augen und dem bürstengleichen Vollbart ist erster "Botschafter des Zürcher Reformationsjubiläums". Sigrist gibt den Feierlichkeiten in der Stadt ein Gesicht - neben den strengen Zügen Zwinglis. "Was Zwingli, Luther und andere auslösten, wird ab 2017 auch in Zürich gefeiert", sagt Sigrist. Die Macher des Zürcher Jubiläums wollen sich einerseits der deutschen und internationalen Lutherdekade anschließen - diese findet ihren Höhepunkt 2017 mit dem 500. Jahrestag des Wittenberger Thesenanschlags durch Martin Luther (1483-1546). Andererseits pochen die Zürcher aber auf die Einzigartigkeit ihrer eigenen Reformationsgeschichte.

Anderes Abendmahlsverständnis

"Bei uns in Zürich wird an den ersten Arbeitstag Zwinglis als Großmünsterpfarrer erinnert, also an den 1. Januar 1519", erläutert Reformationsbotschafter Sigrist. "Einige der deutschen Besucher, die ich durch das Großmünster führe, können sich überhaupt nicht vorstellen, dass es neben Martin Luther auch noch andere Reformatoren gab", sagt der Geistliche mit einem feinen Schmunzeln.

Christoph Sigrist auf dem Zwingliplatz vor dem Grossmuenster neben einem Modell der Kirche
Ulrich Zwingli (1484-1531) war zweifelsohne eine große Persönlichkeit, deren Wirken das Leben zahlreicher Menschen verändert hat: Er leitete auf dem Gebiet Zürichs mit Unterstützung des Rates seit Beginn der 1520er Jahre seine eigene Reformation ein - wenige Jahre nach dem Thesenanschlag in Wittenberg. Mit Zwinglis Almosenordnung von 1525 kam es in Zürich zu wichtigen sozialpolitischen Neuerungen: Von nun an waren nicht mehr nur die Kirchen für die Armen- und Krankenfürsorge verantwortlich. Die Stadt Zürich wurde zu Aktionen gegen den grassierenden Hunger verpflichtet. Der Rat setzte Armenpfleger ein.

Zwingli und Luther trafen sich 1529 in Marburg. Doch konnten die Reformatoren ihre Differenzen im Abendmahlsverständnis nicht überwinden. Jahrhundertelang war die Reformierte Kirche Zürichs eine Staatskirche, sie prägte das gesellschaftliche Leben, Bildung und Werte. Noch heute, so sagt Großmünsterpfarrer Sigrist mit feiner Ironie, sei der Geist Zwinglis im täglichen Leben der Stadt sichtbar: "In Zürich ist alles geordnet und geputzt, jedes Ding hat seinen Platz und alles hat seine Richtigkeit."

Lutheraner sollen auch mit Reformierten feiern

In die internationalen Feiern zum Reformationsjubiläum bringen sich die Zürcher Reformierten und ihre Stadt gezielt ein: Zürich trägt den Titel "Reformationsstadt Europas", der von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa vergeben wird. Die Reformierten arbeiten mit Margot Käßmann zusammen, der Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland für das Reformationsjubiläum. Und sie setzen Akzente, etwa durch die Veranstaltung "Luther meets Zwingli": In Zürich trafen im November 2014 Reformierte und Lutheraner zu einer Konferenz zusammen.

Auf nationaler Ebene ist der Schweizerische Evangelische Kirchenbund in Sachen Reformationsjubiläum aktiv. Nach einem internationalen Kongress in Zürich zum Reformationsjubiläum im Jahr 2013 unterstrich Kirchenbundspräsident Gottfried Locher: "Der Auftakt ist gelungen - wir sind gemeinsam auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017." Die Schweizer haben bereits Erfahrungen mit großen Feierlichkeiten: Im Jahr 2009 beging man den 500. Geburtstag des Genfer Reformators Jean Calvin, der im Jahre 1509 im nordfranzösischen Noyon das Licht der Welt erblickte.

"Dass wir auch jetzt wieder mitmachen und auch in Wittenberg 2017 dabei sein wollen, scheint sich herumgesprochen zu haben", betont Martin Breitenfeldt, der sich für die Reformierte Landeskirche des Kantons Zürich um das Reformationsjubiläum kümmert. Für ihn ist das aber keine Einbahnstraße: "Wir feiern Luther mit den Lutheranern, und wir hoffen, dass diese auch mit uns unsere Anfänge begehen."