Die CSU fischt am rechten Rand

Kommentar

Illustration: evangelisch.de/Simone Sass

Die CSU fischt am rechten Rand
Ein Antrag der CSU zu ihrem Parteitag sorgt für Wirbel: Ausländer sollen in Deutschland Deutsch reden. Die Debatte zeigt deutlich: Die CSU braucht Nachhilfe in ihrem Verständnis von Integration und Zusammenleben.

Migranten sollen in der Öffentlichkeit und zu Hause gefälligst Deutsch sprechen, sonst werden sie ja nie richtige Deutsche. So liest sich der Versuch der CSU, mit ihrem Leitantrag zum Parteitag Migranten dazu zu bringen, ihre gelernte Sprache aufzugeben. Nach lautstarker öffentlicher Kritik hat die CSU die umstrittene Formulierung laut SZ-Informationen inzwischen verändert. Jetzt heißt es: "Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben Deutsch zu sprechen". Kein Wunder, dass die CSU reagierte, denn die ursprüngliche Idee, Menschen vorzuschreiben, welche Sprache sie in ihren eigenen vier Wänden reden sollen, ist absurd.

Viel besser geworden ist der Antrag trotzdem nicht, denn das Ziel bleibt das gleiche: Ausländer in Deutschland sollen gefälligst auch Deutsch reden. In einem Punkt hat die CSU zwar recht: Menschen, die in Deutschland wohnen wollen, kommen hier besser zurecht, wenn sie Deutsch sprechen. "Sprachförderung in allen Lebenslagen" steht deshalb auch als eine Forderung in dem Leitantrag der CSU, über die der Bayrische Rundfunk am Wochenende berichtete.

Aber es gehört auch zur Willkommenskultur, Einwanderer nicht dazu zu zwingen, ihre mitgebrachte Identität (die auch von Sprache geprägt wird) komplett abzulegen. Doch genau das macht die CSU mit dem Versuch, nicht-deutsche Sprachen zu stigmatisieren.

Mehr und bessere Sprachförderung fordern aber alle, auch die SPD und die Grünen. Die Aufforderung der CSU, zugleich auch das ganze Privatleben einzudeutschen, ist daher keine sachliche, sondern eine politische Abgrenzung. Die CSU fischt damit am rechten Rand, und zwar auf Kosten der Menschen, die sich herabgesetzt und abgelehnt fühlen, wenn sie zugunsten einer neuen Heimat die alte völlig aufgeben sollen.

Für eine gelingende Integration ist mehr Sprachförderung ein wichtiger Schritt, besonders für Kinder, denen Deutsch nicht in die Wiege gelegt wurde. Bestenfalls lernen sie die Sprache ihrer Eltern ebenso gut wie Deutsch. Dafür kann die Politik Rahmenbedingungen setzen - mehr Sprachlehrer, mehr Geld für Sprachförderung im Kindergarten, zweisprachige Schulklassen, leichtere Sprache in Behörden, damit die weniger abschreckend wirken. Ideen gibt es einige.

Die CSU scheint sich allerdings schwer zu tun mit der Idee, dass Deutsche zweisprachig leben können und wollen. Von denen gibt es aber viele, wie sich auf Twitter unter #YallaCSU gut nachlesen lässt. Auch den Christsozialen muss klar werden, dass Integration nicht heißt, zu einem krachledernen Vorbilddeutschen zu werden. Migranten, die nach Deutschland kommen, nehmen natürlich ihre Erinnerungen und Gewohnheiten aus der alten Heimat mit, und auch ihre Sprache. Das müssen auch die bayrischen Konservativen akzeptieren. Denn von Deutschen im Ausland fordert die CSU ja auch nicht, dort nur die Landessprache zu sprechen.

      

(...schreibt Peter Tauber, Generalsekretär der CDU.)

      

(...schreibt Volker Beck, innenpolitischer Sprecher der Grünen.)

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