Erlanger Tagung betont Menschenrecht auf Palliativmedizin

Erlanger Tagung betont Menschenrecht auf Palliativmedizin
Palliativmedizin ist dem Menschenrechtsexperten und UN-Sonderberichterstatter Heiner Bielefeldt zufolge ein Menschenrecht.

Vor Beginn einer Tagung an Universität Erlangen am Freitag zum Thema "Autonomie und Menschenrechte am Lebensende" sagte der Professor am dortigen Lehrstuhl für Menschenrechte, "Palliativmedizin ist ein Menschenrecht, nur leider weiß das niemand".

Bielefeldt kritisierte scharf eine Debatte über Sterbehilfe, die das Sterben nicht mehr als einen Bestandteil des Lebens betrachte. "Sterben gehört in die menschliche Gesellschaft und findet dort statt". Er bezeichnete es als "unwürdig", die Autonomie des Menschen als das Recht darzustellen, "die Notbremse zu ziehen".

"Das Sterben gehört zum Leben", unterstrich auch der Erlanger Lehrstuhlinhaber für Palliativmedizin, Christoph Ostgathe. Eine große "Bürgerbewegung" seien die inzwischen 80.000 Menschen in den Hospizvereinen.

Zu wenig Wissen über Palliativmedizin

Der würdevolle Sterbeprozess eines Menschen habe auch Auswirkungen auf die, die weiterleben, gab Ostgathe zu bedenken. "Wenn wir flächendeckend palliativmedizinische Versorgung hätten, würden weniger Menschen krank, die traumatische Erfahrungen mit dem Tod von Angehörigen gemacht haben", ist er überzeugt. Die Palliativmedizin kümmert sich ganzheitlich um unheilbar kranke Patienten.

Die Menschen wüssten zu wenig über die Möglichkeiten der Palliativmedizin, von Hospizen oder über Patientenverfügungen, kritisierte der Erlanger Professor für Ethik in der Medizin, Andreas Frewer. Dagegen müsse über die assistierte Sterbehilfe nicht diskutiert werden, weil die bisher in der Bundesrepublik existierenden Gesetze hier ausreichend seien.

Bei der interdisziplinären Tagung am Freitag und Samstag diskutieren etwa 100 Fachleute aus der Palliativmedizin, Menschenrechtspolitik, Philosophie und Literaturwissenschaft über Menschenrechtsschutz am Lebensende.

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