TV-Tipp des Tages: "Holger sacht nix" (ARD)

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TV-Tipp des Tages: "Holger sacht nix" (ARD)
TV-Tipp des Tages: "Holger sacht nix", 3. September, 20.15 Uhr im Ersten
Völlig abgebrannt, ohne Job und Perspektive, aber mit Sohn Theo im Gepäck muss Olga ihre hochfliegenden Großstadt- und Karriereträume begraben und mit Anfang 30 zurück im heimatlichen Dorf bei ihren Eltern Unterschlupf suchen.

Filme sind wie Menschen: Die einen mag man auf Anhieb, die anderen auf Anhieb nicht. Aber es gibt noch eine dritte Kategorie, und der muss man eine Chance geben, weil sie ihre Werte erst nach und nach entfaltet. Deshalb ist "Holger sacht nix" ein mutiges Projekt des WDR: Es dauert eine Weile, bis Buch (Katja Kittendorf) und Regie (Thomas Durchschlag) zur Sache kommen.

Rückkehr ins bergische Elternhaus

Auf diese Weise hat es der Film natürlich schwer, denn wer ein ungeduldiges Publikum nicht auf Anhieb gewinnt, bekommt in der Regel keine zweite Chance. Dabei deutet schon der Titel an, dass sich die Erzählung vom Bauern, der als Rentner seinem Hof nachtrauert, zu einer ungewöhnlichen Geschichte entwickelt. Genauer gesagt, zu einer Liebesgeschichte, aber auch die braucht ihre Zeit. Aber es geht auch um einen abgefeimten Plan, um ein Sorgerecht, das in Gefahr ist, und um eine bedrohte Vogelart.

Vordergründig erzählen Kittendorf und Durchschlag, wie die alleinerziehende Olga (Julia-Maria Köhler) in ihrer Not ins bergische Elternhaus zurückkehrt. Allerdings haben die Eltern (Tilo Prückner, Carmen-Maja Antoni) ihren Bauernhof gegen ein seniorengerechtes Reihenhaus eingetauscht. Vater Holger kann jedoch nicht loslassen und treibt sich zum Unmut seines Nachfolgers immer wieder auf dem Hof rum. Den Rest seiner Lebenszeit schlägt er auf dem Dachboden mit dem Bau von Flugzeugmodellen tot. Als Olga mitsamt Sohn Theo auftaucht, sagt der ohnehin schweigsame Holger überhaupt nichts mehr: Die beiden sind seit dem Auszug der Tochter zerstritten. Die verschiedenen nun folgenden Verwicklungen führen sogar dazu, dass er in den örtlichen Gasthof umzieht, wo sich ihm prompt die Wirtin (Johanna Gastdorf) an den Hals wirft. Gattin Lilo, nicht faul, lässt sich derweil auf eine Liaison mit dem Nachbarn ein, allerdings allein aus taktischen Gründen.

Der vornehme Herr, wegen seiner Vergangenheit als Bundeswehrpsychologe bloß "General" genannt, ist dank seiner absurden Strategien ("Unsere Kommunikation ist Schweigen") die skurrilste Figur der Geschichte, zumal Edgar M. Böhlke den schmissigen Pensionär fast als Hommage an Loriot anlegt. Regisseur Durchschlag durchbricht die Illusion seiner Geschichte zwar einige Male, weil Nacht und Tag in diesem Teil des Bergischen Lands offenbar rapider wechseln als anderswo; und nach Regengüssen sind Straßen und Menschen überraschend flott wieder trocken. Aber dafür entschädigt der Film mit vielen hübschen Einfällen, liebevoll entworfenem Personal und einem ganz eigenen Charme.