Wer sind die Peschmerga?

Wer sind die Peschmerga?
Auf die kurdischen Peschmerga-Truppen im Nordirak setzt die Weltgemeinschaft im Kampf gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" große Hoffnungen. Auch Deutschland prüft Waffenlieferungen. Doch wer sind die Peschmerga?

Peschmerga heißen die Soldaten der autonomen kurdischen Region im Nordirak. Der Name bedeutet "die dem Tod ins Auge Sehenden". Als Kämpfer für die kurdische Unabhängigkeit reicht ihre Tradition bis ins Osmanische Reich zurück. Derzeit blickt die Weltöffentlichkeit voll Hoffnung auf sie: Den Peschmerga wird zugetraut, den Vormarsch der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) zu stoppen. Die Bundesregierung prüft, welche Waffen an die Kurden geliefert werden könnten.

Anders als der martialische Name vermuten lässt, müsse man sich die kurdischen Soldaten nicht als Guerillas vorstellen, sagt Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. "Man kann sie durchaus als staatliche Armee betrachten", erklärt der Politikwissenschaftler. Trotz innerer Zwistigkeiten seien die Peschmerga relativ schlagkräftig: "Es spricht für sich, dass die USA die kurdischen Truppen bei ihrer Unterstützung im Kampf gegen IS gegenüber der irakischen Armee bevorzugt haben", unterstreicht Perthes. Etwa 130.000 Soldaten sollen den Peschmerga-Truppen angehören, schätzt der US-Thinktank Washington Institute. Für das Kommando ist ein eigenes Ministerium in der Kurdenhauptstadt Erbil zuständig.

Die Peschmerga haben keine Luftwaffe. Viele ihrer Waffen stammen noch aus den 1980er Jahren, als die Kurden gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein kämpften. Die IS-Terroristen erbeuteten dagegen in den vergangenen Wochen jede Menge moderne Ausrüstung, die die irakische Armee aus US-Beständen übernommen hatte. "Außerdem haben die Kurden keine eigene Satellitenaufklärung und können daher nur schwer vorhersehen, wo IS zuschlägt", sagt Perthes. IS bewege sich sehr schnell vorwärts, die Frontlinie zwischen den islamischen Terroristen und den Peschmerga-Truppen ist mehr als 1.000 Kilometer lang.

Die Wandlung der irakischen Kurden

Doch kann der Westen den kurdischen Truppen trauen? "Es gibt derzeit schlicht keine Alternative, als die Kurden zu unterstützen", sagt Bente Scheller, Leiterin des Beiruter Büros der Heinrich-Böll-Stiftung. "Die irakische Regierung war weder in der Lage noch willens, den IS-Vormarsch zu stoppen." Doch Scheller sieht auch Gefahren: "Die Waffen könnten in die Hände der türkischen PKK gelangen, die immer noch auf den Terrorlisten von EU und UN steht", warnt sie. Die Peschmerga kooperieren offenbar zunehmend mit PKK-Milizen, die auch bei der Befreiung von Zehntausenden Jesiden aus dem Sindschar-Gebirge im Nordirak geholfen haben sollen.

Dass Waffen in falsche Hände gelangten, könne bei keinem Rüstungsexport ausgeschlossen werden, betont dagegen Perthes. "Es ist sinnvoller, eine Regierung, die relativ gut funktioniert, zu stabilisieren, statt auf ihren Zusammenbruch zu warten", sagt der Politikwissenschaftler mit Blick auf die westliche Hilfe für die Kurden. Perthes schätzt, dass es den Peschmerga mit dieser Unterstützung gelingen könnte, die kurdischen Grenzen zu halten und den IS-Vormarsch zu stoppen. Die USA hilft den Kurden mit Luftschlägen gegen IS-Stellungen und mit Waffen. Auch Frankreich liefert bereits Munition, Großbritannien hat Waffenlieferungen angekündigt.

In den Augen des Westens haben die irakischen Kurden eine Wandlung durchgemacht: Betrachtete man ihre Unabhängigkeitsbestrebungen lange Zeit als gefährlich für die Region, gelten sie nun als Stabilitätsanker. So bieten sie verfolgten Minderheiten wie Christen und Jesiden Schutz. "Es gibt aber keine grundlegende Wandlung die Politik der Kurden betreffend", sagt Bente Scheller von der Böll-Stiftung. Die Korruption im kurdischen Gebiet sei ungebrochen hoch, es gebe Defizite bei Demokratie und Menschenrechten.