Arbeitgeberverband Pflege wehrt sich gegen Tarifverträge

Arbeitgeberverband Pflege wehrt sich gegen Tarifverträge
Gewerkschaft kritisiert Arbeitssituation
Der Arbeitgeberverband Pflege will sich mit "allen Mitteln" gegen Tarifverträge in seiner Branche wehren. Durch die Pläne der beiden SPD-geführten Bundesländer Brandenburg und Niedersachsen drohe eine Kostenexplosion, sagte der Präsident des Verbandes, Thomas Greiner, am Dienstag in Berlin.

Adäquate Pflege sei dann nicht mehr bezahlbar. Bislang gibt es keinen einheitlichen Tarifvertrag in der Pflege.

Zudem rechne der Verband damit, dass wegen des möglichen Tarifvertrags in den beiden Ländern ambulante Dienste auf dem Land schließen müssten. Die Branche sei zu heterogen, deshalb sei ein allgemeingültiger Tarifvertrag unverantwortlich, sagte Greiner. Seit dem 1. Juli 2013 bekommen Pflegehilfskräfte einen Mindestlohn von acht Euro (Ost) und neun Euro (West).

30.000 Pflegekräfte fehlen

Eine positive Entwicklung sah die Interessenvertretung hingegen bei der Attraktivität des Berufes. Laut dem Verband gibt es in diesem Jahr mit etwa 35.000 neuen Auszubildenden einen neuen Rekord. Insgesamt würden derzeit etwa 60.000 angehende Pfleger ausgebildet. "Wenn die Leute sagen, Pflege sei nicht mehr attraktiv, dann ist das ein Argument dagegen", sagte Greiner. Hinzu kämen etwa 2.000 Umschüler. Dennoch fehlten derzeit noch immer etwa 30.000 Pflegekräfte.

Die Gewerkschaft ver.di sieht dagegen keine Anzeichen für eine Verbesserung bei Entlohnung und Arbeitssituation. "Die Arbeitgeber müssen endlich mit deutlich mehr Personal und besserer Entlohnung die Attraktivität der Altenpflege nachhaltig verbessern", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler.

Insgesamt fehlten in der Altenpflege auf mittlere Sicht bis zu 140.000 ausgebildete Pflegekräfte, um die wachsende Anzahl der Pflegebedürftigen künftig angemessen versorgen zu können, erklärte ver.di. Pro Jahr müssten dafür rund 10.000 Altenpflegerinnen und -pfleger zusätzlich ausgebildet werden. Davon sei die Branche weit entfernt.

"Probleme sind hausgemacht"

"Die Probleme der privaten Arbeitgeber sind hausgemacht", kritisierte Bühler. Die Ausbildung sei vorsätzlich vernachlässigt worden, um Kosten zu sparen. "Im Vergleich zu anderen qualifizierten Tätigkeiten wird die Altenpflege zudem häufig zu schlecht bezahlt, weil sich gerade die privaten Arbeitgeber weigern, Tarifverträge abzuschließen."

Die fünf größten privaten Pflegeunternehmen in Deutschland und der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) hatten sich 2009 zum Arbeitgeberverband Pflege zusammengeschlossen. Gemeinsam mit den mehr als 8.000 Unternehmen im bpa repräsentiert er nach eigenen Angaben Betriebe mit rund 240.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

In Deutschland leben dem bpa zufolge rund 2,6 Millionen pflegebedürftige Menschen. Bis zum Jahr 2040 soll diese Zahl auf vier Millionen anwachsen.

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