Kolumbianische Guerilla FARC entschuldigt sich bei Opfern

Kolumbianische Guerilla FARC entschuldigt sich bei Opfern
Erstmals seit Beginn der Friedensverhandlungen in Kolumbien sind Vertreter der Guerilla mit Opfern des Krieges zusammengekommen.

Dabei entschuldigte sich einer der Verhandlungsführer für die FARC, Luciano Marín Arango alias "Iván Márquez", für die Gewalttaten der Gruppe, wie der Radiosender RCN am Samstag (Ortszeit) berichtete. Die Delegation der Opfervertreter bekräftigte ihre Unterstützung für den Dialog und forderte die FARC auf, die Verhandlungen mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags zu Ende zu bringen.


"Es war eine ernstgemeinte Entschuldigung von ganzem Herzen", erklärte Constanze Turbay, die ihre gesamte Familie durch Attentate der FARC verlor. Márquez habe gesagt, die Aktionen gegen ihre Familie seien ein Fehler gewesen. Es sei ein "sehr bewegender Moment gewesen, den Verantwortlichen für ihr Leid ins Angesicht zu blicken", sagte Turbay.

Am Freitag war die erste von fünf zwölfköpfigen Opferdelegationen in der kubanischen Hauptstadt Havanna eingetroffen, wo Regierung und Guerilla nach zweimonatiger Unterbrechung ihre Verhandlungen fortsetzen. Auf der Tagesordnung stehen Entschädigungszahlungen, die Rechte der Opfer sowie die Einrichtung einer Wahrheitskommission. Die Friedensverhandlungen begannen im November 2012. Bei den Themen Landkonflikte, Drogenhandel und Eingliederung der Rebellen in das politische Leben wurden bereits grundsätzliche Einigungen erzielt.

Die zwölf Opfervertreter forderten die Gründung einer Kommission, um den Verbleib der Verschwundenen und der nicht aufgefundenen Mordopfer aufzuklären. Das Gespräch begann mit einer Schweigeminute im Gedenken an die etwa 220.00 Menschen, die in dem über 50 Jahre währenden Krieg getötet wurden. Dabei hielten sich die Opfer sowie die Vertreter von FARC und Regierung an den Händen.

An den Gesprächen beteiligen sich Opfer der FARC, der Paramilitärs und der staatlichen Sicherheitskräfte. Über ihre Auswahl wird in Kolumbien heftig gestritten. Regierung und FARC beharren darauf, dass Opfer aller Kriegsparteien gehört werden sollten. Kritiker plädieren dafür, ausschließlich Opfer von Guerillaaktionen zu hören.

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