Kirche gegen Rechts: Der Jugend Gottes Vaterliebe zeigen

Kirche gegen Rechts: Der Jugend Gottes Vaterliebe zeigen
In welcher Weise sollten sich Christen gegen rechte Gewalt und Fremdenhass engagieren? Unsere beiden Gastkommentatoren verfolgen unterschiedliche Ansätze. Hubertus Grass ruft die Kirche dazu auf, Stellung zu beziehen und sich unbedingt aktiv gegen Rechts zu engagieren. Gottfried Muntschick, Generalsekretär des CVJM Sachsen-Anhalt, plädiert dafür, Jugendliche intensiv zu betreuen. Engagement gegen Rechtsextremismus bedeutet für den Christlichen Verein Junger Menschen: geklärte Beziehungen, tragende Werte und leidenschaftliches Engagement für den anderen.

Wenn Schlagzeilen über rechtradikales Handeln in unserer Nähe die Runde machen, gibt es immer wieder ein neues Erschrecken. Gibt es so was immer noch? Und ich selber frage mich, ob wir unseren Auftrag als CVJM gut erfüllen? Ja, ich nehme solche Meldungen sehr persönlich. Aber ich schaue auf dieses Problem nicht nur, wenn es die Schlagzeilen erreicht hat. Rechtsradikalismus, Neofaschismus und Antisemitismus sind mir seit meiner Schulzeit vertraut. Selbst das FDJ-Jugendinstitut in Leipzig beschäftigte sich in den 80er Jahren mit der latenten Akzeptanz faschistischen Gedankengutes unter Jugendlichen in der DDR. Auch die "Entnazifizierung" nach dem Krieg löschte die Gesinnung nicht. Fast möchte ich behaupten, dass die Gesinnung gegen Fremdes und der Dünkel eigener Herkunft jeder Generation inne sind. Aber das fordert uns als Christen heraus, weil dieses Denken zu tiefst der Botschaft Jesu widerspricht.

Wir erleben das in der christlich motivierten Jugendarbeit in Sachsen–Anhalt besonders an drei Gewichtungen. Zum einen in der Verbindung von Jugendbildung und Jugendarbeit. Hier erfahren Menschen nicht nur, was gut und richtig ist, sondern auch warum. Die Grundlage unserer gesellschaftlichen Werte wurzelt tief in der biblischen Botschaft von der Liebe Gottes. Vielen Menschen ist es nicht mehr klar, dass das Solidarprinzip z.B. im Renten- und Gesundheitswesen auf dem Gebot der christlichen Nächstenliebe beruht. Wem diese Grundlage fehlt, der wird leicht unsicher. Andererseits: Wer die Radikalität christlicher Hingabe lernt, wird wenig Verständnis für Herrenrassetheorien u.ä. haben.

Das Gefühl, etwas Wertvolles zu sein

Den christlichen Glauben mit in den Alltag zu nehmen, ist eine sehr radikale Herausforderung. Da bleibt für andere Radikalitäten wenig Raum. Konkret erleben wir das im Bereich der Familienbildung und -begegnung. Hier prägen wir schon mit dem christlichen Menschenbild die Grunderfahrungen von Kindern in der Familie. Das Gefühl, etwas Wertvolles zu sein; ein Kind, das kein "Unfall" war, sondern geliebt ist, weil es ein Geschöpf Gottes ist, lässt uns radikal verändernde Beziehungsgeschichten erleben. Familien versuchen plötzlich Regeln einzuführen, Gewalt zu minimieren und Wertschätzung zu formulieren. Das ist unser Versuch mit Menschlichkeit der Unmenschlichkeit der Ausgrenzung und der Verurteilung von Menschen zu begegnen.

Zum dritten schaffen wir Orte, an denen das, was wir predigen auch gelebt wird. Mehrere Häuser beherbergen Gruppen, um sie an die Vaterliebe Gottes heranzuführen. Eine Vaterliebe des leiblichen Vaters haben viele nicht erfahren. Deshalb laden wir zu Veranstaltungen ein, die die Beziehungsveränderung aufzeigen und einen Zugang zur Vaterliebe Gottes ermöglichen.

Politisches Engagement bedeutet für uns geklärte Beziehungen, tragende Werte und leidenschaftliches Engagement für den anderen. Wo für den Einzelnen das spürbar wird, entwickelt sich eine christliche und demokratische Persönlichkeit, die im Zusammenleben prägend für die Gesellschaft wird. Gesinnungsverirrungen werden damit nicht verhindern, aber sicher der radikalen Entmenschlichung unserer Gesellschaft begegnen.


Gottfried Muntschick ist Generälsekretär des CVJM Sachsen-Anhalt.