Krawalle in London: Es herrscht trügerische Ruhe

Krawalle in London: Es herrscht trügerische Ruhe
Gespannte Ruhe nach vier Krawallnächten in Großbritannien: Endlich scheint sich die Lage in London und Umgebung ein wenig zu beruhigen. Das liegt auch an einem Großaufgebot der Polizei. Gerade dort wurde aber Geld eingespart und Stellen wurden abgebaut. Auch deshalb muss Premier Cameron heute im Parlament zur Sondersitzung.

Nach vier Krawallnächten hat es in Großbritannien am Abend nach Medienberichten keine größeren Zwischenfälle gegeben. In London, Manchester oder Birmingham herrschte am Mittwochabend gespannte Ruhe. Zahlreiche Polizisten patrouillierten auf den Straßen, berichtete der Fernsehsender BBC in der Nacht zum Donnerstag.

Bereits in der Nacht zum Mittwoch war es in London verhältnismäßig ruhiggeblieben. Dafür hatte sich die Gewalt aber in anderen Städten fortgesetzt, darunter Manchester und Liverpool. In Birmingham starben drei Einwanderer, nachdem sie von einem Auto überfahren worden waren. Die Männer im Alter zwischen 21 und 31 Jahren standen auf dem Bürgersteig und wollten ein Geschäft vor Plünderern schützen.

Trozt leichter Beruhigung: Nach den heftigen Krawallen mit mehreren Toten wächst der politische Druck auf den konservativen britischen Premierminister David Cameron. Vor einer Sondersitzung des Parlaments (12.30 MESZ Rede Camerons) und einer Beratung des Krisenkabinetts am Donnerstag forderten Politiker der Opposition und auch des Regierungslagers, bereits beschlossene Sparmaßnahmen bei der Polizei zurückzunehmen.

Um 20 Prozent wurden die Ausgaben für die Polizei gekürzt

Die Kürzung der Ausgaben für den Polizeiapparat um 20 Prozent und der damit einhergehende Stellenabbau seien weniger als ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen in der britischen Hauptstadt unrealistisch, sagte Londons konservativer Bürgermeister Boris Johnson.

Angesichts der gewalttätigen Ausschreitungen hunderter Jugendlicher und der Zerstörungen durch Brandsätze in London und anderen Großstädten seien nun auch Regierungsmitglieder der Meinung, dass die Zahl der Polizisten nicht verringert werden dürfe, berichtete die Zeitung "The Guardian". Cameron hatte am Mittwoch versprochen, die Polizei werde mit hartem Durchgreifen Ruhe und Ordnung wieder herstellen.

Dass es in der Nacht zum Donnerstag auf Englands Straßen weitgehend ruhig bliebt, dafür sorgte ein Großaufgebot von Sicherheitskräften, allein in London waren 16.000 Beamte im Einsatz. Bis Mittwochabend waren landesweit mehr als 1.300 mutmaßliche Randalierer und Plünderer festgenommen worden. Gerichte arbeiten derzeit rund um die Uhr. Fast 300 mutmaßliche Täter wurden bereits angeklagt, mehrere von ihnen erhielten in Schnellverfahren mehrmonatige Haftstrafen.

In Birmingham gedenkt Hunderte bei einer Mahnwache der drei toten Männer

In Birmingham gedachten Hunderte bei einer Mahnwache der drei jungen Männer aus muslimischen Einwandererfamilien, die in der Nacht zum Mittwoch von einem Auto überfahren und getötet worden waren. Die Männer im Alter von 21, 30 und 31 Jahren gehörten nach Schilderungen von Augenzeugen zu einer Gruppe, die Geschäfte ihrer Wohngegend vor Plündererbanden schützen wollte. Der Vater eines der Opfer trug mit einem Appell, keine Vergeltung zu üben, maßgeblich dazu bei, dass es auch in Birmingham trotz der dort weiterhin angespannten Lage keinen neuen Gewaltausbruch gab.

Die Krawalle waren am Samstag im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham ausgebrochen und hatten sich in den vergangenen Tagen immer weiter ausgebreitet. Auslöser war der Tod eines 29 Jahre alten dunkelhäutigen Familienvaters, der von der Polizei erschossen worden war. Ballistische Untersuchungen ergaben, dass er selbst nicht auf die Polizisten gefeuert hatte. Das hatte Scotland Yard behauptet.

dpa