Elbe gut, alles gut beim Kirchentag in Dresden

Elbe gut, alles gut beim Kirchentag in Dresden
Überfüllte Bahnen, gesperrte Straßen, singende Gruppe allerorten: Der evangelische Kirchentag hat Dresdens Stadtbild fünf Tage lang bestimmt. Die Besucher des Protestantentreffens drängten sich in überfüllte Hallen, schliefen auf harten Isomatten in Schulen. Trotzdem blieben alle gut drauf, bis zum Ende des Laientreffens am Sonntag.

"Beim Kirchentag zeigt sich einfach eine ganz andere Lebenseinstellung", sagt die 16-jährige Mara, die das erste Mal beim Kirchentag dabei war. Konzerte und Gebete vor barocker Kulissen lockten mehr als 118.000 Dauerteilnehmer in die Elbestadt. Es waren so viele Besucher wie seit dem Protestantentreffen 1995 in Hamburg nicht mehr. Der Morgen begann für den Einen um sechs Uhr mit einer Andacht in der Frauenkirche, für den Anderen mit Bibelarbeiten um halb zehn. Für die meisten Gäste endeten die Tage nicht vor Mitternacht.

Auf den Bühnen erlebten die Besucher Prominente aus Politik, Kultur und Kirche: Innenminister Thomas de Maizière (CDU) debattierte mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, über Militäreinsätze. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen über Integration und eine gerechte Wirtschaft. Einer der größten Publikumsmagneten aber war erneut - wie beim ökumenischen Kirchentag in München - die populäre Ex-Bischöfin Margot Käßmann, die Tausende zu ihren Veranstaltungen lockte.

Die Abende gehörten Musik-Stars wie den "Wise Guys", den Prinzen, Nina Hagen und Bodo Wartke sowie Wladimir Kaminers "Russendisko". Aber auch spirituelle Angebote standen auf dem Programm: Taizé-Gebete und der berührende Segen am Eröffnungsabend, bei dem Zigtausende Kerzen das Elbufer erleuchteten.

Ideelle Werte mit grünem Schal verkleidet

Die Hauptbotschaft des Kirchentages, der unter der Losung "...da wird auch dein Herz sein" stand, lautete: Nicht materielle Schätze, sondern ideelle Werte bereichern das Herz. Schnell hatte der Kirchentag auch seinen Dresscode gefunden: Der grüne Schal mit dem aufgedruckten Motto wurde zum unverzichtbaren Accessoire. Er wurde auch zum Zeichen der Zusammengehörigkeit in einer Stadt, in der Kirchenmitglieder in der Minderheit sind. Für Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt war dies eine Chance: "Begeisterte Skeptiker" wünschte sie sich, "religiöse Zaungäste" wolle sie anlocken, sagte die Grünen-Politikerin.

Bei Marc indes, der an Christi Himmelfahrt - für ihn Männertag - mit Kumpels und Bierkasten durch Dresden zog, blieben Zweifel. "Ist komisch, wenn mir einer erzählt, ich soll materiellen Gütern entsagen, und dabei ein fettes Goldkreuz um den Hals trägt", sagte der Jugendliche, fügte aber hinzu: "Im Prinzip hat er ja recht."

Und Kirchentags-Aktivist Florian Mauersbeger ist es nicht gelungen, kirchenferne Dresdner für den Glauben zu begeistern. Der 20-Jährige stellte in der Fußgängerzone Kirchenbänke auf - dort wollte er Passanten Fragen zum Glauben und zur Kirche zu beantworten. Allein, es interessierte kaum einen - außer ein paar Flyern konnte Mauersberger sein Wissen nicht loswerden.

Der Musikstudent, der auch im großen Eröffnungskonzert auf den Elbwiesen mitgesungen hat, blieb dennoch optimistisch: Die Kirche habe die Chance bekomme, "sich positiv darzustellen und die Skepsis, die im Osten herrscht, auszuräumen."

epd