Neuer ZDF-Kulturkanal als "Spiegel eines Lebensgefühls"

Neuer ZDF-Kulturkanal als "Spiegel eines Lebensgefühls"
Mit dem neuen Digitalkanal ZDFkultur will das Zweite Deutsche Fernsehen nach den Worten von Intendant Markus Schächter die traditionelle Trennung zwischen Hoch- und Pop-Kultur aufheben.

Am 7. Mai soll das 24-Stunden-Programm den ZDFtheaterkanal ablösen und zum "Spiegelbild eines veränderten Lebensgefühls und Kulturverständnisses" werden, sagte Schächter am Donnerstag in Hamburg. Die beiden Koordinatoren von ZDFkultur, Wolfgang Bergmann und Daniel Fiedler, verteidigten den neuen Kanal in einem epd-Gespräch gegen Kritik von Medienpolitikern.

"Weniger Feuilleton, mehr Interaktion", so beschrieb Schächter den neuen Kultur-Auftritt, dessen Jahresetat von zunächst zwölf Millionen Euro ausschließlich "mit Umschichtungen von Geldern" aus dem ZDF-Etat finanziert werden soll. Dabei wolle man zum ZDF-Hauptprogramm und den Spartenkanälen ZDFneo und ZDFinfo zwar "Synergien herstellen", dennoch aber "eigene Akzente" setzen, sagte Schächter.

Schwerpunkte: Popkultur und Spiel

ZDFkultur solle vor allem neue Formen entwickeln, die sich auch aus der intensiven Beobachtung des Internets ergäben, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Der Austausch mit interessierten Nutzern und Zuschauern werde in das neue Format einfließen. Beispielhaft stehe dafür das 15-minütige Magazin "Der Marker", das täglich um 20 Uhr gesendet werde und zugleich rund um die Uhr auf der eigenen Website und in Social-Media-Angeboten online sein werde.

Tragende Programmsäulen von ZDFkultur sollen die Popkultur sowie "alle Formen des Spiels" sein, vom Theaterspiel bis zur Internet- und Computerspielkultur. Dabei werde man "nicht auf die Charts und den Mainstream" setzen. Das Ziel sei, zum "Geheimtipp für junge Leute" zu werden, sagte ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut.

ZDFkultur schließe "eine wichtige Lücke", sagte Koordinator Bergmann dem epd. Mit dem Kanal wolle das ZDF in einen "kulturellen medialen Dialog" mit einem jungen kulturinteressierten Publikum treten. "Es kann wohl niemand behaupten, dass die Medienlandschaft insgesamt unter zu viel Kultur leiden würde."

"Keine Dopplung mit Arte und 3sat"

Fiedler sagte, der neue Kanal unterscheide sich deutlich von vorhandenen Angeboten wie Arte und 3sat. Es sei "absurd" zu sagen, das Programm von ZDFkultur dopple sich mit dem der anderen Kulturkanäle. "Dieses Angebot kostet den Gebührenzahler keinen Cent mehr, es wird aus dem Haushalt des ZDF finanziert, und es wurde von den Medienpolitikern im Fernsehrat einstimmig begrüßt." Medienpolitiker hatten in den vergangenen Wochen kritisiert, dass das ZDF mit ZDFkultur eine "ähnliche Produktnische" bediene wie 3sat und Arte.

ZDFkultur ist einer von drei Digitalkanälen des ZDF. ZDFneo, der Zielgruppensender für Berufstätige und junge Eltern, ging als Nachfolger von ZDFdoku am 1. November 2009 auf Sendung. Gezeigt werden vor allem Serien, Filme und Dokumentarformate. Der ZDFinfokanal sendet vorwiegend aktuelle Nachrichten aus Wirtschaft, Politik und Kultur sowie Dokumentationen.

Die Prognosen für die Marktanteile der drei digitalen Spartenprogramme des ZDF liegen nach Angaben des Senders bei rund einem Prozent. Wenn das ZDF-Hauptprogramm bei den unter 50-Jährigen 0,4 bis 0,6 Prozentpunkte Zuschauer verloren, ZDFneo aber bereits ebensoviele gewonnen habe, sei dies "unterm Strich für die Senderfamilie ein Erfolg", sagte Schächter. Das "Korsett des Ein-Kanal-Systems" sei erfolgreich verlassen worden, und die neuen Formate trügen "zur Kontinuität des gesamten ZDF-Auftritts" bei.

epd