Johannes Paul II. wird seliggesprochen

Johannes Paul II. wird seliggesprochen
Jetzt ist es offiziell: Papst Johannes Paul II. wird am 1. Mai selig gesprochen. Der bei Vielen beliebte Pole war 27 Jahre lang Papst. Er galt als Mahner für Frieden und soziale Gerechtigkeit. Karol Wojtyla starb im April 2005 im Alter von 85 Jahren.

Bei den Trauerfeiern für Papst Johannes Paul II. forderten Gläubige aus aller Welt 2005 in Rom mit dem Slogan "Santo subito" die sofortige Seligsprechung des verstorbenen Kirchenoberhaupts. Nur der Skandal um den Gründer der konservativen Glaubensgemeinschaft Legionäre Christi, Marcial Maciel Degollado (1920-2008), schien den ansonsten in Rekordzeit ausgeführten Seligsprechungsprozess im vergangenen Jahr zu behindern. Doch jetzt ist es offiziell: Papst Johannes Paul II. (1920-2005) wird am 1. Mai im Rahmen einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz seliggesprochen.

Bereits in den 80er Jahren lagen der vatikanischen Glaubenskongregation Beschwerden gegen den spanischen Priester wegen sexuellen Missbrauchs vor. Johannes Paul II. förderte die Priestervereinigung dennoch. Eine von seinem Nachfolger Benedikt XVI. in Auftrag gegebene Untersuchung beurteilte Macials Verhalten als "objektiv unmoralisch", da dieser Seminaristen sexuell missbraucht und mehrere uneheliche Kinder gezeugt hatte.

Bei zweitem Wunder Heiligsprechung möglich

Unabhängig von der Tatsache, ob Johannes Paul von dem über Jahrzehnte umstrittenen Verhalten des Legionäre-Gründers wusste, gilt er seinem Nachfolger Benedikt XVI. als würdig für eine Seligsprechung und damit für die Verehrung in der zugehörigen Diözese. In einem nächsten Schritt kann er nach der Anerkennung eines zweiten Wunders durch die Heiligsprechung allen Katholiken weltweit als Vorbild empfohlen werden.

Der polnische Papst gilt wegen seiner Unterstützung der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc noch heute als einer der Wegbereiter des Mauerfalls. Als eher unbekannter Außenseiter 1978 auf den Papstthron gewählt, setzte er sich für Frieden, Menschenrechte sowie Dialog zwischen Kirchen und Religionen ein.

Noch kurz vor seinem Tod am 2. April 2005 brach er einen seiner zahlreichen Rekorde. Die Amtszeit des über Jahre von Alter und Krankheit gezeichneten Papstes war damit die drittlängste in der Kirchengeschichte. Als Mahner gegen den Krieg, der kurz vor seinem Tod zum symbolischen Oberhaupt der Allianz gegen den Irak-Krieg wurde, geriet er somit auch zum Sprecher linker Politiker. Bei seinem gleichzeitigen Einsatz gegen Abtreibungsmittel, Ehescheidung und Frauenpriestertum war das für viele überraschend.

Dialog mit anderen Glaubensgemeinschaften

Als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche der Neuzeit besuchte Johannes Paul II. eine Moschee und eine Synagoge. Neben der tiefen Spiritualität kennzeichnete ihn eine große Fähigkeiten zur Kommunikation, mit der er Kontakt zu anderen Kirchen und Religionen pflegte.

Nach den Terroranschlägen des 11. September erreichten die Bemühungen Johannes Pauls II. für soziale Gerechtigkeit und Dialog zwischen Glaubensgemeinschaften beim Weltgebetstreffen für den Frieden in Assisi ihren Gipfel. Kardinal Joseph Ratzinger stand der Initiative als Präfekt der Glaubenskongregation aus Sorge um eine Vermischung der Religionen damals kritisch gegenüber. In diesem Jahr wird er als Papst selbst an dem Gebetstreffen teilnehmen.

Knapp 100 Auslandsreisen

Johannes Paul II. führte die katholische Kirche konservativ und zugleich vorsichtig reformerisch ins dritte Jahrtausend. Er war der erste Nicht-Italiener auf dem Papstthron seit dem 16. Jahrhundert. Als Kirchenführer verband er die polnische Volksfrömmigkeit seiner Heimat mit Reformdenken in der Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils. Mit Methoden der globalisierten Kommunikation scharte der Papst, der knapp 100 Auslandsreisen unternahm, große Menschenmassen bei um sich.

Karol Wojtyla wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice geboren. Die Erinnerung an seine Kindheit im von Nationalsozialisten besetzten Polen trug wesentlich dazu bei, dass er sich um Aussöhnung vor allem mit den Juden bemühte.

Diese Bemühungen erreichten beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Jerusalem im März 2000 ihren Höhepunkt. Dort drückte er "tiefste Trauer" über Hass und Verfolgung aus, denen Juden durch Christen ausgesetzt gewesen seien. Im Dialog mit den Protestanten kam es in der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" 1999 zu einer Rücknahme der gegenseitigen Lehrverurteilungen. 

epd