Kirchentag 2011: Protestantentreffen an der Elbe

Kirchentag 2011: Protestantentreffen an der Elbe
Auch die Schulen helfen mit: Klassenzimmer werden Schlafplatz für 40 Prozent der rund 100.000 Dauerteilnehmer, die zum 33. Evangelischen Kirchentag vom 1. bis 5. Juni in Dresden erwartet werden. Unterricht fällt aber nicht aus, denn am ersten Kirchentagstag machen die Schüler einen Wandertag, an den anderen Tagen haben die Schüler in Sachsen sowieso Ferien.

Mindestens 20.000 Teilnehmer werden allerdings täglich bis zu 50 Kilometer lange Anfahrtswege auf sich nehmen müssen und in Schulen zwischen Altenberg, Freiberg und Bautzen untergebracht. Zusätzlich suchen die Veranstalter rund 10.000 Privatquartiere. Die Werbung hierfür beginnt im Januar.

Motto "... da wird auch dein Herz sein"

"Sachsen zieht an, es wird fantastisch", ist der Geschäftsführer des Dresdner Kirchentags, Volker Knöll, überzeugt. Schon jetzt gebe es vergleichsweise mehr Anmeldungen als 2007 in Köln oder 2009 in Bremen. In Ostdeutschland ist der bundesweite Kirchentag seit 1990 erst zum zweiten Mal überhaupt zu Gast. 1997 trafen sich die Protestanten ebenfalls in Sachsen, damals in Leipzig.

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Auf dem Programm stehen rund 2.000 Veranstaltungen unter dem Motto "... da wird auch dein Herz sein". Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt, hauptberuflich Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin, erwartet eine Belebung der Debatte über Glauben und Gott. "Unser Kirchentag im Juni und der Papstbesuch im September werden die Diskussion über das Religiöse vorantreiben", sagt sie.

Mehr als 120 Orte entlang der Elbe, darunter 43 Kirchen sowie 17 Areale unter freiem Himmel, sind dafür vorgesehen. Auf mehr als vier Kilometern Länge ziehen sich die Programmangebote von der Messe bis zum Deutschen Hygiene-Museum am Großen Garten.

Wie in Bremen mangelt es in Dresden an großen Veranstaltungsorten. Das sei aber kein Problem, sondern mehr eine "Chance für stark emotional geprägte, sehr persönliche Erlebnisse", versichert Knöll. In den nächsten Wochen wollen die knapp 100 Mitarbeiter der Kirchentagsgeschäftsstelle "das Programm in Form gießen". Mitte März soll es druckfertig sein.

Abschlussgottesdienst auf der Elbe

Gefeilt wird auch am Sicherheitskonzept. Nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade, wo bei der Massenpanik im Juli 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden, werden die Besucherwege nochmals überprüft. Immerhin werden allein zur Auftaktveranstaltung am 1. Juni auf dem Neu- und Altmarkt sowie am Elbufer rund 350.000 Besucher in der Innenstadt erwartet.

Maßstäbe werde das Kulturprogramm des Kirchentags setzen, stellt Generalsekretärin Ellen Ueberschär in Aussicht. In allen Bereichen gebe es neue Rekorde bei den Anmeldungen und Bewerbungen. Beteiligt sein werden an den rund 1.000 kulturellen Veranstaltungen mehr als 18.000 Profis und Laien. Allein knapp 9.000 Bläser und Sänger, darunter 2.100 aus Sachsen, hätten ihre Teilnahme zugesagt.

Für den Abschlussgottesdienst am 5. Juni wollen die Veranstalter eine Bühne auf und an der Elbe aufbauen. Die Besucher könnten dann das Ereignis von beiden Seiten des Flusses verfolgen. Die Ausführung ist allerdings vom Elbpegel abhängig. Generalsekretärin Ueberschär setzt auch für dieses Vorhaben auf Gottvertrauen.

Insgesamt wird das fünftägige Protestantentreffen rund 14 Millionen Euro kosten. Davon tragen das Land 5,5 Millionen, die Stadt zwei Millionen, die evangelische Landeskirche eine Million Euro und der Bund 400.000 Euro. Dass sowohl die in Sachsen mitregierende FDP als auch die Linkspartei die Höhe der Landeszuschüsse kritisierten, hält Geschäftsführer Knöll für "total okay" und "kein Stück weit neu". Schließlich müsse erklärt werden, was mit den Steuergeldern passiert. Für den sächsischen Landesbischof Jochen Bohl ist der Kirchentag angesichts der zu erwartenden Einnahmen durch die zahlreichen Besucher für die gesamte Region der "klassische Fall einer Zukunftsinvestition".

epd