Lob und Tadel für "Tatort Internet"

Lob und Tadel für "Tatort Internet"
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat die RTL-II-Sendung "Tatort Internet" kritisiert. "Es besteht die Gefahr, dass Unschuldige angeprangert und große Schäden angerichtet werden und der Rechtsstaat in eine Schieflage gerät", sagte die Ministerin der "Passauer Neuen Presse". Lob für die Sendung kam unterdessen vom Bund Deutscher Kriminalbeamte (BDK).

BDK-Chef Klaus Jansen sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe): "Ich finde es ohne Abstriche gut, dass der Sender sich gemeinsam mit Stephanie zu Guttenberg des drängenden Problems der Kinderpornografie im Netz annimmt." Jansen forderte ARD und ZDF auf, ähnliche Formate in ihr Programm aufzunehmen.

Seit der ersten Folge am 7. Oktober mehren sich kritische Stimmen zur Machart von "Tatort Internet". In der Sendung spürt ein Reporterteam mit verdeckten Recherchen mutmaßliche Pädophile auf und stellt sie zur Rede. Kinderschutzvereine kritisierten, ein solch reißerisches und vorurteilsstärkendes Sendeformat leiste keinen Beitrag zum Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt.

Persönlichkeitsrechte

Medienrechtler werfen RTL II vor, Persönlichkeitsrechte der gezeigten Personen zu verletzen. In mindestens zwei Fällen war es Internetnutzern gelungen, die Klarnamen von beschuldigten Personen zu recherchieren, obwohl der Sender nach eigenen Angaben versucht, die mutmaßlichen Sexualtäter zu anonymisieren.

Ein Leiter einer Jugendeinrichtung der Caritas Würzburg war am 14. Oktober entlassen worden, nachdem bekannt wurde, dass er sich nach einem anzüglichen Internetchat mit einer vermeintlich 13-Jährigen getroffen hatte. Seit seiner Entlassung wird der Mann vermisst. Angehörige und Kollegen befürchten, er könnte sich das Leben genommen haben. Die Staatsanwaltschaft Würzburg ermittelt gegen den Mann wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen.

Medienaufsicht

Der Caritasverband Würzburg äußerte Kritik daran, erst nach der Ausstrahlung von der zweifelhaften Verabredung erfahren zu haben. RTL II kündigte daraufhin an, künftig die Arbeitgeber und Institutionen zu benachrichtigen, bei denen die vermeintlichen Täter mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben.

Die zuständige Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (LPR) prüft die Sendung derzeit auf die rechtliche Einhaltung journalistischer Grundsätze, den Jugendschutz sowie die Wahrung von Persönlichkeitsrechten.

epd