Der Deutsche Fernsehpreis steht auf der Kippe

Der Deutsche Fernsehpreis steht auf der Kippe
Keine reine Freude: Ärger um die Zukunft des Deutschen Fernsehpreises trübte die Feier der Zunft in Köln. Demnächst berät die Branche über eine neue Form für die begehrte Auszeichnung.

Oliver Bierhoff, der Teammanager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, hatte sich nach dem 3:0-Sieg gegen die Türkei am Freitag als einziger auf den Weg von Berlin nach Köln gemacht. Dort sollte er am Samstagabend den Deutschen Fernsehpreis annehmen, und zwar den Ehrenpreis der Stifter. Bierhoff bedankte sich artig und sagte, gegen die geballte Kraft von Film und Unterhaltung sei dieser Preis besonders wertvoll. Doch die großen Emotionen blieben aus. Viele Film- und Fernsehschaffende waren missmutig: Nach Fernsehgrößen wie Rudi Carrell oder Götz George in den Vorjahren nun die Nationalmannschaft als Preisträger? Das kann doch nicht sein?

Schauspielerproteste bei Preisverleihung

Der Preis für die Fußballer war nicht der einzige Missklang am Abend der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises in Köln. Die Frage, die sich die Fernsehschaffenden stellen: War dies der letzte Fernsehpreis in der alten Form? Könnte sein, denn die Stifter - das sind die vier großen Sendersysteme ARD, ZDF, ProSiebenSat.1 und RTL - wollen demnächst mit den Kritikern über die Fortsetzung des Fernsehpreises in neuer Form beraten. Es ist möglich, dass das US-Vorbild Emmy in Deutschland Einzug hält. Nicht die Fernsehsender alleine sollen die Preisträger bestimmen, sondern eine Akademie.

Da hätten auch die Schauspieler-, Musiker- und Regieverbände ein Wörtchen mitzureden. Sie werden sich - so ist der letzte Stand - im November mit den Senderchefs treffen, um über neue Wege zu reden. Die Gala am Samstag war daher wohl die letzte in ihrer Form: Denn begleitet von Schauspielerprotesten wurde der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Warum? Weil die Sender die Zahl der Kategorien auf 18 reduziert und dabei unter anderem auf das beste Drehbuch, die beste Kamera und die besten Nebendarsteller verzichtet hatten.

Der Bundesverband der deutschen Film- und Fernsehschauspieler (BFFS) kritisierte, dass diese kreativen Genres nicht mehr vertreten waren. Die Veranstalter argumentierten, dass mit den Hauptpreisen wie bester Film oder Mehrteiler auch alle Teams bepreist würden.

Kriener und Bach bekommen Fernsehpreis

Die großen Gewinner am Samstag hießen Ulrike Kriener und Christoph Bach. Sie erhielten die Auszeichnung als Deutschlands beste Schauspieler. Kriener wurde für ihre Darstellung in der ZDF-Serie "Klimawechsel" geehrt. Ihr Berufskollege Bach bekam die Trophäe - einen Plexiglasobelisken - für seine Rolle als Studentenführer Rudi Dutschke im ZDF-Fernsehspiel "Dutschke".

Der Gala im Coloneum mangelte es dennoch an Glanz, weil große Namen wie Veronica Ferres, Thomas Gottschalk oder Günther Jauch fehlten. Laudator Götz George (der den besten TV-Film ankündigte) wurde bloß in einer Videobotschaft eingeblendet. Die ARD schnitt mit sieben Preisen am besten ab, vor dem ZDF mit vier Auszeichnungen, RTL mit zwei sowie Sat.1, ProSieben, rbb, Arte und Ki.Ka mit je einem Preis. Den Förderpreis bekamen die Schauspielerinnen Michelle Barthel und Carolyn Genzkow für ihren Auftritt im ARD-Film "Keine Angst".

Stefan Raab für besondere Leistung geehrt

Die beste Sportsendung lief mit der "Fußball-WM 2010" bei RTL. Die beste Informationssendung brachte den Kinderkanal Ki.Ka ganz weit nach vorn: "logo! Die Welt und ich" bekam die Auszeichnung. Die beste Dokumentation ("Aghet - Ein Völkermord", ARD) und die beste Reportage ("Somalia - Land ohne Gesetz", ZDF) spielen beide im Ausland. In den weiteren Kategorien war besonders die ARD stark vertreten. Der "Tatort: Weil sie böse sind" bekam den Deutschen Fernsehpreis als bester Fernsehfilm. Auch die Serie "Im Angesicht des Verbrechens", eine ARD-Produktion und mitfinanziert vom Kultursender Arte, wurde ausgezeichnet, und zwar in der Kategorie bester Mehrteiler.

Die beste Serie war bei Sat.1 zu sehen: "Danni Lowinski" mit Annette Frier als Kaufhausjuristin erhielt die Anerkennung. Die beste Show war nach Meinung der Jury "Unser Star für Oslo" (ARD) mit Lenas denkwürdigem Sieg, beste Comedy ist die "heute-show" (ZDF). "Rach, der Restauranttester" und "Rachs Restaurantschule" (RTL) schafften es in der Kategorie bestes Dokutainment. Den Publikumspreis holte die ARD-Soap "Sturm der Liebe". Für seine besondere Leistung in der Unterhaltung wurde ProSieben-Tausendsassa Stefan Raab gewürdigt.

dpa