50.000 Euro für das Türschild von Lehman Brothers

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50.000 Euro für das Türschild von Lehman Brothers
Fast genau zwei Jahre ist es her, dass Fast genau zwei Jahre ist es her, dass die US-Bank Lehman Brothers pleiteging. Die Milliarden-Schulden sind längst nicht bezahlt. Jetzt mussten deshalb sogar Teetassen, Bücher und Türschilder unter den Hammer. Das Auktionshaus Christie's in London versteigerte Kleinigkeiten aus dem Besitz der Bank. 1,6 Millionen Pfund kamen dabei rum.

Wird es künftig den Partykeller eines reichen Bankers zieren? Oder einen ehemaligen Angestellten an sein Schicksal erinnern? Macht jemand es vielleicht zu Kunst? Nur spekulieren kann man, was der anonyme Telefonbieter mit dem Türschild der US- Pleitebank Lehman Brothers vor hat, das er am Mittwoch für 42.050 Pfund (fast 50.000 Euro) ersteigerte. Erwartet worden waren maximal 3.000 Pfund. Was auch immer die Gründe waren, die Auktion von Kunst und Gebrauchsgegenständen der untergegangenen Bank war ein Publikumsrenner für das Auktionshaus Christie's in London. Rund 1.100 Bieter waren im Rennen.

Zwar ging es mit einem endgültigen Erlös von 1,6 Millionen Pfund eher um kleine Fische, doch eben auch um eine "griffige Auktion", wie es eine Christie's-Sprecherin formulierte. Rund 300 Drucke, Bilder, Teetassen, Vasen, Uhren, Möbelstücke, Bücher und andere Objekte aus den Londoner Büros von Lehman Brothers standen zum Bieterwettkampf bereit. "Das ist ein faszinierender Einblick in die Geschichte eines ehemaligen Giganten der Finanzwelt", sagte Benjamin Clark von Christie's.

Lehman hat sich auch bei Kunst verhauen

Goldene Spiegel, dicke Ledereinbände, chinesisches Porzellan - für Schadenfreudige ein Symbole der Dekadenz, die mit zur Bankenkrise beigetragen hat. Für andere eine traurige Erinnerung, dass ein 158 Jahre altes Traditionshaus zusammengebrochen war. Obwohl der Erlös nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, war er für die Insolvenzverwalter von Lehman Brothers nicht zu umgehen.

Seitdem die Bank am 15. September 2008 der Bankenkrise endgültig zum Opfer fiel und dicht machen musste, versuchen sie, die ausstehenden Milliarden-Verpflichtungen zu zahlen. Geld muss her, deshalb gab es schon Auktionen in New York und Philadelphia, teilweise mit Millionenerlösen. Doch die Kritik einiger Experten beim Blick auf die Kunstsammlung, die etwa in New York zur Auktion stand, war vernichtend: Lehman habe sich nicht nur bei den Finanzen, sondern auch bei der Kunst verspekuliert, hieß es in einigen Berichten. Auch in London waren einige Kunstwerke dabei, etwa von Georg Baselitz oder Matthew Ritchie. Die zwei Baselitz-Werke gingen für zusammen rund 4.700 Pfund weg.

Nur ein Tropfen auf dem heißen Stein

"Wir glauben, dass es auf der ganzen Welt viele Menschen gibt, die gerne ein Stück Kunst mit einer Verbindung zu Lehman besitzen würden", sagte Barry Gilbertson von Pricewaterhouse Coopers LLP, die die Abwicklung der Bank regeln. Insgesamt war die Versteigerung in London auf einen Wert von zwei Millionen Pfund geschätzt worden. Am Ende kamen aber lediglich 1,6 Millionen Pfund zusammen - eine verschwindend geringe Summe im Vergleich zu den Milliardenschulden, die es zu begleichen gilt. 

Besonders gut liefen die Pracht- und Erinnerungsstücke. So wie bei einer der vielen aufwendig verzierten Teekisten aus dem 19. Jahrhundert, die statt für 800 Pfund für 2.375 Pfund wegging. Auch ein goldener Spiegel erzielte mit 2.250 Pfund fast das Doppelte seines Schätzwertes - ob er künftig in einem Büro hängt, und die Banker sich darin buchstäblich selber ins Gesicht schauen können, war allerdings auch Spekulation.

dpa