Der "brillante Genosse": Kim Jong Un, Nordkoreas kommender Machthaber

Der "brillante Genosse": Kim Jong Un, Nordkoreas kommender Machthaber
Er soll Computerfreak sein, Basketballfan und das Ebenbild seines Vaters: Kim Jong Un gilt als kommender Machthaber von Nordkorea. Er ist der dritte Sohn des kommunistischen Staats- und Parteichefs Kim Jong Il, der 68 Jahre alt und gesundheitlich angeschlagen ist.

Am Montag wurde Kim Jong Un auf einer Tagung des Zentralkomitees der Arbeiterpartei zum Vier-Sterne-General befördert. Das könnte ein Schritt sein, ihn als Nachfolger für die Staats- und Parteispitze aufzubauen. Doch wann und wie, ist völlig unklar. Die Spekulationen blühen. Nordkorea ist eine extrem abgeschottete Diktatur.

Über das Leben und die Persönlichkeit von Kim Jong Un gibt es wenig sichere Informationen. Zwei Fotos kursieren, das neuere zeigt einen pausbäckigen, leicht lachenden Teenager in einem schwarzen Rollkragenpulli. Es soll während seiner Internatszeit in Bern aufgenommen worden sein.

Auch sein Geburtsdatum ist nicht bekannt. Kim Jong Un soll 1983 oder Anfang 1984 zur Welt gekommen sein. Seine Mutter Ko Jong Hui, eine in Japan geborene Koreanerin, war Kim Jong Ils dritte Frau. Sie starb 2004 an Krebs. Ehemalige Mitschüler aus der Schweizer Zeit berichten von Kim Jong Uns Leidenschaft für japanische Comics und Basketball. Nach seiner Rückkehr 1998 nach Nordkorea studierte er Militärwissenschaften an der Armeehochschule der Hauptstadt Pjöngjang.

Aufgaben in der Partei

Kim Jong Un wurde offenbar auserwählt, das politische Erbe seines Vaters anzutreten, weil seine zwei älteren Brüder in Ungnade fielen. Der älteste Sohn, Kim Jong Nam, hatte versucht, mit einem gefälschten Pass nach Japan zu reisen. Der zweitälteste, Kim Jong Chol, soll angeblich zu wenig Härte zeigen. Kim Jong Il war einst selbst in die Fußstapfen seines Vaters getreten. Er war bereits 1980, 14 Jahre vor seiner Machtübernahme, öffentlich in hohe Parteiämter eingeführt und langsam aufgebaut worden.

Laut Berichten von südkoreanischen Medien und nordkoreanischen Flüchtlingen wurden 2006 erstmals Bilder von Kim Jong Un unter führenden Kadern verteilt worden. In den folgenden Jahren übernahm er offenbar Aufgaben im Organisationskomitee der Partei, das zuständig ist für die Überwachung der Funktionäre.

Im vergangenen Jahr soll der Staatschef seinen Sohn Kim Jong Un offiziell als Nachfolger bezeichnet haben - was aber nie öffentlich bestätigt wurde. Der Vater habe zudem Gedichte und ein Lied, in dem die jugendliche Vitalität und das Wissen dieses Sohnes gelobt wurde, unter das Volk bringen lassen, heißt es.

Diabetes und Herzschwäche wie der Vater

Experten glauben, dass Kim Jong Un bereits inoffiziell in das mächtigste Staatsgremium, die nationale Verteidigungskommission, eingeführt wurde. Als sein Mentor gilt sein Onkel Jang Song Taek, der seit 2009 Vize-Vorsitzender der Verteidigungskommission ist.

Kim Jong Un gleiche von allen drei Söhnen in Charakter und Statur seinem Vater am meisten, schreibt der Japaner Kenji Fujimoto in seinem Buch "Ich war Kim Jong Ils Chefkoch". Angeblich leidet er auch an den Krankheiten seines Vaters: Diabetes und Herzschwäche.

Dass der als "brillanter Genosse" und "junger Kapitän Kim" bezeichnete Kim Jong Un direkt und in nächster Zeit als Staatschef in die Fußstapfen seines Vaters tritt, glaubt kaum jemand. Dazu fehlt ihm die politische und militärische Erfahrung. Auch hat er wohl nicht die Unterstützung aller Spitzenkader.

Wenn er den Weg seines Vaters gehen wollte, müsste Kim Jong Un zunächst in das Zentralkomitee der Partei gewählt werden und sich dann nach oben arbeiten. Aber so viel Zeit bleibt dem kranken Vater womöglich nicht mehr. Daher könnte es sein, dass Kim Jong Un unter der Führung seines Mentors Jang die Geschicke des 23-Millionen-Volkes mitbestimmen wird.

epd