25 Jahre Schengen: Europa ohne Grenzen

25 Jahre Schengen: Europa ohne Grenzen
Im luxemburgischen Schengen haben Hunderte Gäste am Sonntag bei einem Festakt die ersten 25 Jahre eines Europas ohne Grenzen gefeiert. Rund 300 Gäste aus verschiedenen EU-Ländern waren in den kleinen Moselort gekommen, in dem am 14. Juni 1985 Deutschland, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande den schrittweisen Abbau der Grenzkontrollen vereinbarten.

"Vor 25 Jahren ist in Schengen ein wichtiges Kapitel europäischer Geschichte geschrieben worden", sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn. Der Anfang vom Ende der Schlagbäume war der Beginn der Reisefreiheit.

"Es ist der wichtigste Geburtstag für die Bürger in Europa", sagte EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek. Auch wenn es in der EU immer wieder Krisen gebe - die Bürger dürften in der Politik nicht aus dem Blick geraten. "Wir haben die EU geschaffen, jetzt müssen wir Europäer schaffen", sagte er. Heute gehören 25 Länder mit rund 400 Millionen Menschen zum Schengen-Raum.

Solidarität und Vertrauen

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso fügte hinzu: "Schengen ist ein gutes praktisches Beispiel, wie Europa funktioniert." Ohne Solidarität und gegenseitiges Vertrauen hätte es das Übereinkommen nie gegeben. "Wir sollten uns am Geist Schengens inspirieren" und die Solidarität erneuern, sagte er. "Nur, wenn wir zusammenhalten, können wir die Herausforderungen meistern."

Bei der Feier wurde auch das neue "Europäische Museum Schengen" mit einer 200 Quadratmeter großen Ausstellung eröffnet. "Es ist das erste Museum, das eine der großen Errungenschaften beim Bau Europas zum Thema macht", sagte Asselborn. Schengen sei in den vergangenen Jahren zu einem "wahren historischen Ort" geworden, der unzählige Touristen aus aller Welt anziehe.

Europa der kleinen Bürger

"Schengen wird heute so stark gefeiert, weil es das erste Mal war, dass sich die große Politik für das Europa der kleinen Bürger interessiert hat", sagte der damalige Unterzeichner für Luxemburg und heutige Europa-Abgeordnete Robert Goebbels. Man habe damals aber "nie gedacht, dass aus dem Schengener Vertrag ein so großes Ding wird".

Das inzwischen rund um den Globus bekannte 500-Einwohner-Dorf wurde damals für die Vertragsunterzeichnung ausgewählt, weil es im Dreiländereck liegt, wo Luxemburg, Deutschland und Frankreich aufeinanderstoßen. An Bord des Fahrgastschiffes "Princesse Marie-Astrid", das nur wenige Meter vom Festzelt vor Anker ging, hatten Staatssekretäre die historische Unterschrift geleistet.

Ein starkes Symbol

Robert Goebbels erzählte: "Vor der Unterzeichnung habe ich eine kleine Rede gehalten, die ich mit den Worten schloss: "Das, was wir nun unterschreiben werden, wird als Vertrag von Schengen in die Geschichte eingehen"." Daraufhin hätten alle an Bord gelacht - er sei aber froh, dass er recht behalten habe. "Schengen bleibt ein starkes Symbol. Schengen, das ist Europa im Dienste der Bürger."

dpa