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Meilensteine der Projektarbeit - 60 Jahre Brot für die Welt

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Meilensteine der Projektarbeit - 60 Jahre Brot für die Welt
26.11.2018
evangelisch.de, Brot für die Welt
In Hongkong wird Essen an eine Mutter mit Kind verteilt.

© Brot für die Welt

In Hongkong wird Essen an eine Mutter mit Kind verteilt.

© Brot für die Welt

<p>"Menschen hungern nach Brot! Von den 2,85 Milliarden Erdbewohnern sind 56 Prozent unzureichend ernährt. (…) Wer darüber hinwegzusehen versucht, versündigt sich", heißt es 1959 im ersten Spendenaufruf von <a href="https://www.brot-fuer-die-welt.de/spenden/?gclid=EAIaIQobChMI8P_D8Jrq3gIVSrTtCh0wJQ2xEAAYASAAEgK76PD_BwE">Brot für die Welt</a>. Er bringt völlig unerwartet 19 Millionen Mark ein.</p>
Das Geld fließt in erster Linie in die Speisung von Hungernden, zum Beispiel in Hongkong. Dort verteilt der <a href="https://de.lutheranworld.org/">Lutherische Weltbund</a> Nahrungsmittel an bedürftige Familien. Allein in dieser Stadt leben 60.000 Menschen am unteren Rand der Existenz. Durch die vereinten Kräfte des Lutherischen Weltbundes und Brot für die Welt bekommen nun 14.000 Kinder täglich etwas zu essen, 600 Familien können regelmäßig Nahrungsmittelhilfen erhalten.
<p>Das hohe Spendenergebnis und die zahlreichen Hilfegesuche aus aller Welt führen zu dem Entschluss, aus der Aktion Brot für die Welt eine dauerhafte Einrichtung zu machen.</p>

Ein indisches Kind sitzt auf der Erde vor einem Teller mit Essen.

© Brot für die Welt

1966 wird Indien von einer schlimmen Dürre heimgesucht. Hunderttausenden von Menschen droht der Hungertod. Brot für die Welt beschließt, bis zur nächsten Ernte täglich 355.000 Schulkinder mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen. Mit dem Projekt stößt die Organisation in neue Dimensionen vor. Es wird deutlich, dass Hilfe in diesem Umfang nur zusammen mit Partnern vor Ort geleistet werden kann.

Trümmer nach der Katastrophenflut in Bangladesh

© Henk Zomer/Brot für die Welt

Text auf Rückseite vom original Fotoabzug:
Bangladesh Foto: 1987
Katastrophen-Flut
<p>Ausgelöst durch die Proteste der Studentenbewegung kommt es Ende der 1960er Jahre zu einem Wandel im Selbstverständnis von Brot für die Welt: Statt Mitleid steht nun die Solidarität mit den Armen im Vordergrund. Hilfsprojekte sollen nicht mehr nur kurzfristig Not bekämpfen, sondern die Menschen stark machen und darin unterstützen, für ihre Recht einzutreten.</p>
<p>Anfang der 1970er Jahre startet Brot für die Welt auch umfassende Dorfentwicklungsprogramme, an deren Planung und Durchführung auch die lokale Bevölkerung beteiligt ist, zum Beispiel in Bangladesch. Mit der 1973 gegründeten Partnerorganisation
<a href="https://www.ccdbbd.org/">Christian Commission for Development in Bangladesch (CCDB)</a> <a href="https://www.evangelisch.de/inhalte/153370/15-11-2018/partnerorganisation-von-brot-fuer-die-welt-christliche-kommission-fuer-entwicklung-bangladesch">arbeitet das Hilfswerk bis heute zusammen</a>.</p>

GEPA-Produkte aus Schokolade.

© Hardy Zürn/Brot für die Welt

<p>Gleichzeitig gewinnt in Deutschland die Öffentlichkeitsarbeit an Bedeutung. Die Kernbotschaft lautet: Die Ordnung der Welt ist ungerecht und wir sind ein Teil dieser Ungerechtigkeit. Große Kampagnen machen darauf aufmerksam. Sie wenden sich unter anderem gegen die hohen Zollsätze für Rohrzucker aus Entwicklungsländern. Mit Unterstützung von Brot für die Welt <a href="https://www.evangelisch.de/inhalte/131204/18-02-2016/geschichte-des-weltladens">eröffnet 1973 in Stuttgart der erste Weltladen</a>. Hier werden nur fair gehandelte Produkte verkauft. Zwei Jahre später gründet Brot für die Welt zusammen mit MISEREOR und anderen kirchlichen Partnern die <a href="https://www.evangelisch.de/inhalte/99969/14-05-2010/35-jahre-gepa-viele-forderungen-noch-heute-aktuell">Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt, kurz GEPA</a>. Sie ist heute das größte Fairhandelsunternehmen Europas.

Eine mit Solarenergie betriebene Destillierungsanlage in Tilonia, Rajasthan.

© Jahre Brot für die Welt

<p>Die Studie "Grenzen des Wachstums" des Club of Rome zeigt die Grenzen der ökologischen Belastbarkeit unseres Planeten auf. Auch die 5. Vollversammlung des Weltrats der Kirchen in Nairobi richtet den Blick auf die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen und forderte die Mitgliedskirchen dazu auf, sich für eine gerechte und nachhaltige Gesellschaft einzusetzen.</p>
<p>Brot für die Welt startet 1978 die "Aktion e". Unter dem Slogan "einfacher leben – einfach überleben – Leben entdecken" fordert sie einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Zahlreiche Gemeinden verpflichten sich dazu, weniger zu konsumieren und wegzuwerfen, Abfall zu sortieren und sparsam zu heizen. In seiner weltweiten Programmarbeit fördert Brot für die Welt im Rahmen der "Aktion e" Modellprojekte der alternativen Energiegewinnung wie Wind- und Wasserkraft, Solarenergie und Biogasanlagen. Dazu gehört auch die mit Solarenergie betriebene Destillierungsanlage in Tilonia, Rajasthan.</p>

Bilder der ermordeten oder vermissten Opfer der Militärdiktatur in El Salvador.

© Peter Williams / Brot für die Welt

<p>In Lateinamerika kommt es in den 1970er Jahren zu mehreren Putschen, unter anderem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Putsch_in_Chile_1973">1973 in Chile</a>, <a href="http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/223408/militaerdiktatur-in-argentinien">
1976 in Argentinien</a> und
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Junta_Revolucionaria_de_Gobierno">1979 in El Salvador</a>. Sie führen zu blutigen Militärdiktataturen, in denen Zehntausende Menschen verfolgt und vertrieben, gefoltert und ermordet werden.</p>
Zu den Opfern zählten auch Partner von Brot für die Welt. Das Hilfswerk richtete daher ein Menschenrechtsreferat ein, zu dessen Aufgaben die finanzielle und moralische Unterstützung sowie der Schutz von Menschenrechtsverteidigern gehört. Bis heute zählt die Menschenrechtsarbeit zu den wichtigsten Tätigkeitsfeldern von Brot für die Welt.

Im Sudan werden Flüchtlinge aus Tigray geimpft.

© Marc Vanappelghem / Brot für die Welt

Mitte der 1980er Jahre bedroht eine lang anhaltende Dürreperiode das Leben von 150 Millionen Menschen in der Sahelzone. Allabendlich sind Bilder von Kindern mit aufgeblähten Bäuchen in den Fernsehnachrichten zu sehen. Zusammen mit der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Evangelischer_Entwicklungsdienst">Evangelischen Zentralstelle für Entwicklungshilfe (EZE)</a> legt Brot für die Welt ein "Sonderprogramm Afrika" auf. Es beinhaltet keine Sach- oder Materialhilfe, sondern "Investitionen in die Menschen". Im Vordergrund steht die Verbreitung von vor Ort vorhandenem Wissen über standortgerechte, nachhaltige Anbaumethoden. Dazu unterstützt Brot für die Welt die Vernetzung seiner Partnerorganisationen.

Teppichknüpferinnen und Frauenprojekte werden gefördert

© Bettina Flitner / Brot für die/Bettina Flitner / Brot für die

<p>Die Stärkung von Frauen ("Empowerment") wird in den 1990er Jahren zum roten Faden der Arbeit von Brot für die Welt. Die Geschlechtergerechtigkeit wird zu einer Querschnittsaufgabe. Das Hilfswerk unterstützt Projekte, die Frauen gezielt fördern und sie befähigen, ihre Rechte einzufordern; aber auch solche, in denen Männer lernen, traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen.</p>
Auf Initiative seines <a href="http://www.bba.org.in/">indischen Projektpartners Bachpan Bachao Andolan (BBA)</a>, dessen Leiter <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kailash_Satyarthi">Kailash Satyarthi</a> 2014 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird, startet Brot für die Welt zusammen mit
<a href="https://www.misereor.de/">Misereor</a>, <a href="https://www.tdh.de/">terre des hommes</a> und
<a href="https://www.unicef.de/">Unicef</a> eine Kampagne gegen Kinderarbeit in der Teppichindustrie. Teppiche, die garantiert nicht von Kindern geknüpft wurden, erhalten das
<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rugmark">Rugmark-Siegel</a>. Die Kampagne wird ein großer Erfolg und sorgt dafür, dass die Zahl der Kinder in indischen Teppichmanufakturen deutlich zurückgeht.

Dorfbewohnerin an ihrem Wasserhahn bzw. Wasserstelle.

© Jörg Böthling / Brot für die Welt

"MenschenRechtWasser" lautet der Titel einer Kampagne von Brot für die Welt, mit der das Hilfswerk darauf aufmerksam macht, dass über eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Die Kampagne wendet sich insbesondere gegen die Privatisierung der Wasserversorgung, da sie die Wassernot in vielen Ländern der Welt noch verschärft. Viele Partnerorganisationen von Brot für die Welt sorgen dafür, dass auch Menschen in entlegenen Gebieten mit sauberem Wasser versorgt werden, zum Beispiel die <a href="https://cdea-laos.weebly.com/">Community Development and Environment Association (CDEA)</a> in Laos. Dort haben zum Beispiel in der Provinz Oudomxay im Norden des Landes viele Familien nur eingeschränkten Zugang zu sauberem Wasser. Meist nutzen sie verunreinigtes Brunnen- bzw. Flusswasser; Durchfälle und andere Krankheiten sind die Folge. CDEA hilft in drei Dörfern bei der Installation von Wasserversorgungssystemen und schult die Bewohner in ihrer Handhabung und Wartung.

Der Kazike (Cacique), d.h. Vertreter der Wichi-Gemeinde San José, Pedro Segundo, 60 Jahre, blickt traurig über die Wüste hinter dem Zaun.

© Florian Kopp / Brot für die Wel

Die Kampagne "Niemand is(s)t für sich allein" informiert über die Zusammenhänge zwischen Hunger und Armut, unserem Konsummodell und den Spielregeln des Welthandels. Ein wichtiges Thema ist das "Landgrabbing". In vielen Entwicklungsländern vertreiben Investoren Kleinbauernfamilien und Indigene von ihrem Land, um dort Futtermittel und Agrotreibstoffe für die Industrienationen zu produzieren. Partner von Brot für die Welt stehen den Betroffenen bei.
<p>Im argentinischen Chaco zum Beispiel unterstützt die Organisation <a href="https://www.brot-fuer-die-welt.de/fileadmin/mediapool/2_Downloads/Projekte/Argentinien/projektinformationen_ASOCIANA.pdf">ASOCIANA</a> Indigene, denen ihr Land streitig gemacht wird. Mit schweren Maschinen und gezielt gelegten Bränden wird der Wald gerodet und Platz für Monokulturen wie Soja, Zuckerrohr und die ölhaltige Färberdistel geschaffen, die als Exportgüter vor allem nach China, aber auch nach Europa gelangen. Mit Hilfe moderner Geoinformationssysteme und engagierter Lobbyarbeit verhilft ASOCIANA den Indigenen zu ihrem Recht.

Klimaflüchtlinge im Distrikt Shyamnagar in Süd-Bangladesh, wo der Zyklon Aila starke Verwüstungen verursacht hat, haben sich auf höhergelegenen Stellen niedergelassen.

© Frank Schultze / Diakonie Katastrophenhilfe / Brot für die Welt

Die Weltklimakonferenz in Paris beschließt 2015, die Erderwärmung zu begrenzen und die Entwicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel finanziell zu unterstützen. Dieser Erfolg ist auch auf die engagierte Lobbyarbeit von Brot für die Welt und seiner Partnerorganisationen zurückzuführen, die seit Jahren darauf aufmerksam machen, dass unter den Folgen der globalen Erderwärmung vor allem die Menschen in den Ländern des Südens zu leiden haben. Eine Vorreiterrolle nimmt dabei die Organisation Christian Commission for Development in Bangladesh (CCDB) ein. Bangladesch ist wie kaum ein anderes Land auf der Welt vom Klimawandel betroffen.

Die Hungernden zu speisen - damit fing alles an. Doch aus Mitleid wurden schon bald Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe mit starken Partnern vor Ort. "Brot für die Welt" hat mit seinem Projekten weltweit viel bewegt - zum Beispiel in Bangladesh und Indien, in Chile und im Sudan.