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Saadons Weg

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Saadons Weg
Junger Mann vor Häusern

Foto: Marcus Wiechmann

Junger Mann vor Häusern

Foto: Marcus Wiechmann

Saadon Dawod ist einer von den 400.000 Jesiden, die am 3. August 2014 vor dem sogenannten Islamischen Staat (IS) aus Shingal im Nord-Irak flüchteten, weil die Terroristen die Stadt angriffen. Lediglich wegen ihrer Glaubensinhalte und -rituale wurden die Jesiden von den islamistischen Extremisten verfolgt, die diese ethno-religiöse Gemeinschaft
als Teufelsanbeter ansehen.

Junge Leute auf Sand vor Abendhimmel

Foto: Marcus Wiechmann

Seit November 2014 leben 16.462 Binnenvertriebene auf 0,56 km² im offiziellen Lager für Flüchtlinge aus Shingal - auch Saadon und seine Familie. Das Lager befindet sich neben dem Dorf Sharya, einer kleinen Ortschaft unweit der Großstadt Dohuk im Nord-Irak.

Junge Männer sitzen draußen um Wasserpfeife

Foto: Marcus Wiechmann

Saadon verbringt viel Zeit mit seinen Freunden und am liebsten rauchen sie dann zusammen Wasserpfeife. Seine Freunde kommen auch alle aus der Region Shingal, aber sie haben sich erst im Flüchtlingslager in Sharya kennengelernt. Gemeinsam gründeten sie die Nichtregierungsorganisation "The Smile".

Junger Mann spielt Saz

Foto: Marcus Wiechmann

Saadon macht in seiner Freizeit gerne Musik, besitzt aber selbst kein Instrument und benutzt deshalb die Saz-Gitarre seines Vaters. Zwei seiner Brüder schauen ihm dabei zu. Für sie ist er ein Vorbild, zu dem sie aufschauen.

Große Gruppe von Kindern beim Musikunterricht

Foto: Marcus Wiechmann

In seiner Freizeit gibt Saadon mit seiner Gruppe "The Smile" ehrenamtlich Musikstunden für Kinder. Er hat mittlerweile auch die Möglichkeit, auf anderen Instrumenten, die der Gruppe gespendet wurden, zu spielen. Die meisten Kinder haben keinen regulären Schulunterricht oder eine andere Betreuung, seit sie im Flüchtlingslager in Sharya leben. Deshalb betreiben einige junge Jesiden wie Sadoon NGOs, um die jüngeren Kinder zu unterstützen. Dabei sind sie eigentlich selbst noch Kinder oder Heranwachsende, die in ihrer aktuellen Lebenssituation mit vielen Problemen konfrontiert werden.

Junge Männer mit großen Paketen

Foto: Marcus Wiechmann

Auch bei der Verteilung von Hilfsgütern wie hier vom Zentralrat der Jesiden in Deutschland helfen Saadon (Mitte vorne) und seine Freunde mit.

Junge Männer vor einer kleinen Tür

Foto: Marcus Wiechmann

Saadon besucht den Tempel in Sherfedin zusammen mit einigen Freunden. Bevor man in diesen eintritt, werden die Außenwände geküsst. Der Tempel befindet sich auf der Nordseite des Shingal-Bergs und ist für die Jesiden einer der wichtigsten Wallfahrtsorte.

Junger mann steht hinter Steinblock

Foto: Marcus Wiechmann

Bei Besuchen in jesidischen Tempeln werden verschiedene religiöse Riten praktiziert oder Bittgespräche gesprochen. Im Hintergrund hängen Stoffe in sieben Farben an den Wänden, die die sieben heiligen Erzengel im Jesidentum repräsentieren und die in allen Tempeln zu finden sind. Die Besucher machen Knoten in diese Stoffe und wünschen sich etwas dabei. Der Knoten symbolisiert den Wunsch. Der geht in Erfüllung, sobald er von jemand anderem gelöst wird. Das Jesidentum ist circa 4000 Jahre alt und hat viele Riten mit anderen Religionen, wie etwa mit dem Zoroastrismus, dem Christentum oder dem Islam, gemeinsam.

Zwei junge Männer auf einer Straße im Abendlicht

Foto: Marcus Wiechmann

Mit seinem besten Freund Najiman ist Saadon auf dem Weg zu dem Haus, in dem seine Familie lebte, bevor sie fliehen musste. Das Dorf Dugure ist heute fast vollständig verlassen.

Flaches kleines Haus mit Veranda

Foto: Marcus Wiechmann

Saadon macht ein paar Erinnerungsfotos mit seinem Mobiltelefon von dem alten Haus seiner Familie, bevor er wieder geht. Genau gegenüber von ihrem Haus hatte der Vater sein eigenes Fotostudio.

Rasieruntensilien und Wssereimer

Foto: Marcus Wiechmann

Im Flüchtlingslager in Sharya gibt es zwar sanitäre Anlagen, doch oftmals sind diese entweder kaputt oder unhygienisch, weil sie von sehr vielen Menschen genutzt und nur unregelmäßig gewartet oder gereinigt werden.

Junger Mann sitzt im Zelt unter einer Wäscheleine

Foto: Marcus Wiechmann

Saadon konnte eine lokale Schule in Sharya besuchen und dort auch seinen Schulabschlus machen. Anschließend begann er, Pharmakologie an der Universität Dohuk zu studieren, obwohl er lieber Musiker geworden wäre. Das aber lehnten seine Eltern ab - wegen mangelnder Zukunftsperspektiven. Um ihm das Studium zu ermöglichen, verkauften sie ihr Auto. Im 2. Quartal 2018 beendete er erfolgreich sein Studium und will nun nach Shingal zurückkehren, um dort im Krankenhaus in Sinune zu arbeiten.

Saadon Dawod lebt mit seiner Familie im Flüchtlingslager in Sharya. Er ist einer von rund 400.000 Jesiden, die am 3. August 2014 vor dem sogenannten Islamischen Staat (IS) aus Shingal im Nord-Irak flüchteten. Schon im November 2015 wurde die Stadt von verbündeten kurdischen Einheiten befreit. Auch die restlichen Gebiete, in denen sich der IS danach verschanzt hatte, wurden in der ersten Jahreshälfte 2017 von irakischen Milizen zurückerobert. Wann Saadons Familie aber wieder in ihre Heimat zurückkehren kann, bleibt ungewiss: Wegen diverser politischer Machtkämpfe zwischen Milizen mit unterschiedlichen Ideologien oder territorialer Hegemoniekämpfe zwischen der Autonomieregierung Kurdistans und der irakischen Zentralregierung aufgrund von Gebietsansprüchen in Shingal, ist die Lage sehr instabil. Eine Rückkehr wäre für die Jesiden aufgrunddessen einfach zu gefährlich. Aber Saadon geht trotzdem seinen Weg - und hilft dabei noch anderen. Der Fotograf Marcus Wiechmann lernte Saadon im November 2015 kennen und hält seitdem den Kontakt.

Marcus Wiechmann (Fotos)