Wo ein Wille ist, ist (hoffentlich) auch ein Gimpel

Wo ein Wille ist, ist (hoffentlich) auch ein Gimpel

Man braucht Ziele im Leben. Dabei muss es nicht immer der Klassiker „Haus bauen – Sohn zeugen – Baum planzen“ sein. Mir zum Beispiel würde es fürs Erste schon reichen, wenn ich in diesem Winter einen Dompfaff, auch Gimpel genannt, in unseren Garten locken könnte.

Amseln, Drosseln, Stare, Ringel- und Türkentauben, Distel-, Grün- und Buchfinken, Kohl-, Blau-, Tannen- und Schwanzmeisen haben wir schon, ab und an schauen auch ein Rotkehlchen und ein Zaunkönig vorbei. Doch auf Dompfaffen haben wir bisher vergeblich gewartet. Die hübschen Finken mit ihrer gedrungenen Statur, der schwarzen Kappe (die ihnen ihren Namen Dompfaff gab) und der auffallend roten Brustfärbung (jedenfalls bei den männlichen Vögeln) sind nämlich recht scheu und gar nicht so leicht dazu zu bewegen, sich in der Nähe von Menschen aufzuhalten.

Wenn überhaupt, besteht darauf nur im Winter Hoffnung. Erst wenn die Nahrungsvorräte in freier Wildbahn knapp werden, kommen bullfinches, wie sie auf Englisch heißen, auch in Gärten. Allerdings meist nicht, um sich an Futterstellen gütlich zu tun, sondern an den Samen, Beeren und Knospen, die auch in der kalten Jahreszeit noch zu finden sind. Vorausgesetzt, die Gartenbesitzer haben nicht alle Stauden, Gräser und Blühpflanzen heruntergeschnitten, sondern lassen sie einfach den Winter über stehen.

Dafür ist bei uns gesorgt – da abgestorbene Blätter und Stängel auch für Insekten ein gutes Winterquartier abgeben, warten wir bis zum Frühjahr mit dem Aufräumen. Nadelgehölze und Hecken, die Gimpel als Lebensraum bevorzugen, haben wir zwar nicht anzubieten, aber dafür unsere beiden Apfelbäume. Deren Knospen lieben die Vögel, weshalb sie lange Zeit vor allem bei Obstbauern nicht sehr wohlgelitten waren. Handwerker mochten sie dafür umso mehr, jedenfalls im 19. Jahrhundert: Sie hielten sie in Käfigen in ihren Stuben, brachten den gelehrigen Vögeln bei, Lieder zu pfeifen und verkauften sie dann. Marktführer in diesem Exportgeschäft, das bis in die USA reichte, waren die Briten, gefolgt von den Deutschen.

Für die bei Wikipedia aufgestellte Behauptung, dass Dompfaffen ein häufiges „schmückendes Hintergrundmotiv auf alten Darstellungen des Garten Eden“ sein, konnte ich bei einer Schnellrecherche allerdings keine Beweise finden. Aber auf einem Bild von 1350 sitzt ein Dompfaff im Baum, zusammen mit einem Distelfinken. So wie hoffentlich bald auch in unserem privaten kleinen Gartenparadies.

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