Bruder Paulus und die Spiritualität am Straßenschild

Bruder Paulus und die Spiritualität am Straßenschild

Mit richtigen Popstars ist die katholische Kirche nicht eben reich gesegnet. Einer von ihnen ist Bruder Paulus Terwitte. Das merkt man, wenn man dem ebenso umtriebigen wie liebenswerten Ordensmann mitten in Mannheim begegnet. Jede halbe Minute kommt jemand auf den groß gewachsenen Fernsehstar zu, spricht ihn an, lässt sich mit ihm fotografieren. Großes Hallo. Terwitte genießt das, er ist ein wahrhaft offener und öffentlicher Mensch, aber er weiß zugleich zu vermitteln, dass es nicht um ihn als Person geht, sondern um den Glauben.

Sagen Sie jetzt nichts! Die Spiritualität von Bruder Paulus Terwitte.

Und vom Glauben versteht Bruder Paulus jede Menge. So stark er dort verwurzelt ist, so stark sind seine Ansichten. Er muss nur fünf Minuten sprechen, es ist eine zufällige Begegnung am Bürgersteig, und man hat den Eindruck, noch nie jemanden so begeistert, tiefgründig und mitreißend über seine Gottesbeziehung und Christlichkeit sprechen gehört zu haben. Man bleibt ganz benommen zurück, während der Kapuzinerpater einfach weitergeht, sich treiben lässt von der Katholikentagsmenge, lächelt, plaudert, sich ablichten lässt.

Unser Thema war die Spiritualität. Ich wollte von ihm wissen, was evangelische Christen von der katholischen Spiritualität lernen können. (Ich recherchiere gerade für einen Artikel darüber.) Bruder Paulus nennt das tägliche Gebet eine Form von Klarheit und Verbindlichkeit. Diese Verbindlichkeit, das könnten Protestanten lernen, sei "keineswegs des Teufels". Unmöglich sei es hingegen, einem Atheisten das Wesen der Spiritualität zu erklären. "Denn der denkt biochemisch und fragt nur nach der Nützlichkeit." Nützlichkeit aber sei der größte Feind der Spiritualität.

Der paulinische Crashkurs in katholischer Glaubenslehre ging aber weit über das Geistliche hinaus. Der TV-Mönch nimmt sich auch ökumenisch kein Blatt vor den Mund, kritisiert den evangelischen Hang zur "Wohlfühlreligion" und sagt glasklar: "Ihr seid keine Kirche und wollt es auch gar nicht sein." In Sachen wiederverheiratete Geschiedene hat Bruder Paulus andere Ansichten als manch progressiver Oberhirte, und er fügt entschieden hinzu: "So lange die Protestanten nicht jede Woche das Abendmahl feiern, braucht man mit ihnen nicht über ein gemeinsames Abendmahl zu sprechen." Eine katholisch klare Ansage.

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