TV-Tipp: "Tiroler Blut: Der erste Schuss"

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8. Oktober, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Tiroler Blut: Der erste Schuss"
Matthias Tiefenbacher, als Regisseur donnerstags im "Ersten" regelmäßig zugange ("Tel-Aviv-Krimi", "Usedom-Krimi", "Irland-Krimi"), hat den Film weitgehend im Walzertempo inszeniert. Auch sonst unterscheidet sich die Koproduktion von ARD und ORF nicht sonderlich von sonstigen Krimis.

Menschen mit Tanzschulerfahrung erinnern sich: "Wiener Blut" ist ein Walzer aus der gleichnamigen Operette von Johann Strauß. Der Titel bezieht sich auf das Temperament der Männer und Frauen, die sich in der Handlung ihren Trieben hingeben: "Wiener Blut! Eig'ner Saft, voller Kraft, voller Glut." Ein bisschen von diesem Temperament hätte auch dem Auftaktfilm zur neuen ARD-Reihe "Tiroler Blut" gut getan.

"Der erste Schuss" beginnt zwar mit halsbrecherischen Fahrradsprüngen, doch damit ist bereits sämtliche Dynamik aufgebraucht: Matthias Tiefenbacher, als Regisseur donnerstags im "Ersten" regelmäßig zugange ("Tel-Aviv-Krimi", "Usedom-Krimi", "Irland-Krimi"), hat den Film weitgehend im Walzertempo inszeniert. Auch sonst unterscheidet sich die Koproduktion von ARD und ORF nicht sonderlich von sonstigen Krimis. Das gilt nicht zuletzt für die familiäre Konstellation: Im Mittelpunkt stehen drei Generationen, die alle im Polizeidienst tätig sind oder waren.

Für Tiefenbacher ist das nichts Neues: Er hat fürs ZDF die leider nur vier Teile umfassende Krimireihe "Schwarzach 23" gedreht (2015 bis 2020). Von deren kühnem und äußerst unterhaltsamem Ansatz, allerlei Genres zu bayerischen Western zu vermischen, ist "Tiroler Blut" allerdings weit entfernt, selbst wenn nicht nur der Regisseur, sondern auch der Autor der gleiche ist.

Im Auftaktfilm lässt Grimme-Preisträger Christian Jeltsch seine Heldin in eigener Sache ermitteln. Hauptfigur ist zunächst jedoch der Sohn von Fanny Gruber (Ursula Strauss): Der junge Innsbrucker Polizist wird vom Vorgesetzten gemeinsam mit einer Kollegin zum ersten Einsatz geschickt. Reine Routine, wie es scheint, aber die angezeigte Ruhestörung entpuppt sich als Fall von häuslicher Gewalt: Nadine Prantl (Marlene Hauser) hat sich zusammen mit der kleinen Tochter vor ihrem Gatten (Dominic Marcus Singer) ins Bad gerettet.

Tobi Gruber (Noah L. Perktold) bringt die beiden in Sicherheit, geht aber noch mal ins Haus, weil er glaubt, dass sich Prantl was antun will. Die Ereignisse eskalieren, als auch Nadine schreiend zurückkehrt. Was nun passiert, trägt sich außerhalb des Bildes zu: Prantl hat offenbar seinen aggressiven Hund auf Tobi gehetzt, der hat geschossen. Der Hund ist tot, Prantl ist lebensgefährlich verletzt, und weil dessen Frau aussagt, der Polizist habe auf ihren Mann gezielt, muss er sich den Fragen der internen Ermittlung stellen.

Interessant ist "Der erste Schuss" vor allem wegen der Schuldfrage, und das gilt nicht nur für den tatsächlichen Ablauf der Ereignisse: Tödliche Schüsse, in der Realität äußerst selten, werden in Krimis viel zu oft als handelsüblich dargestellt; Tobi jedoch leidet offenkundig an einem Posttraumatischen Belastungssyndrom.

Der Fall macht ihm derart zu schaffen, dass er schließlich selbst nicht mehr weiß, wie die Dinge wirklich abgelaufen sind. Sein pensionierter Großvater (Sven-Eric Bechtolf) ist überzeugt, er habe alles richtig gemacht, aber wenn Nadine Prantl bei ihrer Aussage bleibt, ist Tobis Karriere bei der Polizei vorbei, bevor sie überhaupt begonnen hat. Eigentlich soll sich die befangene Fanny ’raushalten, doch als ihr klar wird, dass Nadine ein Verhältnis mit ihrem Schwager Markus (Aaron Karl) hat, nimmt die Handlung eine unerwartete Wendung.

Natürlich hat Tiefenbacher dafür gesorgt, dass auch das Alpenpanorama zur Geltung kommt, zumal die Grubers in einer großräumigen typischen Berghütte vor den Toren Innsbrucks leben. Zwischendurch treten noch weitere Familienmitglieder auf, aber viel fesselnder sind Fannys verzweifelte Bemühungen, Tobis Unschuld zu beweisen. Ruth Fuchs ist ihr dabei eine loyale Mitstreiterin. Alina Fritsch, von 2023 bis 2025 Filmpartnerin von Matthias Koeberlin in der ZDF-Reihe "Die Toten vom Bodensee", spielt hier zwar nur eine Nebenrolle, doch die hat es in sich: Die Kollegin sitzt im Rollstuhl, trägt ihr Herz auf der Zunge und neigt dazu, unbequeme Wahrheiten anzusprechen.

Außerdem ist sie ausgebildete Lippenleserin. Ausnahmsweise erweist sich die Unsitte, umgehend das Smartphone zu zücken, wenn’s was zu filmen gibt, und anschließend polemische Videos ins Netz zu stellen ("Killer in Uniform"), endlich mal als nützlich. Ansonsten ist "Der erste Schuss" ein ganz normaler Krimi, durchaus sehenswert zwar, aber nicht weiter ungewöhnlich. Ein Detail ist allerdings originell: Fanny spielt die Solo-Klarinette im Polizeiorchester. Der Dirigent ist auch ihr Chef, Fanny ist seine designierte Nachfolgerin; ihre eigenmächtigen Ermittlungen gefährden die Beförderung selbstredend erheblich.