Wo Pfarrer:innen in Büchern eine tragende Rolle spielen

Pfarrer in Kirche mach Herzzeichen mit Händen
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Es geht immer um Hoffnung, das Leben und um Rat und Tat, wenn in diesen Buchtipps ein Pfarrer oder eine Pastorin auftaucht.
Von Krimi bis Jugendroman
Wo Pfarrer:innen in Büchern eine tragende Rolle spielen
Wo Menschen über das Leben, den Tod, Schuld, Hoffnung und Sinn schreiben, ist die Pfarrperson in der Literatur oft nicht weit. Das zeigen die Lesetipps vom Ev. Literaturportal. Egal, ob sie als Haupt- oder Nebenfigur auftreten; Pfarrpersonen sind Figuren, an denen sich die großen Fragen des Lebens und zugleich der Zustand einer Gesellschaft erzählen lassen, denn sie stehen an der spannenden Schnittstelle zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen Individuum und Gemeinschaft sowie zwischen Glauben und Zweifel.

Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart

Großartig feinfühliger Roman über Krankheit, Tod und Trauer, trotz der Dramatik des Themas mit viel Humor.

Das Studium in der Schweiz hat noch gar nicht recht begonnen, da wird die Ich-Erzählerin zurückgerufen in ihre Heimat nach Südschleswig, um ihrer schwer an Krebs erkrankten Mutter beizustehen. In vielen Rückblenden erzählt sie vom Aufwachsen mit der beruflich sehr eingespannten Pastorin, die sie und den Bruder schon mal ohne Ausrüstung zum Segelkurs schickt und dann vergisst, sie wieder abzuholen. Und vom Leben mit einer jetzt todkranken Mutter, die sich mehr und mehr verändert. Von der Sorge um die eigene Zukunft, die Karriere, die Beziehung. Stark, sensibel, oft auch witzig und dabei sachlich und schnörkellos, erzählt die Autorin autofiktional von einer Familie im Prozess der Trauer. Trotz des schwierigen Themas fällt es schwer, den Roman, einmal begonnen, wieder aus der Hand zu legen.

Breite Leseempfehlung! Sabine Klohn 

Monrad Møller, Marie-Louise: Viel wichtiger ist jetzt die Gegenwart. Roman. Marie-Louise Monrad Møller. Berlin: Kanon Verlag 2026. 286 S. ; 22 cm. 
ISBN 978-3-98568-206-5, geb.: 23,00 €

Fünf, sechs, sieben, acht

Ein alternder Tänzer wird aus seinem gefälligen (Lebens)takt gebracht.

Anton ist Tänzer und Choreograph und hat gerade seine beste Arbeit abgeliefert, so findet er und auch viele andere. Trotzdem wird sein Vertrag am Theater nicht verlängert, denn die neue Intendantin hat andere und "jüngere" Pläne. Was den 60jährigen Anton am meisten trifft, ist, dass es seine Tochter Emma ist, die den Posten nun bekommt. Sie hat ihm nichts davon erzählt. Durch diesen Schlag provoziert, kommen Gedanken an Antons Jugendliebe Jo wieder auf, die vor 35 Jahren spurlos verschwunden ist, und die er einfach nicht vergessen kann. Ermutigt durch Ex-Frau Katja macht Anton sich zusammen mit Emma auf, um Jo zu finden und seine Beziehung zu Emma zu klären. Ihre Recherchen führen sie nach Irland, wo u.a. ein junger Priester wegweisend ist ... Arenz’ Stil ist so schlicht wie  wirkungsvoll, er vermag seine Leserschaft mitzunehmen und mit den von ihm behandelten Themen zu berühren. Dabei zeichnet ihn auch in diesem Roman sein Einfühlungsvermögen für junge Menschen aus, das man aus "Der ewige Sommer" oder "Alte Sorten" kennt. Manche Wendungen erscheinen allerdings etwas abstrus und wenig plausibel und Antons gekränkte Künstlerseele seufzt schon sehr viel ...

Ein Roman, der sicher wieder viele begeisterter Leser:innen finden sowie Tanz- und Theaterbegeisterte erfreuen wird. Marie Varela

Arenz, Ewald: Fünf, sechs, sieben, acht. Roman. Ewald Arenz. Köln: DuMont 2026. 236 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-7558-0057-6, geb.: 25,00 €

Crossroads

Die Erlebnisse einer sechsköpfigen Pastorenfamilie in den frühen 70er Jahren in einem Vorort von Chicago.

Der amerikanische Erfolgsautor erzählt in seinem Neuling von Mennoniten-Pfarrer Russ, der eine Schwarzengemeinde unterstützt und sich seit langem  für eine entlegene Navajo-Gemeinde engagiert. Als ein junger Theologe in der Jugendgruppe aktiv wird, wird Russ dort hinausgedrängt. Auch in Russ‘ Familie kommt es zu Konflikten. Sein ältester Sohn will zur US-Armee nach Vietnam, sein zweitältester handelt mit Drogen und muss für eine Weile in die Psychiatrie. Seine Tochter verliebt sich in einen lokalen Musiker und bekommt ein Kind. Russ‘ Frau trauert ihrer ersten Beziehung nach. Als Russ sich mit einer Witwe einlässt, steht er bald vor einem Scherbenhaufen.

Mit leiser Ironie erzählt Franzen aus verschiedenen Perspektiven von einem Familienkonflikt vor dem Hintergrund des rebellischen Zeitgeistes. Er gibt seinen Charakteren Tiefe, die trotz ihrer Schwächen sympathisch bleiben. Der Widerspruch zwischen einem sozial engagierten Christentum und persönlichen Unzulänglichkeiten ist ein zentrales Thema.

Breit empfohlen. Peter Bräunlein 

Franzen, Jonathan: Crossroads. Roman. Jonathan Franzen. Dt. von Bettina Abarbanell. Hamburg: Rowohlt 2021. 825 S. ; 22 cm. Aus d. Engl.
ISBN 978-3-498-02008-8, geb.: 28,00 €

Die Unschärfe der Welt

Banat ist nicht Rumänien. Es ist eine Kulturlandschaft, die voller Geschichten steckt. Iris Wolff findet und liebt sie.

Welch ein Geschenk! Offenbar hat uns da Siebenbürgen, die alte Heimat großer Dichter und Dichterinnen, ein Geschenk gemacht: eine Erzählerin voller Feinsinn und Verstand, die mit sprachlicher Sicherheit und Präzision die Geschichten nacherzählt, die ihr der Wind zuflüstert und deren Tiefe sie von Daheim mitgebracht hat.

Nicht nur die Sprache ist überwältigend, auch die Menschlichkeit. Und es ist so mild, dass es nur ein totes Kind gibt und sich sonst alle Unglücke, in die andere Autorinnen tappen würden wie in Honignäpfchen, nicht ereignen, sondern das Gute überwiegt und die Liebe siegt. Danke! Jede Person, der die Autorin Wort und Herz leiht, wächst der Leserin an dasselbe und am Ende heule ich wie ein Schlosshund, als das kleine Mädchen an der Hand ihrer Mutter in der Tür steht. Das müssen Sie lesen! Sogar das im westlichen Kontext gern ausufernd ausgeschlachtete Phänomen der Securitate wird in solcher Klarheit entlarvt, dass es durch Mark und Bein geht und im Kopf haften bleibt.

In "Die Unschärfe der Welt", ausgezeichnet mit dem  Ev. Buchpreis 2021, steht Hannes, ein junger evangelischer Pfarrer, der in den 1970er-Jahren mit seiner Frau Florentine in ein Dorf im rumänischen Banat kommt, im Zentrum. Das Pfarrhaus und die Pfarrfamilie sind ein wichtiger Treffpunkt und das soziale Zentrum des Romans.

Für viele Lesende ein Geschenk! Für Literaturgottesdienst und Lesekreis sehr gut geeignet. Christiane Thiel 

Wolff, Iris: Die Unschärfe der Welt. Roman. Iris Wolff. Stuttgart: Klett-Cotta 2020. 213 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-608-98326-5, geb.: 20,00 €

Zur See

Roman über die sich wandelnde Welt einer Insel und ihrer Menschen.

Eine Insel in der Weite der Nordsee - ein kleines Stück Land inmitten des Ozeans, gezeichnet von einer gewaltigen Natur und geprägt von den Menschen, die dort aufeinandertreffen: die Einheimischen, die sich an die alten Zeiten der Walfängerei und der kulturellen Eigenständigkeit erinnern, sowie die Urlaubsgäste mit ihren Ansprüchen und romantischen Vorstellungen der Inselwelt.

So wie die Insel sich in einem fließenden Übergang von Meer und Land bewegt, so schwingen auch die Menschen hin und her zwischen Wasser und Sand, zwischen Loslassen und Festhalten, Untergang und festem Grund - die Kapitänsfrau, der Inselpastor, die Fischer, die Enkel der Walfänger... Es ist ein Leben, das immer wieder in Gefahr gerät, zu versinken oder zu stranden.
Dörte Hansen beschreibt die "Gezeiten" ihrer Protagonisten psycholgisch tiefgründig, nahezu sezierend, und verwendet dabei eine wort- und bildgewaltige, kunstvolle Sprache.   

Aktuelle Gegenwartsliteratur zur bedrängenden Frage der eigenen Existenz - nicht leichtfertig, aber gut zu lesen. Sehr empfohlen. Anne Rank

Hansen, Dörte: Zur See. Roman. Dörte Hansen. München: Penguin 2022. 255 S. ; 22 cm.  ISBN 978-3-328-60222-4, geb.: 24,00 €

Mein Wille geschehe

Pastor Bernd Schwarze hat einen Kriminalroman geschrieben, der den Wunsch nach Spannung, Unterhaltung und Tiefsinn erfüllt. 

Dieser Krimi spielt zwar im Kirchenmilieu, ist aber viel mehr als ein Kirchenkrimi. Bernd Schwarze komponiert eine überraschende Geschichte mit unerwarteten Wendungen. In diesem Roman erleben Leser die Konversion seiner Hauptperson, Pastor Benedict Theves. Ein zögerlicher, unsicherer Mann verwandelt sich in einen Propheten und empfindsamen Deuter des Lebens – durch eine Straftat. Der Roman ist weise Selbsterkenntnis und behutsamer Ratgeber. Das Ganze ist aufgebaut auf religiösen Symbolen: die Passionszeit bildet den Zeitrahmen. Psychologisch-therapeutische Gespräche aus Vergangenheit und Gegenwart unterbrechen den Gang der Handlung. Die Liebe des Autors zur Popkultur ist wohldosiert eingesetzt.

Sehr schön ist das kirchliche Binnenmilieu gezeichnet. Das alles ist so miteinander verwoben, dass man das Buch aus der Hand legt, um über das Leben und sich selbst nachzudenken und dann gespannt weiterzulesen. Mich hat das Buch an den Satz erinnert: Der Mensch denkt, Gott lenkt. Diese Kooperation ist eine glückliche Fügung und Forderung.  

Es ist ein gutes Geschenk - Ein Gottesdienst lässt sich gut damit gestalten – Lesekreise finden Anregungen und Gesprächsanlässe – wer beste Unterhaltung sucht – feine Beobachter des Kirchenmilieus. Martin Schulz 

Schwarze, Bernd: Mein Wille geschehe. Kriminalroman. Bernd Schwarze. Nach einer gemeinsamen Idee und mit einem Nachwort von Sebastian Fitzek. München: Knaur 2021. 379 S. ; 21 cm. ISBN 978-3-426-52752-8, kt.:14,99 €

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