Emily Stoll (25) sitzt in der Uni-Cafeteria in Regensburg: Ihre Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden, ein goldenes Herz-Kettchen baumelt um ihren Hals. Seit gut fünf Jahren ist die Lehramtsstudentin für Mathe und Physik mit dem Grundschullehrer Johannes Brenig (29) zusammen. Zum Schnapszahl-Datum 25.5.25 haben die beiden, damals noch beide im Studium, ihre Beziehung segnen lassen.
Anders bei Uschi und Peter Hacker: Sie sind seit 30 Jahren standesamtlich verheiratet. Durch die Aktion "einfach heiraten" wollen die beiden am 26.6.26 die Chance auf eine kirchliche Segnung nutzen.
Zwei Liebespaare, zwei Modelle: Sie stehen stellvertretend für all das, wofür "einfach heiraten" steht: eine niederschwellige Möglichkeit für alle, auch für queere Paare, sich den Segen Gottes in einer evangelischen Kirche geben zu lassen. Das gilt auch für Paare, bei denen beide katholisch sind.
Seit die Aktion "einfach heiraten" im Jahr 2023 von der bayerischen Landeskirche aus der Taufe gehoben wurde, entschließen sich jedes Jahr mehr Paare für diese Light-Version. Waren es 2023 laut Landeskirchen-Angaben noch rund 251 Paare, die sich spontan einen Segen geben oder trauen ließen, waren es im vergangenen Jahr schon 808 Paare. Die evangelische Kirche wertet das als Erfolg. In diesem Jahr beteiligen sich sogar zum ersten Mal zwölf Landeskirchen deutschlandweit daran.
Das junge Paar Emily und Johannes fand den Gedanken, spontan vor den Altar zu treten, "herzig" und "lustig". Die beiden hatten sich vor fünfeinhalb Jahren über die App "Tinder" kennengelernt und verabredeten sich zu einer Pizza in der Regensburger Altstadt. Seit diesem Treffen seien sie ein Paar, berichten die beiden, die sich eher als kirchenfern bezeichnen.
Zum Segen für ihre Partnerschaft erschien Emily dann im weißen Kleid, Johannes trug einen Anzug. Zehn Freunde begleiteten die beiden in die Kirche im niederbayerischen Bad Abbach. Bei der Anmeldung mussten sie einen kurzen Fragebogen ausfüllen, zwei Lieder und einen Trauspruch aussuchen. Im Vorgespräch mit dem Pfarrer berichteten sie, was sie aneinander mögen, was sie stört und wie ihr erstes Date verlief.
Nach 20 Minuten war die Zeremonie samt Musik, einer Ansprache des Pfarrers und Segnung vorbei. Dass die Kirche sich beim "Segen to go" um alles gekümmert hat, den Sektempfang, Kaffee und Kuchen, und sogar noch professionelle Fotos gemacht wurden: "Das war supercool", sagt Emily.
Probelauf für die Ehe
Fühlen die beiden sich nun verheiratet? Die Zeremonie sei für sie eher "so etwas wie ein Probelauf" gewesen, erzählen die beiden, die noch nicht standesamtlich verheiratet sind. "Es ging uns auch nicht um die Location Kirche und Gottes Segen, sondern dass wir einen besonderen Moment für uns hatten", erläutert Johannes. "Wir haben uns danach noch einmal mehr verbunden gefühlt."
Für Uschi und Peter Hacker aus Maxhütte-Haidhof in der Oberpfalz ist es gerade der Segen Gottes, den sich die beiden seit Langem wünschen und am 26. Juni in einem Kirchgarten erhalten werden. In diesem Jahr ist es 30 Jahre her, dass sie standesamtlich geheiratet haben.
Vor den Traualtar treten konnten sie bisher nicht, weil Uschi Hacker, 55 Jahre alt und katholisch, in jungen Jahren geschieden wurde. Die katholische Kirche sieht eine Wiederverheiratung nicht vor, solange der geschiedene Partner noch lebt.
Uschi Hacker verfolgt die Aktion "einfach heiraten" deshalb schon seit ein paar Jahren. "Für mich ist der Glaube wichtig im Alltag, er tut mir für die Seele gut." Schon im vergangenen Jahr wollten sich die beiden spontan segnen lassen. Doch ihre erwachsenen Kinder hätten interveniert, weil sie bei der Zeremonie dabei sein wollten. Ehemann Peter, der an keine Kirche gebunden ist, will endlich seiner Frau diesen Herzenswunsch erfüllen, sagt er. "Das ist eine tolle Einrichtung", sagt der 57-Jährige.



