Im Vorfeld der Eröffnung des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg treffen sich die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer. Im Mittelpunkt des Austauschs: die Bedeutung der Ökumene sowie die gemeinsame Verantwortung der Kirchen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in einer Zeit wachsender Spannungen und Polarisierungen.
"Viele Menschen erleben derzeit, wie hart gesellschaftliche Debatten geworden sind. Misstrauen wächst, Positionen verhärten sich, und immer häufiger wird übereinander statt miteinander gesprochen. Als Kirchen wollen wir dem etwas entgegensetzen: Orte, an denen Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten und gemeinsam nach Lösungen suchen", erklären Bischöfin Fehrs und Bischof Wilmer.
Ökumene sei dafür ein konkretes Beispiel, denn evangelische und katholische Christinnen und Christen verbinde mehr, als sie trenne. "Gerade weil wir nicht in allem gleich sind, zeigt die Ökumene, dass Verständigung möglich ist und Vertrauen wachsen kann. Diese Erfahrung braucht auch unsere Gesellschaft. Kirchen tragen Verantwortung dafür, Begegnung zu ermöglichen – in Gemeinden, Schulen, sozialen Einrichtungen und im öffentlichen Gespräch", so die beiden leitenden Kirchenvertreter.
Zuhören statt Spalten
Dort, wo Menschen einander wahrnehmen und Gehör schenken, verliere Spaltung an Kraft. "Was im Kleinen gilt, trägt auch im Großen: Frieden entsteht dort, wo Menschen und Nationen einander nicht abschreiben, sondern Verständigung suchen. Angesichts von Krieg und Gewalt in vielen Teilen der Welt setzen sich die Kirchen für Versöhnung, Menschlichkeit und Überwindung von eskalierten Konflikten ein", so Bischöfin Fehrs und Bischof Wilmer.
Mit Blick auf das Leitwort des Katholikentags "Hab Mut. Steh auf." betonen beide: "Mutig ist heute, wer das Gespräch sucht, auch dort wo Positionen als unvereinbar erscheinen. Frieden entsteht, wenn Menschen einander nicht aufgeben."
Der 104. Deutsche Katholikentag startet heute in Würzburg unter dem biblischen Leitwort "Hab Mut, steh auf!". Bis Sonntag werden mehrere zehntausend Teilnehmende zu insgesamt 900 Veranstaltungen erwartet. Das Treffen soll angesichts von Krieg, Klimawandel, sozialer Spaltung sowie Vertrauenskrisen in Politik und Kirche dazu ermutigen, nach Wegen für die Zukunft zu suchen.
Zur Eröffnung werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erwartet. Am Freitag will sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unter dem Titel "Gemeinsam Zukunft gestalten" den Fragen junger Menschen stellen. Für die Traditionsveranstaltung gilt ein umfangreiches Sicherheits- und Verkehrskonzept.




