Carrotmobs: Einkaufen für ein besseres Klima

Carrotmobs: Einkaufen für ein besseres Klima
Verbraucher haben Macht - und diese Macht können sie nutzen. In einem positiven Sinn, indem sie nämlich dort einkaufen, wo Geschäfte innovativ und zukunftsweisend handeln. Um diese Motivation zu fördern, sind Carrotmobs angetreten.

Sind Produkte nicht in Ordnung, halten sie vielleicht nicht, was sie versprechen, sind Boykottaufrufe schnell bei der Hand. Je nachdem, wie sie heftig sie ausfallen, ändern Boykottte tatsächlich etwas an der Zusammensetzung von Produkten, an der Herstellungsweise – aber sonst? Die Nachhaltigkeit solcher Bestrafungen ist meist nur von kurzer Dauer. Wäre es da in vielen Fällen nicht vielleicht cleverer, Geschäfte zu unterstützen, die sich ohnehin schon für bestimmte Standards einsetzen, beispielweise bei der Energieeffizienz? Und dort so verstärkt einzukaufen, dass diesen Läden weitergeholfen wird?

Das ist – vereinfacht gesagt - zumindest die Idee von sogenannten Carrotmobs. Die Bewegung ist in den USA entstanden und unterstützt Unternehmen, die ihre Energiebilanz verbessern wollen. Statt Bestrafung oder Boykott gibt es eine Belohnung durch Umsatz. Darauf deutet auch der Begriff selbst hin: Mob steht für eine Versammlung, die Karotte als Belohnung.

Erster Carrotmob in Berlin

Im vergangenen Jahr schwappte die Bewegung auch nach Deutschland – der erste Carrotmob ging in Berlin über die Bühne. Dabei treffen sich zu einem verabredeten Zeitpunkt viele Menschen vor einem bestimmten Geschäft, um dort einzukaufen. Von dem so erzielten – höheren – Umsatz an dem Tag verpflichtet sich der Ladeninhaber, einen bestimmten Teil beispielsweise in klimafreundliche Technik zu investieren. Organisiert wird die Aktion von einer Carrotmob-Gruppe.

Jüngstes Beispiel: Köln im April. Dort hatte Fabian Huber zusammen mit einem kleinen Team seit Februar überlegt und geplant, einen Carrotmob auf die Beine zu stellen. Sie wollten Geschäfte unterstützen, die inhabergeführt sind, keine großen Ketten. Und es sollte der Lebensmittelhandel sein. Also klapperten sie rund 30 Läden ab, stellten ihre Idee vor. Nun ist es aber nicht so, dass einfach jeder Inhaber nur noch "Ja" sagen muss. Denn es bekommt derjenige den Zuschlag für den Carrotmob, der den prozentual größten Anteil am erzielten Tagesumsatz wieder investieren will. Im Fall der Kölner Aktion war dies das "Obst- und Gemüseland", dessen Inhaber Necmettin Izci 75 Prozent des Tagesumsatzes für klimafreundliche Investitionen vornehmen wollte. Er erhielt schließlich auch den Zuschlag.

"Neben der Investitionsbereitschaft haben wir auch noch andere Punkte auf unserem Zettel, etwa, ob sich jemand schon für Regio- oder Bioprodukte engagiert, die Größe des Ladens und den Umsatz", erklärt Fabian Huber von Carrotmob Köln. Also schlossen sie mit Izci einen Vertrag, ein Energieberater nahm das Geschäft unter die Lupe, erstellte kostenlos ein Gutachten und riet zu einer Modernisierung der Kühlschränke und –theken sowie der Beleuchtung, um dadurch Kohlendioxid (CO2) einzusparen.

Umbauten werden geplant

Jetzt wurden die Mobber aktiv: Per Flyer und Plakaten machten sie die Aktion im Viertel bekannt, der größte Teil läuft aber übers Internet, wo sie die Aktion per Twitter, StudiVZ und Facebook verbreiteten. Am Tag X, dem 17. April und ersten Carrotmob in Köln, kauften hunderte Menschen im Laden ein, so dass ein Umsatz von 3.250 Euro zusammenkam. Davon 75 Prozent – bleiben also 2.437,50 Euro für den Klimaschutz. Hinzu kam eine Spende von den Carrot-Kollegen aus Bonn über 500 Euro, so dass Izci 2.937,50 Euro investieren kann.

Zusammen mit dem Energieberater können jetzt die Umbauten geplant werden, auch wenn die Summe nicht für alle Investitionen reichen wird. Allerdings erhielt die Gruppe ein weiteres Angebot zur Umstellung der Beleuchtung auf ein LED-System, so dass sich darüber noch weitere Einsparungen erzielen lassen. Bis zum 31. Juli jedenfalls sollen die Maßnahmen umgesetzt werden. Wie in Köln gibt es mittlerweile auch in vielen anderen Städten Carrotmobber, bisher allerdings als eine eher formlose Bewegung.

Allerdings kann sich Fabian Huber auch vorstellen, "dass sich Gruppen zusammentun und eine größere Aktion in mehreren Städten planen." Für die Domstadt selbst kann sich Huber einen Mob alle drei Monate vorstellen. Berlin hat nun bereits dreimal gemobbt: Nach einem Ansturm auf einen Lebensmittelladen und einen Schnellimbiss war zuletzt ein Blumenladen an der Reihe.


Frauke Weber arbeitet als Redakteurin bei evangelisch.de