Zwischen "Met" und Bayreuth: Tenor Jerusalem wird 70

Zwischen "Met" und Bayreuth: Tenor Jerusalem wird 70
Zwischen der Wiener Staatsoper, der "Met" in New York und dem Bayreuther Festspielhaus bewegte sich ein Vierteljahrhundert lang die Karriere des großen Tenors Siegfried Jerusalem.

Die großen Opernhäuser der Welt waren seine künstlerische Heimat. "Elf Monate im Jahr war ich unterwegs", erinnert sich der Sänger, der am Samstag seinen 70. Geburtstag feiert. Mittlerweile ist er in Nürnberg heimisch geworden, wo er von 2001 bis 2009 Präsident der Musikhochschule war und auch weiterhin unterrichtet.

Seine Glanzrollen hatte Jerusalem in den 1990er Jahren bei den Richard-Wagner-Festspielen in Bayreuth. In der "Ring"-Inszenierung von Harry Kupfer wurde er als "Jahrhundert-Siegfried" gefeiert. Als Bayreuther Traumpaar galten Jerusalem und Waltraud Meier in Heiner Müllers Inszenierung von "Tristan und Isolde".

Ein bisschen Glück kann nicht schaden

Wie macht ein junger Sänger eine große Karriere? "Man muss natürlich sehr gut singen", antwortet Jerusalem, "und man muss danach leben, man muss sich vorbereiten wie ein Hochleistungssportler. Es braucht viel Disziplin, beim Üben und im Leben. Ohne Training gibt es keine Leistung." Ein bisschen Glück kann aber auch nicht schaden: Jerusalem selbst schaffte den Sprung auf die Opernbühne eher zufällig.

In Oberhausen geboren, studierte er an der Folkwanghochschule in Essen Fagott und Klavier und war jahrelang Fagottist in verschiedenen Orchestern. Daneben ließ er seine Stimme ausbilden. 1975 kam seine Chance: Als bei einer Verfilmung des "Zigeunerbaron" der Hauptdarsteller unpässlich war, sprang Jerusalem ein. "Dass man mich genommen hat, verstehe ich bis heute nicht", schmunzelt er.

"Sänger auszubilden macht wahnsinnig viel Spaß"

Es begann ein steiler Aufstieg: Schon 1977 debütierte der lyrische Tenor in Bayreuth als Froh im "Rheingold". 1978 gab er sein Berliner Debüt als Tamino in Mozarts "Zauberflöte" - die Rolle, die er in seiner Laufbahn am häufigsten verkörperte. "Mozart ist immer noch einer meiner Favoriten", sagt der Sänger. Den weltweiten Durchbruch schaffte er aber mit Wagner-Rollen: 1979 debütierte er als Parsifal in Wien sowie als Parsifal und Lohengrin in Bayreuth, 1980 als Lohengrin in New York. Jerusalem avancierte zu einem der großen Heldentenöre seiner Zeit.

Vor neun Jahren wechselte er dann als Hochschulpräsident nach Nürnberg - ein Schritt, den er nicht bereut hat. "Sänger auszubilden, das macht wahnsinnig viel Spaß." Gelegentlich steht Siegfried Jerusalem auch noch auf der Opernbühne: So wird er im Juni in einer Neuinszenierung der "Salome" in Valencia unter Zubin Mehta den Herodes singen.

dpa