Auch im Krankenhaus macht die Ökumene Fortschritte

Auch im Krankenhaus macht die Ökumene Fortschritte
Auf dem hart umkämpften Krankenhausmarkt liegen Zusammenschlüsse im Trend. Auch die kirchlichen Häuser setzen zunehmend auf Fusionen. Dabei sind sogar überkonfessionelle Zusammenschlüsse kein Tabu mehr: So hat in Trier die bundesweit erste Klinik der beiden größten kirchlichen Krankenhausträger Deutschlands, der katholischen Marienhaus GmbH (Waldbreitbach) und der evangelischen Agaplesion gAG (Frankfurt am Main), ihren Betrieb aufgenommen.

Es ist ein relativ kleines Projekt, dem sich die Marienhaus GmbH und Agaplesion in Trier verschrieben haben: Zwei getrennt wirtschaftende Häuser wurden zu einer gemeinsam betriebenen Klinik mit 363 Betten zusammengeführt. Aber überkonfessionelle Fusionen sind im Kliniksektor die absolute Ausnahme. Der Verbund könnte für die beiden großen Kirchen ein Startschuss für ein engeres Zusammenrücken im Krankenhaussektor sein.

Gesundheit nicht zur Ware degradieren

"In einer immer mehr säkularisierten Welt wird die Gesundheit oft zur Ware degradiert. Als christliche Krankenhäuser müssen wir uns fragen, was wir dem entgegensetzen können", sagt Bernd Weber, Vorstandsvorsitzender von Agaplesion. Er stellt in Frage, dass evangelische und katholische Einrichtungen dies auf Dauer getrennt tun sollten. Der Kurs scheint klar: Wenn die konfessionellen Träger auf dem mehr als 65 Milliarden Euro schweren Krankenhausmarkt in Deutschland mitspielen wollen, müssen sie wie die private Konkurrenz wachsen.

Die Sankt-Franziskus-Stiftung, ein großer katholischer Krankenhausträger in Münster, betrieb vor acht Jahren lediglich sechs Häuser. Heute sind es 15, die Zahl der Mitarbeiter hat sich im selben Zeitraum verdoppelt. Kirchliche Unternehmen erwirtschaften mit Krankenhäusern, Seniorenheimen, Jugend- und Behinderteneinrichtungen über 600 Millionen Euro jährlich und sind mittlerweile auf einer Liste der 100 größten Arbeitgeber in der Gesundheitswirtschaft im ersten Drittel zu finden.

"Wir wachsen langsamer"

Über die schiere Größe hinaus scheinen die konfessionellen Unternehmen auch noch gut zu wirtschaften. "Bei unseren Ratings schneiden die freigemeinnützigen Träger in der Regel mindestens genau so gut ab wie die private Konkurrenz", sagt Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen. Allerdings gibt es auch Unterschiede, darauf legen die freigemeinnützigen Träger großen Wert. "Natürlich wachsen wir, aber wir tun das auf eine andere Art und zu einem anderen Zweck. Wir wachsen langsamer, schließlich müssen wir keine Aktionäre zufriedenstellen", sagt Christa Garvert, die Sprecherin der Geschäftsführung der Marienhaus GmbH.

Der Trend ist nach Auffassung des Klinikexperten Michael Fischer vorgezeichnet: Er erwartet wachsende Klinikbetriebe und mehr Kooperationen über die Konfessionsgrenzen hinweg. Fischer hat 2008 seine Habilitationsschrift zum konfessionellen Krankenhausmarkt veröffentlicht. Deren Fragestellung war: Wie schaffen konfessionelle Träger den Spagat zwischen Ethik und Wirtschaft?

epd