Afrikanische Nationen setzen auf Windmühlen und Biogas

Afrikanische Nationen setzen auf Windmühlen und Biogas
Am Turkanasee steht der Wind niemals still. Unentwegt bläst er Staub und Sand durch die fast menschenleere Halbwüste im Norden Kenias, die von der Entwicklung bislang vergessen worden ist. Doch wenn Carlo van Wageningen mit seinen Plänen Erfolg hat, dann entsteht hier ab kommendem Jahr Afrikas größter Windpark.
07.12.2009
Von Marc Engelhardt

365 modernste Windräder sollen den Wind so effektiv nutzen, dass 300 Megawatt Strom in Kenias marodes Stromnetz eingespeist werden können. "Kaum eine andere Region in der Welt ist so gut für einen Windpark geeignet wie das Ufer des Turkanasees", erklärt der holländische Investor van Wageningen zufrieden.

Sein Plan liegt im Trend: Nach jahrelangem Stillstand investieren immer mehr Geschäftsleute und Regierungen in klimafreundliche Energieerzeugung in Afrika. Sie gehen zurecht davon aus, dass der Energieverbrauch in Afrika südlich der Sahara in den kommenden Jahren stark ansteigen wird. Erneuerbare Energien bringen dabei doppelt Geld: Sie stillen den wachsenden Energiehunger - und ermöglichen Einnahmen aus dem "Clean Development Mechanism" (CDM) des Kyoto-Protokolls. Beim CDM erhalten Investoren für klimafreundliche Projekte in Entwicklungsländern Emissionsgutschriften, die sie an Industrieländer weiterverkaufen können.

Gesamtinvestitionen in Höhe von 400 Millionen Euro

Im internationalen Vergleich ist die Anzahl der Projekte immer noch gering: Weltweit gibt es dem UN-Umweltprogramm zufolge mehr als 4.730 derartiger Projekte. Nur 112 davon sind in Afrika verortet. Doch ihre Zahl steigt stetig: im vergangenen Jahr waren es noch 78. Im Falle seines Windparks schätzt van Wageningen die Erlöse aus dem Emissionsrechtehandel auf 18 Millionen US-Dollar pro Jahr. "Wir haben mit den kenianischen Stromwerken vertraglich vereinbart, dass dieser Betrag zur Senkung des Strompreises genutzt wird."

Die Investitionen, die van Wageningen und seine Investorengruppe planen, sind riesig. "Der nächste Hafen ist Mombasa, 1.200 Kilometer entfernt, und die Straßen sind marode", so van Wageningen. "Die asphaltierten Strecken sind voller Schlaglöcher, aber die letzten 150 Kilometer Piste sind praktisch unpassierbar." Zum Einfliegen sind die Teile zu sperrig und zu schwer. "Also haben wir uns entschieden, die Straße auszubauen - auf eigene Kosten." Für die Einspeisung muss zudem eine neue, 426 Kilometer lange Hochspannungsleitung errichtet werden, die es im entlegenen Norden Kenias noch nicht gibt.

Die Gesamtinvestitionen schätzt van Wageningen auf rund 400 Millionen Euro. Betrieben wird das Netz in einer öffentlich-privaten Partnerschaft: 25 Jahre währt die Konzession, dann übergibt es van Wageningen kostenfrei an den Staat. Die Investoren sind von dem Modell überzeugt, das nötige Geld ist beinahe zusammen. Mitte 2011 sollen die ersten 50 Megawatt angeschlossen sein, ein gutes Jahr später der Rest.

Kochen mit Biogas statt Feuerholz

In den meisten afrikanischen Ländern ist bislang nur ein Bruchteil der Bevölkerung an das Netz angeschlossen. In Ruanda sind es derzeit lediglich sechs Prozent der Bevölkerung, in zehn Jahren soll der Anteil auf ein Drittel gestiegen sein - dank klimafreundlicher Energieprojekte. "Wir setzen auf Methoden, die vor uns noch niemand ausprobiert hat", sagt Eva Paul vom ruandischen Umweltministerium. "Seit November vergangenen Jahres pumpen wir Methan aus dem Kivusee in einen schwimmenden Generator."

In dem See an der Grenze zum Kongo liegen in der Tiefe Vorkommen, die mehr als 50 Jahre halten sollen. "Im Moment werden vom Kivusee zwei Megawatt ins Netz eingespeist ", so Paul. "Wir haben einen Vertrag mit einer amerikanischen Firma, Contour Global, unterschrieben, die die Leistung bis Ende kommenden Jahres auf 100 Megawatt erhöhen werden." 100 Megawatt - das ist fast doppelt so viel wie Ruandas derzeitige Gesamtleistung. Ein Konsortium, an dem der Aga Khan beteiligt ist, verhandelt derzeit über die Lizenz, weitere 100 Megawatt Strom zu erzeugen.

Dazu kommen in Ruanda sogenannte Insellösungen: Dort, wo es kein Stromnetz gibt, werden derzeit Schulen und Krankenhäuser mit Solarzellen ausgestattet. Das gleiche Ziel haben die 15.000 Biogasanlagen, die derzeit mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) vor allem an Latrinen von Kleinbauern installiert werden. "Die Familien kochen mit Biogas statt mit Feuerholz, das schont die Ressourcen", erklärt Koordinator Gerard Hendriksen. Die Nutzung von Biogas steht an der Spitze der afrikanischen CDM-Projekte, auch, weil sie vergleichsweise günstig zu realisieren sind: Jedes fünfte Projekt nutzt Gas, das aus Abfällen erzeugt wird.

epd