Wir geben jedem eine Stimme (11:00 Uhr)

Wir geben jedem eine Stimme (11:00 Uhr)
Wie ist die Berichterstattung auf evangelisch.de gelaufen, wie sieht es in Zukunft aus, was liegt noch vor uns? Jörg Bollmann fasst die Geschichten hinter den Geschichten zusammen.

Deutschland hat gewählt, das Ergebnis liegt vor. Die Union kommt mit 33,8 Prozent auf ihr zweitschlechtestes Nachkriegsergebnis, die FDP erzielt mit 14,5 Prozent das Beste ihrer Nachkriegsgeschichte. Beide zusammen werden, angeführt von der Kanzlerin Angela Merkel und vom FDP-Spitzenmann Guido Westerwelle, Deutschland in den kommenden vier Jahren regieren. In der Opposition können sich die Linken mit ihren 12,5 Prozent als jetzt etablierte Partei in diesem Land betrachten, die Grünen dürfen mit ihrem zweistelligen Resultat – 10,1 Prozent – auch zufrieden sein. Das Desaster lastet auf der SPD: Mit nur noch 23,1 Prozent markiert die Partei ihren historischen Tiefpunkt, kann sich kaum noch Volkspartei nennen.

Soweit das Wahlergebnis.

Evangelisch.de hat in den vergangenen Stunden, am Abend der Wahl und am Morgen danach intensiv analysiert, kommentiert und berichtet. Antworten auf die Frage, wie das Wählervotum einzuordnen ist, waren uns ebenso wichtig wie der Bewertung der Parteispitzen, aber natürlich auch die Kommentare aus den Reihen der evangelischen Kirche. Schließlich waren auch die rund 25 Millionen evangelischen und rund 25 Millionen katholischen Christen aufgerufen, an der Wahl teilzunehmen.

Evangelisch.de hat in den vergangenen Stunden aber auch versucht, die Geschichten rund um die Wahl zu finden, um die sich andere Medien nicht gar so kümmern. Den Stummen Stimme geben empfinden wir als eine Aufgabe der evangelischen Publizistik, also auch als Aufgabe von evangelisch.de. So haben wir darüber berichtet, wie alten und kranken Menschen, die ihre Stimme nicht ohne fremde Hilfe abgeben können, zu ihrem Recht auf Wahlentscheidung verholfen wird. Wir wollten wissen, wie es blinden Wählern möglich gemacht wird, ihr Kreuzchen an der gewünschten Stelle zu machen und in welcher Weise die in Afghanistan eingesetzten Bundeswehrsoldaten in die Wahlentscheidung einbezogen werden. Es hat uns interessiert, ob und wie Obdachlose zur Wahl gebeten werden, wobei wir nicht überrascht, aber doch ein wenig betrübt festgestellt haben, dass die meisten Wohnungslosen, die wir in Berlin gefragt haben, kein Interesse an der Wahl haben. Sie fühlen sich kaum noch als Teil dieser Gesellschaft, was ein Problem dieser Gesellschaft ist, um das sich unter anderem die evangelische Stadtmission in Berlin kümmert.

Wie wird ein Kandidat damit fertig, bis in die Morgenstunden zittern zu müssen ob der Frage: Bin ich im Parlament oder nicht? Das alles ist nachzulesen im Special zur Bundestagswahl 2009 auf evangelisch.de, dem neuen Internetportal der evangelischen Kirche, das seit dem 24. September online ist. Allen die sich bisher für unser Angebot interessiert haben, ein herzliches Dankeschön dafür. Allen die es jetzt erst entdecken, sei es empfohlen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Evangelisch.de wird natürlich weiter berichten und dran bleiben an den Fragen, für die sich die Menschen jetzt interessieren. Was tut schwarz-gelb zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit? Wie setzt sich die neue Regierung für die Bildung ein? Wie steht es um soziale Gerechtigkeit, um nachhaltige Wirtschafts- und Umweltpolitik in diesem Land?

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Vom 24. bis 29. Oktober tagt die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Ulm. Auf der Tagesordnung steht auch eine Wahl: Die Synode wählt den neuen Rat der EKD, aus dessen Mitte wiederum der oder die neue Ratsvorsitzende und damit der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Bischof Huber bestimmt wird. Wahltag ist der 27. Oktober – evangelisch.de wird ausführlich berichten.

Übrigens: Die Synode in Ulm wird 14 Persönlichkeiten in den neuen Rat zu wählen haben. Platz 15 ist für eine bestimmt, die bereits im Mai von der Synode gewählt wurde – zur Präses der Synode. Ihr Name ist Katrin Göring-Eckardt, Spitzenpolitikerin der Grünen. Der Partei, die gestern mit 10,1 Prozent ein gutes Ergebnis erzielt hat, aber dennoch in die Opposition gehen muss.