Bischof Manzke findet Kritik an EKD-Reformationspapier nachvollziehbar

Bischof Manzke findet Kritik an EKD-Reformationspapier nachvollziehbar
Er verstehe das Bedauern gut, dass das Dokument wesentliche Teile des ökumenischen Gespräch nicht erwähne, sagte Manzke am Montag in Bückeburg in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Für nachvollziehbar hält der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, Karl-Hinrich Manzke, die Kritik an dem Papier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zur Reformation. Er verstehe das Bedauern gut, dass das Dokument wesentliche Teile des ökumenischen Gespräch nicht erwähne, sagte er am Montag in Bückeburg in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Manche Kritik sei jedoch "zu hart". Manzke ist Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands.

Der 112-seitige EKD-Text "Rechtfertigung und Freiheit" war im Mai vorgestellt worden. Ausgangspunkt ist die Rechtfertigungslehre Martin Luthers (1483-1546), die wesentlicher Grund für die Kirchenspaltung im 16. Jahrhundert war. In der Rechtfertigungslehre sieht die EKD die Grundlage des reformatorischen Freiheitsverständnisses. Das Papier zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 stieß bei Historikern sowie von katholischer Seite auf zum Teil heftige Kritik.

Manzke sagte, es hätte dem Dokument gutgetan, auf ökumenische Meilensteine zu verweisen, etwa die Erklärungen zur Rechtfertigungslehre 1999 und zur Taufe von 2007 oder das lutherisch-katholische Papier "Vom Konflikt zur Gemeinschaft". Der EKD-Text lasse erkennen, "dass er sehr unterschiedliche Interessenlagen widerspiegelt" und nicht aus einem Guss sei, erläuterte der Landesbischof. So fänden sich darin historisch abwägende, dogmatische und auch erbauliche Passagen.

Reformationsjubiläum als gemeinsames "Christusfest"

Allerdings wolle das Papier die "Grundierung der reformatorischen Theologie" sichtbar machen und kein abgewogener ökumenischer Lehrtext sein, unterstrich Manzke. Eine "Ideologisierung und Instrumentalisierung der Reformationsgeschichte" lasse sich nicht daraus ableiten. Der Text nehme die Reformation als "religiöses Ereignis" in den Blick, ergänzte der lutherische Catholica-Beauftragte. Er reduziere damit die Sicht auf die Reformation "und gibt das methodisch auch zur Kenntnis".

Manzke äußerte die Erwartung, dass evangelische und katholische Christen das Reformationsjubiläum gemeinsam als "Christusfest" begehen. In dem EKD-Papier werde unterstrichen, dass man das Ereignis nicht "konfessionell verengt" feiern wolle. Im Gespräch zwischen EKD und der katholischen Deutschen Bischofskonferenz gebe es bereits konkrete Überlegungen für 2017. Die gegenseitigen Verurteilungen dürften dabei nicht verschwiegen werden, sagte der Theologe. Die "Bitte um gegenseitige Vergebung" stehe allen Konfessionen gut an.

Als "bedauerlich" bezeichnete der Landesbischof Forderungen aus der katholischen Kirche, als Reaktion auf das Papier alle Einladungen zur gemeinsamen Feier des Reformationsjubiläums zurückzuweisen. Entsprechend hatte sich der Leiter des Paderborner Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik, Wolfgang Thönissen, geäußert. Dessen Urteil gehe zu hart mit dem Text um und übersehe die Zielsetzung einer innerprotestantischen Verständigung sowie eines nicht konfessionell verengten Reformationsgedenkens, sagte Manzke.

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