Evangelisches Chorfest: "Lobe den Herren" auf allen Plätzen

Leipziger Chorfest

Foto: Luise Poschmann

Dorothea (links) und Julia (rechts) - auch sie sangen auf dem Leipziger Marktplatz mit.

Deutschland spricht 2019
Evangelisches Chorfest: "Lobe den Herren" auf allen Plätzen
Das gemeinsame Singen ist ein fester Bestandteil der evangelischen Gemeinde. Wie das über die heimische Kirche hinaus klingen kann, haben die Teilnehmer des Deutschen Evangelischen Chorfestes am Wochenende in Leipzig erfahren können. Und auch wenn nicht jede Note immer sofort sitzt: Das Gefühl, Teil einer Glaubens- und Musikgemeinschaft zu sein, bleibt.

Ihr Liederheft hat Susann Otto erst seit wenigen Stunden, doch nun lässt sie es nicht mehr los. Eifrig blättert die 25-Jährige zwischen den Stücken umher, um sich schnell noch die wichtigsten Noten und Textpassagen einzuprägen. "Ich habe nur ganz spontan noch das Wochenende frei bekommen", erklärt die Altenpflegerin aus dem sächsischen Nünchritz und erzählt, dass sie sich kurzerhand der Reise ihres Gemeindechors angeschlossen hat. Ziel: Das Deutsche Evangelische Chorfest in Leipzig.

Am Wochenende haben sich dort unter dem Motto "Hier stehe ich…" rund 300 zumeist evangelische Chöre aus der gesamten Bundesrepublik getroffen, wobei die Teilnehmer aus Mitteldeutschland überwogen. Nach Angaben der Veranstalter war dies eine in der Geschichte bislang einzigartige Zusammenkunft, seit mindestens 100 Jahren soll es ein solches evangelisches Chorfest nicht mehr gegeben haben. Rund 6.000 Sänger nahmen laut Landeskirchenamt an den verschiedenen Workshops und Konzerten teil, zusammen mit dem parallel stattfindenden Landeskirchentag konnte die Stadt etwa 9.500 Besucher begrüßen.

"Alt - aber nicht, wie du denkst"

So sind auch die wenigen Bierbänke vor der Bühne mitten auf dem Leipziger Marktplatz voll, die Menschen stehen dicht gedrängt. Das Chorfest startet am Samstagmittag – wie wäre es auch anders möglich – mit Gesang unter freiem Himmel. Es erklingen Klassiker wie "Lobe den Herren" von Johann Sebastian Bach oder "Geh aus mein Herz und suche Freud" von Paul Gerhard, ebenso wie modernere Stücke und ein Kanon in englischer Sprache. Dirigiert wird die Menge vom Berliner Domkantor Tobias Brommann. Und es zeigt sich, dass es nicht einfach ist, Tausende Menschen im Takt zu halten. "Sie haben zwei Augen: Eins für die Noten und eins für mich", tadelt der Dirigent sofort mit einem Lachen. "Ich glaube, das machen wir gleich nochmal", fügt er hinzu.

Simone Schneider (links) und Susann Otto (rechts)

Das gemeinsame Singen war der Hauptgrund für die meisten Teilnehmer, zum Chorfest nach Leipzig zu kommen. Nur wenige haben sich allein auf die Reise gemacht. Den Erzählungen nach haben die Kantoren oft Fahrgemeinschaften organisiert und die Lieder zuvor einstudieren lassen. Die Freude am Singen ist allen anzumerken, manch einer trägt sie auch offen zutage. "Alt – Aber nicht, wie du denkst" steht auf dem T-Shirt von Simone Schneider, das die 48-Jährige als Anspielung auf ihre Stimmlage trägt.

Die unterschiedlichen Workshops sind begehrt und haben viel zu bieten: Singen mit ehemaligen Mitgliedern des traditionsreichen Leipziger Thomanerchors ist ebenso möglich wie das Einstudieren einer Bach-Kantate oder das Erlernen von Improvisationstechniken im Chorgesang. Am Samstagabend verwandelt sich dann die ganze Stadt trotz eher regnerischen Wetters in eine Bühne. Zahllose Konzerte von bekannten und eher unbekannten Ensembles erklingen in Kirchen und auf Plätzen. Unter dem Motto "StadtKlang" treten mehrere Bands unter freiem Himmel in der Innenstadt auf, darunter auch Sänger und Songschreiber Max Prosa sowie die Akustik-Rockband "Stilbruch".

Singen tut der Seele gut

Auch an prominenter Unterstützung für das Chorfest fehlt es nicht. Für Theologin Margot Käßmann ist das Singen ein bedeutsames Kulturgut, um das sie sich allerdings auch Sorgen macht. Es sei "sehr verarmt, in Deutschland miteinander zu singen", erklärt sie auf einer Podiumsdiskussion nach Eröffnung des Chorfestes. Sie freue sich sehr, dass die Menschen beim Chorfest öffentlich und sichtbar in der ganzen Stadt sängen. Doch im Alltag müsse es dabei gar nicht auf die Qualität ankommen – schließlich sei erwiesen, dass selbst "schiefes Singen" körperlich und seelisch gut tue, meint sie. Käßmann ermutigt die Zuhörer, das Kulturgut zu pflegen – nicht nur in Kindergärten und Schulen, sondern in der Familie, über Generationen hinweg.

Bei der 17 Jahre alten Dorothea aus Dresden wird noch fast jeden Tag gesungen, oft zum Essen oder zum Abend. Sie ist gemeinsam mit ihrer Freundin Julia nach Leipzig gekommen und sicherlich eine der jüngsten Teilnehmerinnen am Chorfest. "Ich bin mit Gesang aufgewachsen", sagt Dorothea. Von dem Chorfest erhoffe sie sich in erster Linie viel Spaß und ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

Eben jenes findet seinen Höhepunkt schließlich beim gemeinsamen Abschlussgottesdienst von Landeskirchentag und Chorfest am Sonntag im Leipziger Stadion. Rund 9.000 Menschen sind gekommen und trotzen dem steten Nieselregen. Gemeindelieder und Chorstücke wechseln sich innerhalb des Gottesdienstes ab oder ergänzen sich, auch der Thomanerchor ist mit dabei. Auch wenn die Chöre wegen fehlender Verstärker nicht so sehr hervorstechen wie die Thomaner, ist das Gefühl dabei zu sein für viele Sänger überwältigend. "So schön", sagt die 65-jährige Jutta Wagner aus Celle. "Wir stehen hier einfach… und singen!"

Der evangelisch.de-Jahreskalender für Gemeinden

Nach dem Chrofest ist vor dem nächsten Fest. Hier können Sie sich wichtige Termine 2014 anschauen, die vielleicht auch Sie in diesem Jahr bewegen. Der Kalender ist eine Planungshilfe von evangelisch.de und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Grafik ist interaktiv:

 

Außerdem können Sie sich die Grafik herunterladen, ausdrucken und an die Wand hängen.

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