Jugendmediziner beklagt schlechte Betreuungsstrukturen für Jungen

Jugendmediziner beklagt schlechte Betreuungsstrukturen für Jungen
Jungen werden nach Expertenansicht im Gesundheitssystem benachteiligt.

"Die Betreuungsstrukturen im Gesundheitssystem sind für Jungen deutlich schlechter als für Mädchen", sagte der Jugendmediziner und Buchautor Bernhard Stier dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bis zur Pubertät gingen Jungen und Mädchen zum Kinderarzt, danach die Mädchen zum Frauenarzt. "Aber die Jungen wissen nicht, wo sie hinsollen".

Es gebe nur wenige Andrologen - Ärzte, die sich mit den männlichen Fortpflanzungsorganen befassen, kritisierte der Kinder- und Jugendarzt aus dem hessischen Butzbach. Auch stehe das "Bild von Männlichkeit" in der Gesellschaft den Arztbesuchen entgegen: Der Mann gelte als "per se gesund". "Kranksein passt nicht zur Männlichkeit."

ADHS wird häufiger bei Jungen disgnostiziert

Frauen lebten im Durchschnitt fünf Jahre länger als Männer, sagte Stier. "Wenn Männer sich mehr um ihre Gesundheit kümmern würden, wäre es besser um sie bestellt." Im Mittelalter seien Mönche und Nonnen gleich alt geworden. Heutzutage sorgten oft die Frauen dafür, dass ihre Männer zum Arzt gehen. "Das geht im Kleinkindalter los: Mama geht mit dem Kind zum Arzt."

Wichtig seien bessere Versorgungsstrukturen für Jungen, und die Jungen müssten das Gesundheitssystem besser in Anspruch nehmen. Auch in den "medizinischen Köpfen" existiere "noch viel Nicht-Wissen über jungenmedizinische Fragestellungen", erklärte der Referent.

Die Aufmerksamkeitsstörung ADHS wird nach Stiers Worten zu zwei Dritteln bei Jungen diagnostiziert. Dabei gebe es viele falsche Diagnosen. Häufig spiele Bewegungsunruhe eine Rolle. "Jungen sind und müssen bewegungsfreudiger sein als Mädchen." Doch würden Jungs schnell als "überaktiv" eingeordnet. Stier forderte neue Bewegungsräume, denn die alten seien zubetoniert: Jungen hätten keine Möglichkeiten zu rangeln oder Abenteuer zu erleben. "Dann gehen sie an den Computer und machen dort das, was sie draußen machen würden."

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