Solidaritätswelle nach Nürnberger Kirchenbrand

Solidaritätswelle nach Nürnberger Kirchenbrand
Nach dem schweren Brand in der evangelisch-reformierten Marthakirche in der Nürnberger Innenstadt gibt es eine Welle der Solidarität mit der betroffenen Gemeinde. Pfarrer Dieter Krabbe erhielt am Tag nach dem Brand unzählige E-Mails und Anrufe, wie der Geistliche dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Nürnberg sagte.

Bei dem Feuer in der Nacht zum Donnerstag war die rund 650 Jahre alte Kirche bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die Ursache ist ungeklärt. Verletzt wurde niemand.

"Es sieht aus wie auf den Bildern nach dem Krieg", sagte Krabbe. Alle Balken des historischen Dachstuhls sind verkohlt und in das Innere der Kirche gestürzt. Der Löschschaum bedeckte noch Stunden nach dem Unglück den Innenhof der Kirche mit großen einem weißen Teppich. Zwei der drei Glocken, die im Dachstuhl standen, sind abgestürzt, die Orgel ist völlig verkohlt.

Pfingstkollekte für die Marthagemeinde

Ob die Straßenfassade des Gotteshauses einsturzgefährdet sei und abgerissen werden müsse, sei unklar, sagte Krabbe. Der Brand war gegen 1.30 Uhr entdeckt worden, wie die Polizei mitteilte. Wegen der starken Rauchentwicklung mussten mehrere Anwohner evakuiert werden. Rund 80 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Noch während der Löscharbeiten habe ihm in den Morgenstunden ein unbekannter Passant fünf 100-Euro-Scheine für den Wiederaufbau in die Hand gedrückt, schilderte der Geistliche.

Die örtliche Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) lud für Donnerstagabend zu einem Solidaritätsgottesdienst ein. Die Feier sollte um 18 Uhr in der nahen Sankt-Klara-Kirche stattfinden. Das evangelische Dekanat Nürnberg rief seine Gemeinden auf, ihre Pfingstkollekte der Marthagemeinde zur Verfügung zu stellen. Der katholische Stadtdekan Hubertus Förster bat die etwa 45 katholischen Gemeinden, die Kollekten am 21. und 22. Juni ebenfalls für Sankt Martha zu geben.

Die evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern kam am Donnerstag zum Unglücksort. Sie habe noch den Rauch und eine "verwüstete Kirche" gesehen, wie sie schilderte. Sie habe in dieser Kirche überall schon gestanden, am Altar, auf der Kanzel. Daher sei die Vorstellung bestürzend, dass dies alles zerstört sei. Auch Hann von Weyhern sagte der reformierten Gemeinde mit ihren 1.400 Mitgliedern Unterstützung zu.

Die Kirche hatte bei dem Feuer noch Glück im Unglück, wie Pfarrer Krabbe schilderte: Die Inneneinrichtung war in den vergangenen Wochen wegen geplanter Sanierungsarbeiten weitgehend entfernt worden. Auch die einzigartigen Glasfenster aus den Jahren 1390 bis 1410 seien gerettet. Der Altar, der in Gerüste eingepackt war, hat Brandspuren abbekommen. "Das werden wir aber so lassen", so Krabbe, "um die nachfolgenden Generationen an diesen schrecklichen Tag zu erinnern".

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