WM in Brasilien: Aids-Aufklärung mit dem Fußball

Mit dem Fußball gegen Aids

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Die Fußball-WM in Brasilien wird begleitet von einer Anti-Aids-Kampagne.

WM in Brasilien: Aids-Aufklärung mit dem Fußball
Südafrika 2010, Brasilien 2014 - die Fußball-WM findet in diesem Jahr wieder in einem Land statt, in dem Aids ein großes Problem ist. Fußballstars nutzen ihre Bekanntheit, um auf die Gefahren der Immunschwäche aufmerksam zu machen.

In Südafrika engagierte sich Michael Ballack als Botschafter des UN-Aidsprogramms UNAIDS, in Brasilien wird Abwehr-Star David Luiz das Gesicht der Kampagne. "Ich möchte dazu beitragen, dass die Menschen sich vor Aids schützen, und diejenigen unterstützten, die bedauerlicherweise mit dem HI-Virus leben", begründet der brasilianische Nationalspieler Luiz seinen Einsatz. "Wir Fußballspieler müssen Vorbilder sein." Die UNAIDS-Kampagne in Brasilien heißt "Proteja o Gol" - "Schütze das Tor" - das Bild eines Torhüters soll illustrieren, wie wichtig es ist, sich und seinen Körper zu schützen.

Schätzungen zufolge starben 2013 in Brasilien etwa 12.000 Menschen an den Folgen von Aids, 40.000 haben sich neu mit dem HI-Virus angesteckt. Etwa eine Million Brasilianer sind HIV-positiv, viele von ihnen wissen es aber nicht, da sie sich scheuen, einen Aidstest zu machen. Insbesondere zur Karnevalszeit, wenn Millionen Menschen ausgelassen feiern, schnellen die Ansteckungszahlen in die Höhe. Es wird befürchtet, dass dies auch für die WM gilt.

"Die meisten der erwarteten 600.000 ausländischen WM-Besucher sind junge, oft unverheiratete Männer," erklärt Jarbas Barbosa, Zuständiger für Vorsorge im brasilianischen Gesundheitsministerium. In den zwölf Austragungsstädten sollen rund zwei Millionen Kondome und Info-Broschüren an die Fans verteilt werden, eine Website informiert auf englisch, französisch und spanisch über Aids und andere Gesundheitsrisiken.

Für Rosaria Piriz Rodriguez ist die Aids-Vorsorge auch jenseits großer Ereignisse Alltag. Im Armenviertel Fazenda Coutos der Großstadt Salvador sucht sie Krankenhäuser und Gesundheitsposten auf. In den oft überfüllten Wartezimmern informiert die Sozialarbeiterin über Aids-Vorsorge, spricht über Verhütung und klärt insbesondere die Frauen über ihre Rechte auf. "Unwissen und Vorurteile sind häufige Gründe für die Übertragung des HI-Virus," sagt Rodriguez.

David Luiz. Der Fußball-Star ist das Gesicht der Anti-Aids-Kampagne zur WM.

Vor allem die Jugendlichen seien unvorsichtig, glaubten oft, Aids sei inzwischen heilbar. "Ich berichte von meiner eigenen Erfahrung, den Nebenwirkungen der Medikamente und der Diskriminierung, der ich ausgesetzt war." Das sei die beste Aufklärung. Die 56-Jährige arbeitet für Gapa, eine der vielen Organisationen, die in Brasilien HIV-Infizierte unterstützen. Nachdem sie vor 15 Jahren von ihrem Lebensgefährten angesteckt wurde, wurde sie dort zur Sozialarbeiterin ausgebildet.

Gapa, das auch vom deutschen evangelischen Hilfswerk "Brot für die Welt" unterstützt wird, macht in Medienkampagnen auf die Ursachen von Aids und die weit verbreiteten Vorurteile aufmerksam.

"Ein tabufreier Umgang mit dem Thema ist wichtig, insbesondere in den Armenvierteln, wo sich viele Jugendliche und auch immer mehr junge Frauen mit dem Virus infizieren," sagt Rosa Marinho, Koordinatorin von Gapa. Entsprechend erbost reagierten Gapa und andere Aids-Gruppen auf Werbematerial der FIFA. In einer Broschüre zu Sport und Gesundheit, die der Fußball-Weltverband für brasilianische Schüler produziert hat, werden Treue und Enthaltsamkeit als beste Vorbeugung empfohlen. "Die Aids- Aufklärung über geschützten Sex ist Grundlage einer wirksamen Präventionsarbeit. Alles andere ist ein Rückschritt", betont Marinho.

Lange galt Brasiliens Aids-Politik als Vorbild für andere Länder des Südens. Statt das Thema zu tabuisieren, setzte die Regierung auf Aufklärung. Alle HIV-Infizierten haben Anrecht auf kostenlose Medikamente, wodurch die Sterblichkeitsrate deutlich gesenkt wurde. Doch die Gegner einer fortschrittliche Aids-Politik befinden sich im Aufwind. Konservative Gruppen, denen auch Homosexuelle ein Dorn im Auge sind, haben im Parlament an Einfluss gewonnen.

Vor allem evangelikale Kirchen, deren Anhänger bereits 25 Prozent der sonst zumeist katholischen Bevölkerung ausmachen, agitieren gegen die Benutzung von Kondomen. "Inzwischen gibt es immer weniger Geld für Aufklärungsarbeit. Oft werden pädagogische Broschüren von religiösen Parlamentariern gestoppt, weil sie angeblich zu offen mit dem Thema Sexualität umgehen," beklagt Rosa Marinho. Deswegen steige die Zahl der Neuinfektionen unter Jugendlichen heute wieder an.