Sozialethiker Huber rügt Heuchelei im Fall Gurlitt

Sozialethiker Huber rügt Heuchelei im Fall Gurlitt
Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, beklagt öffentliche Heuchelei im Umgang mit dem Kunstsammler Cornelius Gurlitt.

Ob der am 6. Mai gestorbene Gurlitt nun als "verschlagener Steuerhinterzieher" oder "menschenscheuer Alter" karikiert worden sei, "die Suche nach Sensation kommt zuerst, die Wahrheit danach und die Würde des Menschen zuletzt", schreibt der evangelische Sozialethiker in einem Beitrag für die Illustrierte "Bunte".

Umgekehrt wäre es besser, argumentiert Huber. "Schon zu Lebzeiten hätte Cornelius Gurlitt verdient gehabt, was erst dem Toten zuteil wird: Respekt vor seiner Würde." Auch zu Lebzeiten sollte über andere nur so geredet werden, dass man die Worte auch nach deren Tod nicht zu bedauern brauche.

Der Fall Gurlitt sorgte für eine monatelange Diskussion über seine Kunstsammlung, von der Teile unter NS-Raubkunstverdacht stehen. In seinem Testament vermachte Gurlitt seine Sammlung, die auch viele Bilder umfasst, die als verschollen galten, dem Kunstmuseum Bern.

Über den Tod Gurlitts hinaus bleibe die Pflicht, nach der Wahrheit zu fragen, schreibt Altbischof Huber. Das betreffe etwa die Frage, wie viele der Kunstwerke durch die Judenverfolgung im Nationalsozialismus in die Hände des Vaters von Gurlitt gelangt seien und wie viele davon weiterverkauft wurden. Es bleibe auch offen, ob da jemand von einem vor sieben Jahrzehnten verübten Verbrechen profitiert habe.
 

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