Die unheilige Allianz in Sri Lanka

A devotee prays in front of a statue of the Jesus at a church during a special mass on Christmas day in Colombo

Foto: REUTERS/Dinuka Liyanawatte

Die unheilige Allianz in Sri Lanka
Im multireligiösen Inselstaat werden Attacken auf Angehörige der muslimischen und christlichen Minderheit immer häufiger. Angeführt werden die Angriffe von buddhistischen Mönchen.

Es geschah am helllichten Tag und lief im Fernsehen: Eine aufgebrachte Menschenmenge stürmte eine Kirche im beliebten Touristenort Hikkaduwa an der Südküste Sri Lankas, es flogen Steine, Fensterscheiben barsten. Als die Türen aufgebrochen waren, hinter denen sich die Christen verschanzt hatten, plünderte der Mob die Kirche. Angeführt wurden die Angreifer von buddhistischen Mönchen in ihren orangefarbenen Gewändern. Polizisten schauten zu.

Angriffe auf Kirchen wie dieser im Januar werden nach Angaben der christlichen Menschenrechtsorganisation Open Doors immer häufiger. In ihrem "Weltverfolgungsindex 2014" taucht das Land erstmals seit Jahren wieder auf. Eine unrühmliche Bilanz: Es hat auf Anhieb Platz 29 unter den 50 gelisteten Ländern erreicht, direkt hinter dem großen Nachbarn Indien.

Doch die Entwicklung zeige sich schon seit Ende des Bürgerkrieges, sagt der Präsident der Methodistischen Kirche Sri Lankas, Albert Jebanesan. In dem Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen (1983-2009) wurden mindestens 100.000 Menschen getötet. Seit die Regierung am 19. Mai 2009 den Sieg verkündete, seien Kirchen und Moscheen zunehmend Ziel von Anschlägen. "Wir sind ein multiethnisches und ein multireligiöses Land, aber jetzt sieht es so aus, als wollten einige es zu einem buddhistischen Land machen."

Allen voran Regierungschef Mahinda Rajapakse, der die singhalesische Mehrheit der Bevölkerung vertritt und das Land zunehmend autoritär regiert. Während der UN-Menschenrechtsrat in Genf Ende März beschloss, eine Ermittlungskommission einzurichten, um die Kriegsverbrechen zu untersuchen, brechen neue Konflikte aus: Auf die ethnischen Auseinandersetzungen folgen jetzt religiöse.

Milder Umgang mit Extremisten

Sri Lanka versteht sich zwar als multireligiöse Demokratie, mehr als 70 Prozent der Bevölkerung sind singhalesische Buddhisten, zwölf Prozent tamilische Hindus, knapp zehn Prozent Muslime und gut sieben Prozent Christen. Die Religionsfreiheit der Minderheiten steht jedoch nur auf dem Papier. Gleichzeitig wächst der Einfluss des religiösen Fundamentalismus, für den etwa die nationalistisch-buddhistische Vereinigung Bodu Bala Sena steht. 

"Wir haben viele Fälle dokumentiert, bei denen die Angreifer gar nicht erst verhaftet oder auf Kaution wieder freigelassen wurden", kritisiert die muslimische Friedensaktivistin Shreen Saroor. Die international ausgezeichnete Menschenrechtlerin sieht darin ein weiteres Zeichen für ein autoritäres Regime, das sich gegen jede Einmischung von außen verwahrt.

"Wir sind äußerst besorgt über die offensichtliche Komplizenschaft des Staates und den Grad der Straffreiheit, den bestimmte extremistische Gruppen genießen", heißt es in einem offenen Brief, den Saroor und mehr als 100 Religionsvertreter, kritische Journalisten und Juristen unterschrieben haben. 

Friedlicher Buddhismus? 

In einem Bericht des Muslimischen Kongresses von Sri Lanka sind allein für 2013 insgesamt 241 Angriffe auf Moscheen und 69 auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen dokumentiert - nicht nur in den ehemaligen Kriegsgebieten im Norden, sondern auch im touristischen Süden. Die Liste reicht von Drohungen gegen Prediger und Gläubige bis zu Schmäh-Graffiti auf Hauswänden, Prügel und Schüssen. Viele weitere Fälle werden aus Angst gar nicht erst angezeigt.     

"Wir suchen den interreligiösen Dialog und predigen Religionsfreiheit", sagt der katholische Bischof von Anuradhapura, Norbert Andradi. In dessen Diözese im nördlichen Zentrum Sri Lankas soll unter dem berühmten Bodhibaum einst Buddha zur Erleuchtung gefunden haben. Pilger aus aller Welt kommen zu Besuch. "Aber in jüngster Zeit hat sich eine Kultur der Straflosigkeit und Rechtsunsicherheit entwickelt."

Was das bedeutet, hat auch die methodistische Kirche erlebt, die im Sommer ihr 200-jähriges Bestehen feiert. Ein geplanter Erweiterungsbau in der Provinzstadt Buttala wurde kurz vor der Fertigstellung gestoppt, obwohl alle Genehmigungen vorlagen, wie Albert Jebanesan erzählt. Auch hier waren buddhistische Mönche an den Protesten beteiligt, ohne dass die Polizei interveniert hätte. "Es ist nur ein Teil des Buddhismus, der ihn jetzt als gewalttätige Religion erscheinen lässt", sagt Jebanesan. "Aber für mich ist all das völlig gegen die buddhistische Lehre."