Menschenrechtlerin besorgt über Einführung der Scharia in Indonesien

Menschenrechtlerin besorgt über Einführung der Scharia in Indonesien
Menschenrechtler beklagen eine schleichende Einführung der Scharia in Indonesien.

Die Anwendung des islamischen Rechts verstoße gegen die Verfassung des südostasiatischen Landes und untergrabe die Religionsfreiheit, sagte Basilisa Dengen, Geschäftsführerin der Organisation "Watch Indonesia!", in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Besonders problematisch sei die Situation in der einstigen Bürgerkriegs- und Tsunami-Provinz Aceh. Dort sei die Scharia vor drei Monaten sogar verstärkt worden.


Islamische Parteien gewinnen in Indonesien an Boden. Im neuen Parlament kommen sie zusammen auf etwa 30 Prozent der Sitze. Ihr Einfluss auf die Politik sei aber größer, sagte Dengen. So verfolge in Aceh auch die einst säkulare Unabhängigkeitsbewegung GAM, die heute die Provinz regiert, einen Islamisierungskurs: "Es gibt öffentliche Auspeitschungen, Frauen werden zum Tragen des Kopftuchs gezwungen."

Indonesien ist kein Gottesstaat, sondern bekennt sich zur Religionsfreiheit. Das Strafrecht unterliegt keinen religionsgebundenen Vorgaben. Dennoch schreite die Zentralregierung nicht gegen die Scharia in Aceh und anderen Regionen ein, kritisierte Dengen: "Der Staat hat aber die Pflicht, die Religionsfreiheit zu schützen." In Aceh komme es zu Übergriffen auf Punks, sie würden zum Haareschneiden und zu Trainings in militärischem Drill gezwungen. Die Scharia-Polizei suche in Hotels auch nach unverheirateten Paaren, Homosexuellen und Alkoholtrinkern, um sie zu bestrafen.

"Das ist ein Rückschlag in der Entwicklung der Demokratie in Indonesien," sagte die 30-jährige Politologin. Die Scharia sei ein Machtinstrument, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Bei korrupten Politikern und Beamten werde sie nicht angewandt. Aceh an der Nordwestspitze der Insel Sumatra wurde vom Tsunami Ende Dezember 2004 besonders schwer getroffen. Dort kamen mindestens 170.000 Menschen ums Leben.

Auch andernorts in Indonesien hätten Bezirke und Kommunen die Scharia eingeführt. "Das ist eine der Folgen der Dezentralisierung," erläuterte Dengen. Die Islamisierung verschlimmere das Klima der religiösen Intoleranz. Angriffe auf Kirchen und auf die islamische Strömung der Ahmadiyyah nähmen zu. In Indonesien sind fast 90 Prozent der 250 Millionen Einwohner Muslime. Rund zehn Prozent sind Christen, zumeist Protestanten.

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