Brunei führt ab 1. Mai die Scharia ein

Brunei führt ab 1. Mai die Scharia ein
Im südostasiatischen Sultanat Brunei gilt ab dem 1. Mai die Scharia.

Das islamische Strafrecht solle über einen Zeitraum von drei Jahren schrittweise eingeführt werden, wurde Sultan Hassanal Bolkiah in der Online-Ausgabe der "Brunei Times" am Mittwoch zitiert. Eigentlich sollte die Einführung des neuen gesetzlichen Regelwerks bereits in der zweiten Aprilhälfte beginnen, war dann aber verschoben worden. Gemäß der Scharia kann Ehebruch mit Steinigung, Diebstahl mit dem Abhacken von Gliedmaßen und Alkoholkonsum mit Auspeitschen bestraft werden.


Menschenrechtsorganisationen verurteilten die Ankündigung scharf: "Für die Menschenrechte in dem Land bedeutet diese Entscheidung einen riesigen Schritt rückwärts", kritisierte Phil Robertson, der stellvertretender Asien-Direktor von "Human Rights Watch". Der Beschluss sei ein autoritärer Schritt hin in Richtung einer brutalen, mittelalterlichen Form der Bestrafung, die im modernen 21. Jahrhundert keinen Platz habe.

Auch das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte zeigte sich zutiefst besorgt und drängte Brunei dazu, die Einführung der Scharia zu überdenken. Strafmaßnahmen wie etwa Steinigungen seien keineswegs mit internationalem Recht vereinbar. Zuvor hatte der Sultan seine rund 400.000 Landsleute dazu aufgefordert, die Scharia zu unterstützen und ausländischen Kritikern keine Beachtung zu schenken: "Dies ist die Zeit für das Land, seine Einheit zu zeigen."

Der 67-jährige Bolkiah ist absoluter Monarch, Staatsoberhaupt sowie Premierminister, Finanz- und Verteidigungsminister in Personalunion und gilt als einer der reichsten Männer der Welt. Über Brunei herrscht er seit 1967. In dem kleinen, ressourcenreichen Staat an der Nordwestküste der Insel Borneo ist der Islam Staatsreligion. Fast 70 Prozent der Einwohner sind Muslime, 23 Prozent Buddhisten und etwa zehn Prozent Christen.

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