Erneut Ausschreitungen in Rio de Janeiro

Erneut Ausschreitungen in Rio de Janeiro
Bei Protesten gegen Polizeigewalt ist es am Donnerstag (Ortszeit) in Rio de Janeiro erneut zu Zusammenstößen gekommen.

Nach der Beisetzung des getöteten Tänzers Douglas Rafael Pereira blockierten mehrere hundert Demonstranten Straßen und warfen Steine. Die Polizei setzte Tränengas und Pfefferspray ein. Der ungeklärte Tod Pereiras in einem Armenviertel hatte bereits am Dienstag zu heftigen Straßenschlachten mit einem weiteren Todesopfer geführt. Angehörige machen die Polizei für den Tod Pereiras verantwortlich.

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Das Begräbnis des Tänzers geriet zu einer Protestveranstaltung gegen die Gewalt von Polizisten in den Armenvierteln der Stadt. Die aufgebrachte Menge forderte Gerechtigkeit und beschimpfte die massiv präsente Polizei als "Mörder", wie die amtliche Nachrichtenagentur "Agência Brasil" meldete. Auch der Ruf "Es wird keine WM geben" war zu hören.

Pereiras Mutter Maria de Fátima da Silva erklärte, sie werde sich zur Aufklärung des Todes ihres Sohnes an die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wenden. Die sogenannte Befriedungspolizei, mit der die Favelas vor der Fußball-Weltmeisterschaft (12. Juni - 13. Juli) unter Kontrolle gebracht werden sollen, bezeichnete sie als "Farce". Fátima da Silva warf den Beamten vor, ihren Sohn zu Tode geprügelt zu haben.

Die Untersuchung des Todes von Pereira dauert noch an. José Beltrame, Rios Staatssekretär für Sicherheit, schloss nicht aus, dass Polizisten für den Tod verantwortlich sind. Die Leiche des Tänzers war nach einem Polizeieinsatz in einer Schule in der Favela Pavão-Pavãozinho im Stadtteil Copacabana gefunden worden.

Das anfänglich viel gelobte Befriedungsprogramm der Polizei in den Elendsvierteln ist inzwischen hoch umstritten. Bewohner und Menschenrechtler kritisieren eine Militarisierung der Favelas und das oft gewalttätige Vorgehen der Beamten. Die zahlreichen Todesopfer bei Polizeieinsätzen werden von der Regierung mit dem Kampf gegen Drogenhändler gerechtfertigt.