Odenwaldschule: Keine sexuellen Übergriffe durch gekündigten Lehrer

Odenwaldschule: Keine sexuellen Übergriffe durch gekündigten Lehrer
Die Darmstädter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen inzwischen entlassenen Lehrer der Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim ausschließlich wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie. Es gebe keinerlei Hinweise auf einen sexuellen Missbrauch, sagte eine Sprecherin der Justizbehörde am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Sie bestätigte, dass die Wohnung des Mannes am 9. April nach einem Hinweis aus Australien durchsucht wurde. Dabei sei umfangreiches Material beschlagnahmt worden, darunter ein Computer, Datenträger, ein Laptop und ein Mobiltelefon. Die Auswertung des komplexen Materials werde einige Zeit in Anspruch nehmen und könne bis zu sechs Monaten dauern, sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde.

Bis dahin gelte wie bei Ermittlungsverfahren üblich weiter die Unschuldsvermutung. Bei der Durchsuchung sei kein sonstiges Material gefunden wurde, das den Lehrer belasten würde, sagte die Sprecherin. Er selbst habe bislang keine Aussage zur Sache gemacht.

Ehemalige Schüler verlangten Schließung der Reformschule

Auch die Odenwaldschule teilte mit, der Lehrer habe nach derzeitigem Stand keine Kinder sexuell missbraucht. Diese Einschätzung beruhe auf Rückmeldungen von Schülern, externen Ombudsleuten und der Präventionsbeauftragten der Schule, sagte die Pressesprecherin des Internates, Gertrud Ohling von Haken.

Sollten sich nach den Osterferien weitere Verdachtsmomente ergeben, würden die Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet. An der reformpädagogischen Internatsschule war kurz vor Ostern ein Lehrer wegen des Verdachts auf Kinderpornografie fristlos gekündigt worden, nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft in seiner Wohnung auf dem Internatsgelände diverse elektronische Datenträger und persönliches Material sichergestellt hatten. Daraufhin verlangten am Osterwochenende zwei ehemalige Schüler, die in den 1970er und 1980er in der Reformschule sexuell missbraucht worden waren, die Schließung der Einrichtung.

Die Präventionsbeauftragte des Trägervereins der Schule, Regina Bappert, wies dies zurück. Die Forderung, Einrichtungen zu schließen, in denen Missbrauch aufgedeckt wurde, helfe ausschließlich den Tätern. Es sei für diese sehr leicht, Opfer von Übergriffen zum Schweigen zu bringen, indem sie ihnen drohten, wenn sie sich offenbarten, würde ihre Schule, ihr Sportverein oder ihre Jugendeinrichtung geschlossen.

Erst im März hatte die Schule einen neuen Anlauf zur Aufklärung des jahrzehntelangen sexuellen Missbrauchs von Schülern durch Lehrer unternommen und Wissenschaftler aus Rostock und München mit der Aufarbeitung betraut. Die Wissenschaftler sollen ab Mai untersuchen, wie es zu den Übergriffen kam und wie diese trotz Bekanntwerden 1999 erneut verdrängt werden konnten.

An der Schule wurden nach einem im Dezember 2010 vorgestellten vorläufigen Abschlussbericht in den Jahren zwischen 1965 und 1998 insgesamt 115 Jungen und 17 Mädchen Opfer von sexuellem Missbrauch. Die Verbrechen wurden erst im Frühjahr 2010 grundlegend aufgedeckt. Der Bericht führt als Täter 13 Lehrer und Mitarbeiter, eine Lehrerin und vier Mitschüler auf.

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