Umwelt-Expertin: Bund muss Länder bei Energiezielen in die Pflicht nehmen

Umwelt-Expertin: Bund muss Länder bei Energiezielen in die Pflicht nehmen
Die Projektleiterin am Berliner Forschungszentrum für Umweltpolitik, Dörte Ohlhorst, hat die Bundesregierung aufgefordert, bei der Umsetzung der Ziele zum Ausbau der Erneuerbaren Energien die Länder stärker in die Pflicht zu nehmen.

Wenn alle Länderziele umgesetzt würden, dann hätte man bis 2020 mehr erneuerbare Energien im Netz als die vom Bund angestrebt“en 35 Prozent, sagte Ohlhorst dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Umwelt-Expertin betonte, die meisten Bundesländer hätten in ihren Energiekonzepten ehrgeizige Ziele festgelegt, mit denen sie innerhalb ihrer Region den Ausbau der Erneuerbaren Energien stark vorantreiben wollen. Viele gehen dabei deutlich über das Bundesziel hinaus, einige Bundesländer streben eine fast vollständige Stromversorgung über Wind, Sonne oder Biomasse bis 2030 an.

###mehr-artikel###

Der Bund müsse die Länder immer wieder daran erinnern, die Verantwortung für das Stromversorgungssystem als Ganzes nicht aus dem Blick zu verlieren, unterstrich die Wissenschaftlerin. Als Beispiele nannte Ohlhorst die Länder Bayern oder auch Schleswig-Holstein. Bayern strebt "Autarkie" in der Energieversorgung an und in Schleswig Holstein soll laut Landesenergiekonzept in den kommenden Jahren das Dreifache des eigenen Bedarfs aus Erneuerbaren Energien kommen.

Um die Energiewende auch den Bürgern plausibel zu machen, müsse die Bundesregierung ein schlüssiges Konzept vorlegen, hob Ohlhorst hervor. ""Noch beginnt Bürgerbeteiligung häufig erst dann, wenn wichtige Entscheidungen längst gefallen sind und es keine echten Alternativen mehr gibt. Das frustriert die Bürger.""

Die Gründe für Proteste gegen Windkraftanlagen, Stromtrassen oder Kraftwerke wurzelten oft in einer fehlenden Informationspolitik oder zu wenig Beteiligungsmöglichkeiten. "Wenn gleichzeitig mit den Erneuerbaren Energien auch Kohlekraftwerke gebaut werden, stellen die Menschen natürlich Fragen", sagte Ohlhorst. Bürgerproteste könnten auch ein Korrektiv sein.

Mit Blick auf die Diskussion um Gasimporte aus Russland, betonte Ohlhorst: ""Wenn wir die Energiewende konsequent weiter verfolgen, machen wir uns auch unabhängiger von Importen."" Insgesamt benötige man weniger fossile Energie, wenn man den Ausbau der Erneuerbaren wie geplant unterstütze. Das Bundeskabinett wollte am Dienstag die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verabschieden.