Papst empfängt Obama - Audienz dauerte 50 Minuten

Papst empfängt Obama - Audienz dauerte 50 Minuten
Papst Franziskus hat am Donnerstag US-Präsident Barack Obama in Audienz empfangen. Die erste Begegnung zwischen dem amerikanischen Präsidenten und dem Kirchenoberhaupt war von einem massiven Sicherheitsaufgebot begleitet. Mit rund 50 Minuten dauerte die Begegnung in der Bibliothek des Papstes im Apostolischen Palast ungewöhnlich lange.

Bei der Begegnung in freundschaftlicher Atmosphäre hätten beide Seiten im Hinblick auf internationale Konflikte die Achtung des Völkerrechts und des humanitären Rechts gefordert, teilte der Vatikan in einer offiziellen Erklärung mit. Obama und seine Gesprächspartner im Vatikan, darunter Kardinalstaatssekretär Pietro Parolen, hätten sich darüber hinaus für Verhandlungslösungen in aktuellen Konflikten ausgesprochen.

Im Hinblick auf die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in den USA sei es um die Religionsfreiheit und Gewissensentscheidungen gegangen, hieß es im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen den Behörden und katholischen Gesundheitseinrichtungen, die nach geltendem Recht in den  USA verpflichtet sind, Abtreibungen vorzunehmen. Thema der Gespräche war den Angaben zufolge überdies die Reform des Einwanderungsrechts in den USA und der Kampf gegen moderne Formen von Sklaverei.

Obama dankte dem Papst ausdrücklich für die Audienz. Er sei ein "großer Verehrer", betonte der US-Präsident bei der Begegnung. Er überbrachte Franziskus Grüße seiner Familie und wies darauf hin, er habe bei der Begegnung mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. seine Frau und seine beiden Töchter mitbringen können. "Beten Sie für meine Familie und mich, denn sie müssen es mit mir aushalten", fügte er hinzu.

Gastgeschenk: Samen für Gärten

Der US-Präsident schenkte dem Papst anlässlich der Öffnung der Gärten der Papstresidenz in Castel Gandolfo bei Rom Samen aus den Gärten des Weißen Hauses. Daraus könnten mehrere Tonnen Obst und Gemüse produziert werden, erläuterte er. "Wenn Sie ins Weiße Haus kommen, können Sie den Garten sehen", sagte der US-Präsident zu dem Geschenk. "Und ob!", gab der Papst zurück.

Das Kirchenoberhaupt machte seinem Gast Vatikanmünzen und seine Enzyklika "Evangelii Gaudium" (Freude des Evangeliums) zum Geschenk.  "Ich werde sie wahrscheinlich im Oval Office lesen, wenn ich tief frustriert bin, und ich bin mir sicher, dass sie mir Kraft geben und mich beruhigen wird", sagte Obama, als der Papst ihm die Bedeutung des Geschenks erläutert hatte. Unter Anspielung auf die förmliche Umgebung äußerte Obama die Einschätzung: "Sie sind vermutlich der Einzige, der noch mehr Protokoll ertragen muss als ich."

Nach der Papstaudienz standen für Obama Begegnungen mit dem italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano und Ministerpräsident Matteo Renzi auf dem Programm. Am Nachmittag wollte er das Kolosseum besuchen. Das römische Amphitheater blieb aus diesem Anlass einen Tag lang für Besucher geschlossen.

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