Bischof July fordert revidierten Bildungsplan in Baden-Württemberg

Bischof July fordert revidierten Bildungsplan in Baden-Württemberg
Der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July fordert von der grün-roten Landesregierung eine Überarbeitung des Bildungsplans und eine stärkere Berücksichtigung des christlichen Menschenbildes.

"Dieser Referenzrahmen des christlichen Menschenbildes oder eine Anthropologie, die sich auf biblische Einsichten bezieht, müssen im neuen Bildungsplan erkennbar sein", sagte July der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe).

Der Landesbischof wandte sich explizit gegen Bestrebungen der Landesregierung sowie anderer politischer Ebenen, Geschlechtertheorien ungeprüft und ohne eine breite gesellschaftliche Diskussion zur Grundlage politischer Entscheidungen zu machen. Über das Verhältnis von sozialem und biologischem Geschlecht müsse sehr sorgfältig diskutiert werden, es müsse aber gefragt werden, welche Theorie richtig und welche falsch sei. "Das kann man diskutieren, aber man sollte es nicht über Nacht als gefestigtes Theoriemodell in einen Bildungsplan einführen", sagte der evangelische Theologe.

Der Entwurf zum baden-württembergischen Bildungsplan 2015 sieht vor, dass in Schulen künftig für die "Akzeptanz sexueller Vielfalt" geworben wird. Dabei sollen Themen wie Homosexualität, Bi- und Transsexualität im Unterricht intensiver und fächerübergreifend behandelt werden.

Landesregierung will Bildungsplan überarbeiten

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte Anfang März Korrekturen am Bildungsplan angekündigt. Das Arbeitspapier könne in seinem jetzigen Zustand den Eindruck erwecken, in der Schule werde künftig nur noch über Sex geredet, sagte er. Zugleich wies er Vorwürfe gegen die Landesregierung zurück, sie wolle Schüler moralisch umerziehen oder betreibe "Gesinnungsterrorismus".

Kultusminister Andreas Stoch (SPD) kündigte vor wenigen Tagen eine Überarbeitung des Arbeitspapiers zur Rolle des Themas "sexuelle Vielfalt" im künftigen Bildungsplan an und räumte ein, dass die schon 2012 verfassten fünf Leitprinzipien ("Bildung für nachhaltige Entwicklung", "Medienbildung", "Verbraucherbildung", "Prävention und Gesundheitsförderung" sowie "Berufliche Orientierung") noch nicht richtig zusammen passten.

Der Streit am Bildungsplan entzündet sich am Thema "Akzeptanz sexueller Vielfalt", das künftig im Unterricht fächerübergreifend und intensiver als bisher behandelt werden soll. Kritik an dem Vorhaben kam insbesondere aus den Reihen konservativer Protestanten. Kretschmann wird sich am 27. März mit Vertretern der Evangelikalen treffen.

Mit Blick auf die Kontroverse über Ehe und Familie in der evangelischen Kirche selbst sagte Landesbischof July, ihm sei der "Stellenwert der Ehe als Institution wichtig". July lobte, dass das umstrittene EKD-Familienpapier, das er als erster Bischof kritisiert hatte, "nun theologisch nachgearbeitet wird." Das sei "der richtige Weg".
 

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