Bundesregierung uneins über offizielle Reise zu Paralympics

Paralympics 2014

Foto: dpa/Marius Becker

Bundesregierung uneins über offizielle Reise zu Paralympics
Unmittelbar vor dem Start der Paralympics scheint die Bundesregierung gespalten bei der Frage, ob ein Besuch der Winterspiele im russischen Sotschi angebracht ist.

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, kündigte am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin" an, sie werde nicht fahren. Eine Sprecherin Benteles bestätigte dem epd, dass das Auswärtige Amt am Mittwochabend einen entsprechenden Beschluss an die Teilnehmer der offiziellen Delegation verschickt habe. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Ole Schröder (CDU), hält dagegen laut Medienberichten an seinen Reiseplänen fest.

Der Tageszeitung "Die Welt" (Onlineausgabe) sagte ein Ministeriumssprecher: "Woher Frau Bentele ihre Informationen hat, wissen wir nicht." Nach gegenwärtigem Stand reise Schröder zu den Paralympics. Die Winterspiele der körperlich behinderten Sportler beginnen an diesem Freitag.

Indes geht aber auch der Deutsche Behindertensportverband davon aus, dass keine offiziellen Vertreter Deutschlands zu den Spielen kommen. "Wir bedauern die politische Entscheidung, dass keine Politiker und keine hohen Beamten aus Berlin als Zuschauer zu den Paralympics nach Sotschi reisen", sagte Verbandspräsident Friedhelm Julius Beucher am Donnerstag dem epd. Die Absage Benteles, die als blinde Biathletin in der Vergangenheit zwölf Goldmedaillen bei den Paralympics holte, sei "besonders schade", sagte Beucher.

"Ein Boykott ist das falsche Mittel"

Gleichzeitig habe er Verständnis für die politischen Entscheidungen, "die allerdings Russland betreffen und nicht die Paralympischen Spiele", ergänzte Beucher. Aus Deutschland nehmen 13 Athleten an den Wettkämpfen teil. Sie sind bereits in Sotschi.

Die SPD kritisierte einen eventuellen Paralympics-Boykott. Die Sportpolitiker Michaela Engelmeier-Heite und Matthias Schmidt bezeichneten ihn in einer gemeinsamen Mitteilung als "falsches Mittel". "Der Sport steht nicht außen vor, sondern ist Teil der Politk", sagten Engelmeier-Heite und Schmidt. "Ein Boykott ist das falsche Mittel, denn er trifft am härtesten die Sportler." Es dürfe nicht sein, dass politische Krisen auf dem Rücken der Athleten ausgetragen werden. Schmidt will vor Ort Gespräche mit Sportlern sowie Vertretern aus Politik und von Menschenrechtsorganisationen führen.

Zuvor hatten die Grünen angesichts der Eskalation auf der Krim an die Bundesregierung appelliert, auf Besuche bei den Paralympics in Sotschi zu verzichten. Die US-Regierung und die britische Regierung hatten angekündigt, dass Regierungsmitglieder die Spiele nicht besuchen werden. Der russische Schwarzmeerort Sotschi liegt nur 450 Kilometer von der ukrainischen Halbinsel Krim entfernt, die zum Schauplatz eines offenen russisch-ukrainischen Konfliktes geworden ist.
 

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