Zuwanderungsdebatte: Bischof in Rumänien wirbt für mehr Sachlichkeit

Zuwanderungsdebatte: Bischof in Rumänien wirbt für mehr Sachlichkeit
Reinhart Guib, Bischof der deutschsprachigen lutherischen Kirche in Rumänien, wirbt in der Zuwanderungsdebatte für mehr Sachlichkeit.
Deutschland spricht 2019

Die Aussage "Wer betrügt, der fliegt" sei verletzend und kränkend, sagte der siebenbürgisch-sächsische Theologe in Sibiu (Hermannstadt) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das müsse jenen klar sein, die diese Worte benutzen, "auch wenn es sich vielleicht 'nur' um Wahlkampf handelt".

Die Siebenbürger Sachsen sind die deutschsprachige Minderheit aus Siebenbürgen im heutigen Rumänien. In Deutschland leben Schätzungen zufolge heute rund 250.000 Mitglieder dieser Gemeinschaft, weitere in Österreich, den USA und Kanada.


Sozialsysteme müssten immer auf Fairness basieren, fügte Guib hinzu. Ein betrügerischer Missbrauch sozialer Leistungen sei daher immer unfair. "Der Wunsch, solchem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben, ist absolut legitim. Trotzdem: Alle rumänischen und bulgarischen Staatsbürger als potenzielle Gefahr hinzustellen, ist nicht nur kränkend. Es ist mit Sicherheit auch nicht im Sinne der deutschen Bürger und schon gar nicht im Geiste eines gemeinsamen Europa", erklärte Guib.

"Vergessen wir bei der ganzen Debatte nicht, dass es sich um Menschen wie du und ich handelt, die eine Würde, Rechte und Pflichten haben und den christlichen Glauben mit vielen Menschen in Deutschland und Europa teilen", sagte Guib. Bei den nun noch zu erwartenden Zuwanderern werde der Nutzen für den deutschen Staat aus seiner Sicht weitaus überwiegen.

Wo ein Wille zur Auswanderung vorhanden war, sei diese meist schon erfolgt, erklärte Guib: "Tüchtige Leute konnten auch bisher locker Arbeit im Ausland finden. Die neuen bürokratischen Erleichterungen werden also kaum noch besonders dramatische Konsequenzen haben."

In Siebenbürgen leben heute Schätzungen zufolge noch rund 16.000 Siebenbürger Sachsen. Die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses hat nach eigenen Angaben rund 13.000 Mitglieder. In den Jahren ab 1990 wanderten zwei Drittel der evangelischen Gemeindeglieder nach Deutschland aus.

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