Bundesweite Chatseelsorge wird zehn Jahre alt

Bundesweite Chatseelsorge wird zehn Jahre alt
Die Chatseelsorge der evangelischen Kirche feiert an diesem Montag ihr zehnjähriges Bestehen. Seit 2003 stehen mehr als 20 Pastoren, Diakone und Pädagogen an zwei Abenden in der Woche Ratsuchenden im Internet zur Verfügung, sagte Pastor Stephan Lorenz dem epd.

Hinter dem Projekt stehen die beiden größten Landeskirchen in Deutschland: Hannover und das Rheinland. "Für die Kirche sind wir ein junges Projekt, aber für das Netz sind wir schon aus der Steinzeit", ergänzte Lorenz, der die Chat-Seelsorge leitet.

Rund 4.500 Menschen pro Jahr

Jährlich erreicht die Chat-Seelsorge nach seinen Angaben jeweils montags und mittwochs von 20 bis 22 Uhr rund 4.500 Menschen. "Die Chats sind immer voll." Über www.chatseelsorge.de können sich Nutzer anonym einloggen - bei 30 Teilnehmern schließt der Chat. Rund 60 Prozent von ihnen meldeten sich mit akuten Problemen oder Konflikten. 20 Prozent hätten theologische Fragen. Trauernde fragten immer wieder, warum Gott so viel Leid zulasse. Weitere 20 Prozent seien bereits in Therapie.

"Wir bieten vor allem Begleitung in schwierigen Lebenssituationen", sagte Lorenz. Schon das Erzählen per Computer-Tastatur in einer virtuellen Gruppe könne Menschen entlasten. "Wer etwas ausgedrückt und aufgeschrieben hat, der hat es schon von innen nach außen transportiert - das ist der therapeutische Effekt." In der Chat-Gruppe fänden die Nutzer auch Gleichgesinnte. Bei Bedarf könnten sie sich im persönlichen Chat auch direkt an einen Seelsorger wenden. Das kirchliche Netz biete dabei technisch die höchsten Sicherheitsstandards.

Grenzen bei der Therapie

Die Grenzen der Chatseelsorge seien erreicht, wenn die Gespräche ins Therapeutische gingen. Dann legten die Seelsorger den Nutzern nahe, sich direkt an einen Therapeuten zu wenden - zum Beispiel bei schweren psychischen Störungen. Andere Themen seien Tod und Trauer, sexueller Missbrauch, Familie und Partnerschaft, Sucht, Angst und Depression, Krankheiten sowie Arbeit, Schule und Ausbildung.

Selbstverständlich gelte auch im Chat die seelsorgerliche Verschwiegenheit und das Beichtgeheimnis, sagte Lorenz. Gerade die Anonymität und Distanz im Internet sei für viele Ratsuchende hilfreich. So öffneten sich im Chat auch Menschen, die unter Autismus litten, und denen es in der persönlichen Beratung schwer falle, zu erzählen. Die Chat-Seelsorge will in Zukunft weitere Mitarbeiter gewinnen, um häufiger öffnen zu können. Zudem will sie sich mit Internet-Auftritten oder Facebook-Seiten von Kirchengemeinden vernetzen. "So wie man von einem Gespräch an der Tür, wo alle zuhören können, ins Amtszimmer des Pastors geht", sagte Lorenz.

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