Jesuiten fordern Abschaffung der Abschiebehaft

Der international tätige Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) fordert die Abschaffung der Abschiebehaft in Deutschland. "Sie zermürbt die Seelen der Flüchtlinge und schafft unnötiges Leid", sagte der Direktor des Jesuit Refugee Service (JRS) Deutschland, Pater Frido Pflüger, am Mittwoch in Berlin.

Nach den letzten verfügbaren Zahlen befanden sich 2011 in ganz Deutschland rund 6.500 Flüchtlinge in Abschiebehaft, davon mindestens 61 Minderjährige. Insbesondere müsse die Bundespolizei ihre "exzessive Inhaftierungspraxis" aufgeben. Menschen, die im Grenzbereich ohne gültige Papiere aufgegriffen werden, sollten die Möglichkeit haben, Asyl zu beantragen statt inhaftiert zu werden, betonte Pflüger.

Legale und sichere Einreisemöglichkeiten

Flüchtlinge sollten zudem "umfassend und verständlich über ihre rechtliche Lage und die Zuständigkeitsregelungen im Asylbereich informiert werden". Bislang sei dies nicht der Fall. In Deutschland müsse bei ausreisepflichtigen Flüchtlingen zudem in jedem Einzelfall geprüft werden, "ob es weniger einschneidende Maßnahmen gibt, die Ausreise sicherzustellen, als den Freiheitsentzug", erklärte Pflüger.

Der JRS forderte zudem für Asylbewerber legale und sichere Einreisemöglichkeiten nach Europa. Mit Blick auf Tausende im Mittelmeer ertrunkene Flüchtlinge in den vergangenen Jahren betonte Pflüger: "Eine Asylbewerbung in Europa muss möglich sein, ohne dass man dafür sein Leben riskiert." Das Mittelmeer bezeichnete der Pater in diesem Zusammenhang als "Massengrab".

Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst ist eine katholische, internationale Hilfsorganisation. In mehr als 50 Ländern werden vom JRS jährlich rund 600.000 Flüchtlinge unterstützt. In Deutschland hat die Initiative im vergangenen Jahr über 1.000 Flüchtlinge beraten und betreut.